Connect with us

Die Einstellung entscheidet

Spielbericht

 

(hk). Der komplette Kult-Balkon mit den FSV Pivitsheide-Edel-Fans wippt, allez, allez. Robbie Williams rockt die Sportanlage, singt lauthals „Let me entertain you.“ Vielleicht. Dieses Lied könnte der Soundtrack zum gestrigen Spiel sein, was die gastgebenden Pivitsheider im Duell mit dem TSV Horn mit 2:0 für sich entscheiden. Womit? Mit Recht! Einmal mehr ein Indiz, dass diese „jungen Wilden“ von Coach Dennis Brokmann absoluten Erlebnis-Fußball bieten, eine Pfunds-Einstellung demonstrieren. Gäste-Trainer Thorsten Schmiech mahnt enttäuscht an: „Wir haben das fortgesetzt, was uns zuletzt schon in den Spielen Probleme bereitet hat und verdient verloren.“

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

Von Henning Klefisch

 

Die vorzeigbaren Ergebnisse haben vielleicht ein wenig die Sinne vernebelt. Sich 13 Punkte aus fünf Partien gesichert zu haben, ist ganz bestimmt sogar in Einklang mit den Erwartungen der strebsamen Horner zu bringen. Der analytisch denkende Schmiech blickt tiefer in die Materie, wird pointierter in seinen Ausführungen, als er Lippe-Kick in den Notizblock diktiert: „Unser Spiel ist derzeit einfach zu statisch, nicht schnell und mutig genug und, was überhaupt nicht erklärbar ist, viel zu fehlerhaft! Wir schaffen es nicht, einfachste Bälle präzise zu spielen und schaffen es heute tatsächlich, von 21 Ecken oder Freistößen 20 auf den ersten Mann des Gegners zu spielen“, ist Fassungslosigkeit die perfekte Beschreibung für den Gefühlszustand von Schmiech.

 

Standards entscheiden die Partie

 

Man redet keinen Unsinn, wenn man behauptet, die Horner gehen favorisiert in dieses Wochen-Spiel. Personell und fußballerisch sind sie edel aufgestellt, doch an diesem Abend an der Oerlinghauser Straße zählen auch andere Tugenden. So antwortet Brokmann, was denn ausschlaggebend für den Heimsieg ist: „Ganz klar die Einstellung. Die Jungs haben alles reingehauen und dem Gegner das Leben schwer gemacht.“ Dass dieser spielstarke Kontrahent nicht komplett an die Kette gelegt werden kann, ist klar. Dafür ist das fußballerische Können der Egge-Kicker zu groß. „Aber“, verweist Brokmann sehr gerne darauf, „wir haben es kämpferisch und läuferisch super gemacht.“ Vor allem die überfallartigen Umschaltaktionen stürzen den langjährigen Bezirksligisten in die eine oder andere Verlegenheit. Diese Entlastungsangriffe sind ein probates Hausmittel. Die Tore des Tages fallen allerdings nach ruhenden Bällen. Nach einem torlosen ersten Durchgang bricht Bastian Schultmann (Bild links) elf Minuten nach dem Seitenwechsel den Bann. Ein Freistoß von der Außenposition bleibt an der Fünfmeterraum-Grenze liegen. Schultmann denkt egoistisch, knallt die Kugel in die gegnerischen Maschen. In der 73. Spielminute markiert Pascal Rubart (Bild rechts) den 2:0-Endstand. Den zweiten Ball nach einem Eckball schießt er mit viel Schmackes aus zwölf Metern in den linken Torwinkel im von Mohamed Yazan Zarour (Bild links unten) gehüteten TSV-Gehäuse.

 

 

 

 

„80 Prozent sinnloser Ballbesitz“

 

 

Das 1:5 in Müssen hat wachgerüttelt, jubelt Brokmann (Bild links) doch über eine „super Reaktion meiner Mannschaft.“ Schmiech fällt nicht aus allen Wolken, ist dieses Ergebnis für ihn „jetzt nicht so überraschend, denn Pivitsheide hat genauso gespielt wie erwartet.“ Nämlich: „Sehr intensiv, sehr diszipliniert, viel Umschaltspiel und gute Standards.“ Schmiech hat seine Hausaufgaben für dieses Spiel erledigt, gezielt am Freitag beim Training diese Inhalte umfangreich exerziert, doch seine Schützlinge haben dies offensichtlich in diesem Spiel aus ihrem Gedächtnis gestrichen. Klar, Fußball ist ein Fehlerspiel, wird es stets darum gehen, dass ehrlich und schonungslos analysiert wird, um folglich die angemessenen Konsequenzen daraus zu ziehen. Worte, die wirken wie ein Vollspann-Schuss ins Gesicht aus fünf Metern Entfernung: „Auf jeden Fall sollte jeder jetzt wissen, dass 80 Prozent sinnloser Ballbesitz, hier und da mal mit dem Arsch wackeln und sich auf historische, höherklassige Spielzeiten auszuruhen, gegen einen solch engagierten, jungen Gegner wie FSV Pivitsheide in der Kreisliga A nicht reicht“, sind es vermisste Primärtugenden, die den rot-weißen Adler in diesem Spiel abstürzen lassen. Da Thorsten Schmiech mannhaft die gegnerische Leistung anerkennt, richtet er seinen „Glückwunsch an das junge Pivitsheider Team zum verdienten Sieg.“

 

Fazit: Das Spiel des Türkischen SV Horn erinnert an die Karriere des Michael Anicic. Viel fußballerisches Können, doch die Basiselemente im läuferischen, kämpferischen und psychischen Bereich fehlen komplett. Ähnlich wie der einstige Shootingstar von Eintracht Frankfurt, legen auch die rot-weißen Adler einen Sturzflug hin, werden von den glänzend eingestellten Pivitsheidern völlig zu Recht von Wolke sieben heruntergeholt. Somit verpasst das Schmiech-Team den Sprung auf Tabellenposition zwei.

 

 

Tore:

1:0 Bastian Schultmann (56. Min.)
2:0 Pascal Rubart (73. Min.)

Details

DatumZeitLigaSaisonSpieltag
7. Oktober 202090'Kreisliga A Detmold2020/216

Spielort

Sportplatz Pivitsheide
97, Oerlinghauser Straße, Pivitsheide V.L., Detmold, Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold, Nordrhein-Westfalen, 32758, Deutschland

Ergebnisse

Club1st Half2nd HalfGoalsSpielausgang
FSV Pivitsheide022Win
Türkischer SV Horn000Loss

Autohaus Stegelmann

Schiewe

Concordia

Vogt Reisedienst GmbH

Fahrschule Isaak

More in