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Kreisliga C2 Lemgo

TuS RW Grastrup/Retzen III – Die Gründungs-Geschichte Teil II

Eine neue Mannschaft ins Leben zu rufen, sollte gut geplant sein. Das dachten sich auch die Rot-Weißen aus dem fußballverrückten Grastrup/Retzen. Hier ist Teil II.

 

„Wir sind wahnsinnig stolz!“

 

Kreisliga C2 Lemgo (hk). Die Auguren waren felsenfest davon überzeugt. Sie verschränkten ihre Arme, hoben den Kopf, blickten dem Reporter tief in die Augen und wirkten dabei so staatsmännisch, als hätten sie gerade per Handstreich eine Steuerreform durchgedrückt. Ihr Statement war klar, der Kiefer verschob sich furchteinflößend: „Die C-Ligen verkleinern sich, die Reserveteams wollen sich nach der quälend langen Corona-Zwangspause nicht aufraffen, genießen lieber ihre Freizeit mit anderen Inhalten als mit Fußball.“ Ja, Kruzifix. In der Casa Klefisch wurde Klartext gesprochen, wenn der eine oder andere Vereinsvertreter auf dem Rondell gastierte. Die pure Idylle mit der Gartenbahn, dem Bachlauf oder dem Springbrunnen, dazu fröhlich pfeifende Vögel, bot die Kulisse für ein Schreckensszenario, was die Propheten für den lippischen Fußball an den Horizont malten. Puh. Zum Glück irren sich auch mal die Gelehrten aus dem Abendland, denn Teams wie der SV Wüsten, der SC St. Pauli oder auch der TuS Almena haben nun eine weitere Reservemannschaft ins Leben gerufen. Und: Der Turn- und Sportverein aus Grastrup/Retzen bekommt zur neuen Spielzeit eine dritte Mannschaft. Im zweiten Teil äußert sich Timo Drechshage, der TuS II-Trainer und Initiator der neuen Drittvertretung, wie alles entstanden ist.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

Tja, aus der kalten Hose heraus ist die neue Reserve nicht gebildet worden. Viel Zeit und Schweiß war erforderlich, um das neue Team ins Leben zu rufen. Mit dem extrem agilen Coach der Erstvertretung, Sebastian Milde, kam mächtig Bewegung in diese Thematik hinein. Für Drechshage war es nur „eine Frage der Zeit, wann wir es mit der dritten Mannschaft machen“, hat dies die Kaderqualität wie Quantität definitiv hergegeben, mit drei Seniorenteams in die neue Serie zu starten. Extrem wichtig ist ihm die vorherrschende Einheit, die zwischen allen Mannschaften besteht. Keiner fährt sein eigenes Rennen. Drechshage appelliert mit Nachdruck, dass der Verbund gestärkt wird. Vorbildlich agieren hier die Erste und Zweite, die vertrauensvoll und eng zusammenarbeiten. „Wir sind in gutem Austausch und intensiv daran am arbeiten.“

 

 

„Das sind nicht irgendwelche dahergelaufenen Leute“

 

 

Timo Drechshage rühmt explizit, dass das neue Trainerteam aus zwei hochseriösen Personen besteht. Das neue, gleichberechtigte Trainerteam Niklas Prante und Sören Bertram (Bild rechts) ist nicht zufällig mit dem Fahrrad am Retzer Sportplatz vorbeigeradelt.

Sie atmen die DNA vom Verein mit jeder Pore. Beide entstammen dem Kader von Drechshage, verfügen über eine gewisse Routine. „Sie können den Jungs noch etwas beibringen. Das sind nicht einfach irgendwelche dahergelaufenen Leute, die da sonntags auf dem Platz stehen, sondern die wissen, wovon sie reden. Sie haben ein Standing im Verein“, spricht der TuS II-Coach folglich von „sehr guten Lösungen“, die hier getroffen wurden. Da bei den Rot-Weißen keiner sein eigenes Süppchen kocht, sind sämtliche Schritte zwischen dem Vorstand, Drechshage und Milde abgesprochen worden, um unliebsame Überraschungen prophylaktisch auszuschließen.

 

 

„Keine obligatorische dritte Mannschaft“

 

 

Der Ansatz ist ehrenwert und äußerst empathisch. Allen fußballinteressierten Jungs soll beim Turn- und Sportverein die Option gewährt werden, Spielzeit zu erhaschen. Timo Drechshage hat hier keine „obligatorische dritte Mannschaft“ im Blick. Keine, die ambitionslos gegen den Ball pöhlt. Keine, die der dritten Halbzeit mehr Wertigkeit einräumt als den ersten beiden. „Es soll mit Disziplin, mit Zielen und mit Erfolgen Fußball gespielt werden“, unterstreicht er bei Lippe-Kick. Primär wird es darum gehen, dass alles in die Waagschale geworfen wird, sodass auch im Sommer 2022 eine dritte Mannschaft gemeldet werden kann. Auf dem Weg dahin sollen daher keine Partien aufgrund von Personalmangel gecancelt werden. Zugleich erhält jeder Kicker die ausgezeichnete Option, mächtig Eigenwerbung zu betreiben, um in der ersten oder zweiten Mannschaft zu Spielzeit zu kommen. „Man soll es nicht als negativ sehen, wenn man von der einen in die andere Mannschaft runtermuss“, betont Timo Drechshage mit Überzeugung in seiner Stimme.

