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Unvergessene Vereine

Unvergessene Vereine – BSV Lage von 1977

Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen. Lippe-Kick beamt sich mehr als drei Jahrzehnte zurück. Dieses Mal nehmen wir einen Lagenser Verein ins Visier.

 

Eine kurze, aber intensive Zeit

Unvergessene Vereine (hk). Das Vereinssterben ist bundesweit von gravierender Natur. Auch vor Lippe hat es nicht Halt gemacht. Einige sind in Spielgemeinschaften weiter beständig, andere sind gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Wie etwa auch der BSV Lage von 1977, der nur wenige Jahre Bestand hatte. Das ehemalige Vereinsmitglied Siegfried Seidel äußert sich bei Lippe-Kick über die goldene Zeit vom Ballspielverein aus der Zuckerstadt. Der 72-Jährige war einst aktiver Boxer, zugleich  Trainer des KSV von 1905 Lage, und langjähriger Fußball-Trainer zu Beginn der  80er Jahre der Spielvereinigung Hagen-Hardissen. „Ich bin mit diesem Verein auch in die Kreisliga B aufgestiegen”, berichtet Seidel bei Lippe-Kick stolz.

 

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Von Henning Klefisch

 

Die goldenen 70er Jahre. Oder doch nicht? Wirtschaftlich war es die Zeit der Stagnation nach dem lang anhaltenden Nachkriegsboom. Zudem gesellten sich die Ölkrise und die Folgen hinzu. Zugleich war jedoch auch die Abba-Zeit mit grellen Farben und gewagter Mode angesagt. Fußballerisch erlebte Deutschland seine Blütezeit. Auf Vereinsebene gelang dem FC Bayern München der Hattrick im damaligen Cup der Landesmeister, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft krönte sich 1972 zum Europameister, zwei Jahre später sogar zum globalen Titelträger. Im lippischen Lage war der Fußball-Eifer nicht minder groß. Der Tartanplatz nahe der Turnhalle der Schule „Am Maßbruch“ war die Heimat für die fußballinteressierten Kids aus der Zuckerstadt. Seidel verrät gegenüber Lippe-Kick: „Es waren etliche Spieler dabei, die mal bei anderen Vereinen waren und etwas angefressen wegen verschiedener Vorkommnisse waren.“ Nach einigen Jahren kam der Vorschlag auf, auf Basis der Begeisterung doch einen neuen und eigenen Verein aus der Taufe zu heben. Nachdem sämtliche Formalitäten erledigt wurden, folgte 1977 die Gründung vom neuen Verein. „Wir hatten einen sehr starken Zuspruch und hatten innerhalb kürzester Zeit eine Seniorenmannschaft sowie eine C- und A-Jugend“, berichtet Seidel.

 

Lecker Umtrunk bei „Kleiner Schröder.“

 

Unvergessen für ihn, dass nicht alle Fußballer begeistert über diesen neuen Verein waren: „Es gab natürlich auch Widerstand, besonders Jürgen Biere von SuS Lage versuchte uns, nur Steine in den Weg zu legen.“

Wie sahen diese Hürden denn im Detail aus? „Sperren von Kreisliga C-Spielern und mehr.“ Sportliche Heimat war der rote Aschenplatz am Werreanger in Lage. Die Zuschauer-Unterstützung war definitiv vorhanden, wenn sonntags die Heimspiele anstanden. Nach dem Kick folgte stets ein Umtrunk im Vereinslokal „Kleiner Schröder“, wo Wolfgang und Renate exzellente Gastgeber waren. Stets mit im Schlepptau: die Frauen, Kinder der Spieler, dazu Gönner und Sympathisanten.

 

„Bombenleistung“ gegen Favoriten SuS Lage

 

Siegfried Seidel war quasi die eierlegende Wollmilchsau für den BSV Lage von 1977. Er war nicht nur Coach, sondern auch für viele andere Dinge verantwortlich. Als die Stadtmeisterschaft anstand, ging es etwa am Werreanger gegen den SuS Lage. „Da waren damals die Gnade-Zwillinge dabei und auch Thomas Stratos. Aus der Kabine von SuS war nur zu hören, wie hoch es zweistellig werden sollte und solche überheblichen Aussagen.“ Was war die Moral von der Geschichte? „Zum Schluss haben wir nur 0:4 verloren und uns wurde eine Bombenleistung bescheinigt. So war es auch in der Kreisliga C. Wir haben immer oben gestanden und wären einmal fast aufgestiegen.“

Seidels Austritt 1984 war der Anfang vom Ende, denn 1986 löste sich der Verein schließlich auf. Warum verließ Siegfried Seidel damals den Ballspielverein? „Ich bin dann aus dem Verein ausgetreten, weil uns aufgrund meiner persönlichen Beziehungen ein Ballschrank – ich habe bis dahin alles in meinem PKW transportiert – von Wesertal gesponsert wurde und ein Vorstandsmitglied dann beim Stadtsportbund die Aussage getätigt hat: Brauchen wir nicht.‘ So nahm eine insgesamt erinnerungswürdige Zeit ein unschönes Ende.

 

Hier die Tabellenstände:

 

Saison Liga Platz Spiele Tore Punkte
1978/1979: KL C2 DT  3. Platz 22 70:26  33-11
1979/1980: KL C2 DT  7. Platz 26 61:56  26-26
1980/1981: KL C1 DT 10. Platz 26 42:74  20-32
1981/1982: KL C1 DT 16. Platz 30 22:129 10-50
1982/1983: KL C2 DT 14. Platz 30 38:111 14-46
1983/1984 Tabelle fehlt
1984/1985: KL C2 DT  3. Platz 22 66:34  31-13
1985/1986: KL C1 DT 11. Platz 24 30:128 12-36

 

 

 

 

Bild-Quelle: Siegfried Seidel.

 

PS: Dieser Bericht erhebt keine Ansprüche auf Vollständigkeit.

 

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