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Saison 2021/22

Der Mann mit Pfiff – Teil 22: Sükrü Bulut

Schweigen bedeutet Lob. Wenn über sie nicht berichtet wird, dann haben sie eine einwandfreie Leistung gezeigt. Lippe-Kick möchte in der populären Serie den Spielleitern die Wertschätzung erweisen, die sie längst verdient haben. Klickt euch mal hinein.

 

 

„Ich mache Schiedsrichterei nicht wegen des Geldes“

 

Der Mann mit Pfiff (bs). Von den Schiedsrichtern wird stets verlangt, dass sie fehlerfrei agieren. Perfektionismus pur. Manche Kreisliga-Spieler schießen mehr hoch als weit, lassen den Ball vom Schienbein weiter abprallen, als andere passen können. Doch die Spielleiter, die müssen ohne Fehl und Tadel agieren, so das Anspruchsdenken einiger. Man muss selbstbewusst sein, dazu ein hohes Maß an Souveränität und Fußball-Kompetenz besitzen, um in diesem Stahlbad seinen Mann zu stehen. Auf den ersten Blick ist das Schiedsrichterdasein ein Solo-Kämpfertum. Man gelangt in eine Einzelkabine, ist auch im Spiel meistens auf sich allein gestellt. In seltenen Fällen und bei besonderen Spielen helfen Assistenten an der Seitenlinie aus. Heute begeben wir uns auf eine spannende Reise in das Leben vom 52-jährigen Referee Sükrü Bulut und seine ereignisreiche Lebensgeschichte vom Spieler zum Schiedsrichter und Familienvater.

 

 

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Von Björn Schran

 

 

Bevor wir in die komplette Lebensgeschichte von Bulut unvermittelt eintauchen, beginnen wir mal ganz von vorne in der chronologischen Reihenfolge.
Geboren ist Sükrü Bulut am 15.10.1968. Angefangen hat er als Spieler in Pivitsheide, wo er auch groß geworden ist. Seine hauptberufliche Tätigkeit ist Industriemechaniker. In der Jugendabteilung hat er dann Fußball gespielt. Später in den Seniorenmannschaften, auch in der ersten Seniorenmannschaft, hat er jahrelang mit dem Ball gezaubert. Seine spätere Aufgabe war Trainer als Junioren-Betreuer. Bei der SuS Pivitsheide coachte er die B-Junioren, er hat gespielt und nebenbei auch Spiele gepfiffen. Bulut ist ein Tausendsassa, die eierlegende Wollmilchsau. Er kann sich folglich in viele Situationen hineinversetzen.

 

 

Bulut macht C-Lizenz-Schiedsrichter-Schein

 

 

1996 begann die Zeit von Sükrü Bulut, in der er sich dafür entschied, Schiedsrichter zu werden. Denn in diesem Jahr ist er angefangen, einen Schiedsrichter-Schein zu machen, damit er die Jugend-Trainer Lizenz (C-Lizenz) erhält: „Für eine C-Lizenz sollte man einen Schiedsrichter-Schein machen“, führt er erklärend aus. Er macht die Schiedsrichtertätigkeit ja nur nebenbei als Hobby. Die klare Aussage: „Ich arbeite nicht als Schiedsrichter, das ist mein Hobby“. Als Referee war er dann für SuS Pivitsheide und Türkgücü Detmold aktiv. Doch warum hat sich Bulut überhaupt entschieden, Schiedsrichter zu werden? „Ich habe lange Jahre Fußball gespielt, irgendwann macht man Schiedsrichter auch als Hobby.“ Er ist überglücklich, diese Tätigkeit ausüben zu können. „Ich mache das gerne. Ich bin gerne auf dem Platz“, freut sich Bulut über jedes weitere Match.

 

 

2005 – Niederlegung der Schiedsrichter-Tätigkeit

 

 

Seit 2000 ist er glücklich verheiratet und wurde wenig später stolzer Vater von zwei Kindern. Dann noch bei den Spielen antreten, Trainer sein und Schiedsrichter, diese ganzen Aufgaben ließen sein Zeit-Reservoir spürbar sinken.