 

 

„Beim TuS schläft man nicht.“

 

 

Nach vielen Gesprächen hat der aufmerksame Coach registriert, dass der Verein äußerst gestärkt in die neue Spielzeit gehen wird.

Inwieweit tatsächlich die gesteckten Saisonziele erreicht werden, ist aktuell unklar. Neben den sportlichen Faktoren kommt es hier auch auf die Verletzungssituation und die Konkurrenz an. Für Drechshage ist ganz wesentlich, dass der TuS seine Hausaufgaben mit viel Fleiß und Akribie in den vergangenen Wochen und Monaten erledigt hat. „Beim TuS schläft man nicht. Wir arbeiten immer weiter.“ Das besitzt insbesondere Relevanz für die eigenen Jugendspieler, die mit einer erfreulichen Perspektive konfrontiert werden sollen. „Vielleicht in naher Zukunft mal A-, B- und C-Liga”, frohlockt der Tausendsassa. Oder eben auch in einer anderen Liga-Konstruktion. Entscheidend ist es für ihn, dass die A-Jugend-Jungs sehen, dass Stillstand verpönt ist, vielmehr der sportliche Tatendurst bei den Rot-Weißen gestillt werden kann. Wichtig ist es ihm auch zu betonen, dass das Schicksal dieser Mannschaft eindeutig in den Händen und Füßen der Spieler liegt. Der Verein hat das Fundament erschaffen. Alles, was jetzt noch kommt, müssen die Kicker entscheiden. „Ich bin neugierig und gewillt, alles dafür zu tun, dass im Sommer 2022 immer noch drei Mannschaften beim TuS auf dem Tableau stehen”, unterstreicht der Workaholic.

 

 

„Stumpfe Kommentare kann ich absolut nicht verstehen.“

 

 

Was dem leidenschaftlichen 1. FC Köln-Anhänger spürbar gegen den Strich geht, sind „Neid und Missgunst“, die seinem Team im Allgemeinen und seiner Person im Speziellen von einigen Protagonisten aus dem Fußball-Kreis entgegengebracht werden. „Ich finde es schade, dass man sich für andere Vereine nicht freuen kann. Gerade in einer Zeit, wie dieser, wo man sich über jede Reserve oder dritte Mannschaft freuen kann, die dazustößt. Es gibt wirklich Leute, die das belächeln oder wirklich stumpfe Kommentare abgeben. Das kann ich absolut nicht verstehen. Es lesen ja nicht nur ein, zwei Leute, sondern mehrere. Dies ist keine gute Werbung.“ Mit großer Freude blickt der gesamte Verein zum TuS Almena oder zum SV Wüsten, wo weitere Reserveteams gegründet wurden. „Wir wissen, wie heiß die Duelle mit Wüsten sind. Ob in der ersten, in der zweiten Mannschaft oder auch damals mit der Dritten.“ So sollte doch die Freude dominieren, wenn eine weitere attraktive Option zur sportlichen Betätigung angeboten wird. „Was war denn in den letzten zehn Jahren? Es wurden immer mehr Spielgemeinschaften gegründet. Jetzt bewegt sich wieder etwas in die richtige Richtung und dann werden solche Kommentare geschrieben. Ich halte das für absolut dämlich und dumm.“

 

 

„Leute sollten sich mal überlegen, was sie von sich geben.“

 

 

Ähnlich emotionsgeladen reagiert der Familienvater mit Blick auf Personen, die einem Verein nicht zugehörig sind, sich dennoch über dortige Entscheidungen echauffieren. Dies ohne die dafür erforderlichen Hintergrundinformationen zu besitzen.

Konkret bezieht sich seine Kritik mit freier Sicht auf den Trainerwechsel auf der Kommandobrücke vom TuS Rot-Weiß Grastrup/Retzen. Der eine Sebastian (Brosch) wurde durch einen anderen Sebastian (Milde) ersetzt. Dass Außenstehende sich einmischen, ist für Drechshage völlig unverständlich. „Das mit schwachsinnigen Kommentaren zu kommentieren, da sollten die Leute mal überlegen, was sie von sich geben. Ich finde es traurig, dass so etwas an die Öffentlichkeit gerät“, hofft er, mit diesen deutlichen Worten die O-Ton-Geber mächtig wachzurütteln. Mehr „Akzeptanz“ und „Toleranz“, das wünscht sich Timo Drechshage final und vehement zugleich.

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