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Das Gefühlschaos des Nicklas P.

Spielbericht

(hk). Der Favoriten-Jäger kann es einfach nicht lassen. Im Residenz-Knaller überwältigt die SG Hiddesen/Heidenoldendorf den Post TSV Detmold, siegt mit 2:1 in der Werre-Arena. Nicklas Petkau hat Nerven wie Drahtseile, versenkt einen Elfmeter zehn Minuten vor dem Ende zum 2:1-Siegtreffer. Mit diesem Erfolg springt der erfrischende Aufsteiger zumindest über Nacht in das obere Tabellendrittel, rangiert mit 29 Punkten nach 19 Partien an sechster Stelle. Nicht so schlimm. Der SC Borchen ist mittlerweile wieder vorbeigezogen. „Über den Sieg sind wir froh und glücklich und freuen uns über drei wichtige Punkte“, schnauft SG-Coach Markus Rüschenpöhler sehr erleichtert durch. Auffällig: Es gibt einige Parallelen zum Bundesligisten SC Freiburg, der im Vergleich zu früheren Tagen, selten die Glocken vom Kirchturm spielt, aber ebenso die Wahrscheinlichkeit für den Klassenerhalt auf ein hohes Prozent-Level hievt.

 

Von Henning Klefisch

 

F. Buba

Die Aufgabe Post TSV Detmold ist enorm fordernd, müssen die jungen Fohlen einige Hürden überspringen, um den Auswärtscoup am Aqualip vor rund 100 Zuschauern einzufahren. Über weite Strecken vom ersten Abschnitt tasten sich beide Teams nur ab, fehlt es an Durchschlagskraft im eigenen Spiel, geht es daher sehr harmlos zu. Ein Elfmeter muss nach 34 Minuten herhalten, um den Gastgeber mit 1:0 in Führung zu bringen. Sturmführer Felix Buba versenkt nervenstark aus dieser aussichtsreichen Position. Nicklas Petkau (Bild rechts) begünstigt diesen Treffer allerdings mit einem Katastrophen-Fehler, hält seine Anteile an diesem vermeidbaren Gegentor. Buba wird dadurch in Position gebracht, enteilt Petkau, der nur das Foulspiel als Stoppzeichen für sich erkennt. Der Referee Jan Ole Krüger bewertet dies als Verhinderung einer klaren Torchance, sanktioniert dies mit dem Elfmeter-Pfiff. Die Gäste-Elf, die wohl aus der Sturm-und-Drang-Epoche stammt, schüttelt sich kurz, schlägt vier Zeigerumdrehungen danach äußerst kühl zurück. Steffen Hinder brilliert mit einer geschickten Balleroberung. Er passt auf den Ex-Postler Ingo Schmitz. Dieser schickt Samuel Töws (Bild links), der sich auf der rechten Position geschickt durchsetzt, über Optionen verfügt, um den direkten Weg auf das gegnerische Gehäuse anzusteuern. Töws beweist allerdings klerikale Ansichten, bewahrt den Überblick, flankt auf den zweiten Pfosten. Dort steht etwas bedrängt der heransprintende Jannik Sprengelmeyer, egalisiert aus kürzester Entfernung. Die Postler wollen dieses 1:1 nicht auf sich sitzen lassen, intensivieren ihre Offensivbemühungen um ein Vielfaches, gelangen in Abschlusssituationen. Hochpreisige Chancen sind jedoch rar gesät, doch der Eifer der Schützlinge von Coach Ralf Brokmann ist unübersehbar. Hiddesen/Heidenoldendorf fehlt hier die zutreffende Tiefenstaffelung, das zupackende Wesen, schafft man es nicht, den Spieltrieb der technisch starken Postler im Keim zu ersticken. Tim Bukowski verdient sich folglich den Viel-Flieger-Rabatt, ist in einigen Szenen höchst aufmerksam, sichert dem Liga-Neuling das Remis zur Halbzeitpause. Post TSV-Kicker Tobias Gatzke stellt fest: „Ich denke, die erste Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft. Wir hatten mehr Ballbesitz, aber wussten, dass HH auf Konter lauern würde.“

 

Bukowski verhindert weitere Einschläge

 