Er gibt bei Lippe-Kick zu: „Das wurde mir dann alles zu viel“. Also entschloss er sich 2005, eines seiner Hobbys aufzugeben, und das war die Schiedsrichter-Tätigkeit. Seit 2005 ist Bulut auch ehrenamtlich tätig, nämlich als 2. Vorsitzender im Verein Türkgücü Detmold.

 

 

„Ich gehe einfach zu den Spielen hin“

 

 

Zur Frage auf die Vorbereitung auf ein Spiel sagt Referee Bulut ganz klar: „Ich bereite mich mit 52 Jahren auf kein Spiel vor. Ich gehe einfach zu den Spielen hin“. Nach der langen Corona-Pause hofft er, „dass wir wieder Amateur-Fußball sehen können“. Er freut sich immer auf jedes Spiel und ist absolut „gerne auf dem Platz“. Egal in welcher Altersgruppe die Spiele sind. Auf dem Platz kommt er mit Spielern und Trainern sehr gut zurecht: „Ich habe da überhaupt keine Probleme“, erzählt er uns im Interview. 2017 entschied er sich, mit seiner Tochter Melike Bulut zusammen die Schiedsrichtertätigkeit wieder aufzunehmen und dies macht er bis heute. Mit 52 Jahren ist er aber immer noch aktiv auf dem Platz und pfeift sowohl Jugend-, aber auch Seniorenspiele.

 

 

„Wir brauchen mehr junge Schiedsrichter“

 

 

In Zukunft wünscht er sich, dass mehr jüngere Akteure sich als Schiedsrichter bewerben. „Wir brauchen neue, junge Schiedsrichter“. Denn er ist überzeugt: „Jeder kann heutzutage Schiedsrichter werden“. Werbung kann man ja in diesen Tagen nie genug machen. Er findet: „Es ist eigentlich eine sehr schöne Tätigkeit“. Denn, wer ein bisschen vom Fußball kommt und die Regeln einigermaßen kennt, der macht das auch gerne. Bis heute hat er keinerlei Probleme mit irgendwelchen Spielen gehabt. Aber Obacht! Für junge Schiedsrichter ist es im Moment sehr schwierig. Oft werden sie teilweise von Trainern, Betreuern oder sogar auch von Familien oder Eltern überredet. Es fehlt spürbar die Konstanz, die Langfristigkeit. Nach zwei bis drei Spielen als Jungschiedsrichter geben sie das dann wieder auf. „Das ist ein bisschen traurig“, findet Bulut. „Wir brauchen hier im Kreis wirklich neue, junge Schiedsrichter. Da wäre die Werbung, wenn das in den sozialen Medien kommt, eine gute Sache. Also ich kann nur raten, jungen Leuten die Schiedsrichtertätigkeit ans Herz zu legen“, so das klare Statement nach draußen an die nachfolgende Generation.

 

 

 

„Ich will sonntags noch ein bisschen Spaß haben“

 

 

Ihm ist auch klar: „Wäre ich heute 25 Jahre alt, würde ich weniger Fußball spielen, dafür mich mehr auf die Schiedsrichter-Tätigkeit konzentrieren.“ Warum? „Dies ist ein schönes Hobby, mit dem man später, wenn man höher in der Liga aufsteigt, auch gut Geld verdienen kann.“ Also jetzt nicht unbedingt im Amateur-, Kreisliga-Bereich. Denn er macht dies nicht wegen des Geldes, sondern „weil ich sonntags noch ein bisschen Spaß haben will und solange ich Freude daran habe, werde ich es auch weitermachen“. Auch zu seinen anderen Schiedsrichter-Kollegen hat er sehr gute Kontakte. Selbst die, die höher pfeifen. „Von denen hole ich mir Ratschläge und lasse mir erklären, wie deren Spiele waren“. Einmal im Monat findet eine gemeinsame Sitzung statt. Da wird dann auch über einige Probleme gesprochen. „Die Probleme, die wir sonst nicht austauschen können“, erklärt Bulut via Lippe-Kick. Sein Schlussplädoyer: „Ich wünsche allen jungen Schiedsrichtern viel Erfolg“.

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