Die Spielgemeinschaft lernt aus ihren Defiziten im ersten Abschnitt, tritt ein Stück weit selbstbewusster, engagierter und durchsetzungsfähiger auf, möchte schnell und mit wenigen Kontakten den Maschinenraum überbrücken. Die zahlreichen Zuschauer müssen sich aber in Geduld üben, denn Abschluss-Aktionen sind unterrepräsentiert. In der besagten 81. Spielminute fällt der Treffer des Tages. Thomas Knöllner und Jan Block leiten den Angriffszug auf der linken Seite edel ein. Capitano Schmitz (Bild links mittig) wird irregulär von Juan Sag im gegnerischen Strafraum zu Fall gebracht. „Für mich war das ein Witz“, charakterisiert Gatzke diese Szene, um dann etwas präziser in seinen Ausführungen zu werden: „Da darf man nie Elfmeter geben.“ Was für ihn die Sache doppelt bitter macht: „Das Schlimme ist dann noch, dass der Spieler den Elfmeter reinmacht, der am Anfang hätte mir Rot heruntergehen müssen“, darf nach seinem Dafürhalten der Sportkamerad Petkau nicht mehr auf dem Platz stehen. Die Ampelkarte ist die von Krüger verhängte Konsequenz für Sag, der mit dieser Aktion den eigenen Sargnagel drauf kloppt. Ausgerechnet Petkau fasst sich ein Herz, ist nicht zu Späßen aufgelegt und zimmert das Objekt der Begierde ohne Zeichen von Empathie in den gegnerischen Kasten. Von diesem späten Rückstand angestachelt, drückt der Post TSV, doch es fehlen die gescheiten Lösungen, um das HH-Abwehrdickicht erfolgreich per Fuß und Ball zu durchqueren. Zwei Fäuste für ein Halleluja gibt es von SG-Schnapper Bukowski als Gratis-Zugabe, der mit der Doppelfaust ein Vollmer-Geschoss entschärft. Konkret werden die Brokmänner vor dem Gäste-Gehäuse allerdings nicht. Das erhöhte Risiko der Hausherren offeriert den jungen Fohlen einige Räume. Michael Thissen demonstriert eine tolle Solo-Performance auf dem Kunstrasen, findet aber in Zimmer (Bild rechts mittig) seinen Endgegner. Ein Eckball als unmittelbares Resultat dieser Gefahrenoption ist das Höchste der Gefühle.

 

„Wir haben uns als Team präsentiert“

 

Die Freude über diesen Auswärts-Coup besitzt aber nur eine geringe Haltbarkeitszeit, denn Torschütze Jannik Sprengelmeyer Bild links unten) verletzt sich schwer. So hat es zunächst den Anschein. Per Krankenwagen tritt er die Rückreise aus der Werre-Arena an. Glück im Unglück, denn der Modellathlet hat nur eine „schwere Knieprellung“ davongetragen, wie sein Coach Markus Rüschenpöhler gegenüber Lippe-Kick verrät. Unversehrt geblieben sind die Bänder und Knochen bei ihm. Gatzke beweist trotz der Derby-Hitze eine gesunde Portion Mitgefühl, wenn er sagt: „Ich möchte stellvertretend für unsere Mannschaft auch noch beste Genesungswünsche an Jannik Sprengelmeyer ausrichten. Wir hoffen, dass die Verletzung nicht so schwer ist und er schnell wieder auf dem Platz stehen kann!“ Das Resümee von Rüschenpöhler nach dem Match ist eindeutig: „Über ein Unentschieden hätten wir uns sicherlich auch nicht beklagen dürfen, aber völlig unverdient war dieser Sieg keinesfalls. Von der Leidenschaft, von der Einstellung, vom Kampf, waren wir 100 Prozent da. Wir haben uns als Team präsentiert“, das schwerwiegende Personalvakanzen prächtig auffängt. Rüschenpöhler wäre nicht der Trainer, der er ist, wenn er nicht auch noch Steigerungspotenzial registriert. Im fußballerischen Sektor bleibt vieles unvollendet. So sind es meist die talentfreien Tugenden wie Laufen und Kämpfen, die für die Einfuhr von wichtigen Punkten für den Klassenerhalt sorgen. Nun ist die Devise klar: Eine ansprechende Vorbereitung auf das finale 2019-Match gegen den SV Atteln. Klare Worte benutzt Gatzke, um diese Begegnung zu beschreiben: „Es war ein typisches Unentschieden-Spiel, das am Ende der Unparteiische entschieden hat“, fühlt er sich mit diesem Ausgang nicht wohl. Sein Gefühl: „Einfach nur traurig, so zu verlieren. Und wenn am Ende sogar Spieler von HH sagen, dass die den Sieg geschenkt bekommen haben, das macht es umso schlimmer.“ Die Blicke sind nun klar Richtung Match beim FC Peckelsheim-Eissen-Löwen ausgerichtet. Die erforderliche Maxime ruft Tobias Gatzke (Bild links unten) bereits aus: „Wir müssen jetzt am Freitag nochmal alles reinhauen, um mit einem positiven Gefühl in die Pause gehen.“

 

Fazit: Dieser Auswärts-Erfolg wird nicht allein mit fußballerischen Elementen errungen. Vielmehr ist es eine sagenhafte Mannschaftsleistung, garniert mit individuellen Höhepunkten, die für einen weiteren Schritt zum Klassenerhalt ausschlaggebend sind. Die SG Hiddesen/Heidenoldendorf prosperiert weiter und kann mit Rückschlägen vorbildlich umgehen.

 

Tore:
1:0 Felix Buba (per Elfmeter; 34. Min.)
1:1 Jannik Sprengelmeyer (38. Min.)
1:2 Nicklas Petkau (per Elfmeter; 81. Min.)

Details

DatumZeitLigaSaisonSpieltag
7. Dezember 201990'Bezirksliga Staffel 32019/2019

Spielort

Werresportplatz
Georg-Weerth-Straße 19A, 32756 Detmold, Deutschland

Ergebnisse

Club1st Half2nd HalfGoalsSpielausgang
Post TSV Detmold101Loss
SG Hiddesen/Heidenoldendorf112Win

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