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Kantersieg mit Anlauf

Spielbericht

(hk). Hepa, was für eine Gala-Vorstellung des TSV Schötmar, der in einer eigenen Galaxie zu schweben scheint. Am Ende gewinnt der Klassenbeste beim Schlusslicht SV Werl-Aspe II genauso hoch, wie einst Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund anno 1978 – mit 11:1. Wer den ersten Durchgang beobachtet, der kann allerdings nicht glauben, dass solch ein Kantersieg überhaupt möglich ist. Der Underdog erzielt nämlich die Führung, liegt zum Pausenpfiff beim Stand von 1:2 auch erstaunlich gut im Rennen.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

Als Luca Danjel Emmerich (Bild links; 14. Min.) den krassen Außenseiter mit 1:0 in Führung schießt, steht die Fußball-Welt kurz still. Für kurze Zeit wird gemunkelt: Gibt es hier ein Fußball-Märchen, eine Sensation auf Kreisebene? Niemals, denn nur 60 Sekunden nach dem Rückstand gleicht Volkan Turp (Bild rechts) bereits aus und treibt dem Asper-Kicker Marius Grimm die Zornesröte ins Gesicht: „Sehr blöd, wie wir uns hier angestellt haben.“ Nach dem 1:1 gönnen sich die Gäste ein ausgedehntes Powernapping, wirken nicht voll bei der Sache, sind pomadig, ohne jegliche Körperspannung. Aber: Der SV Werl-Aspe II soll kurz vor dem Halbzeitpfiff sogar den Rückstand schlucken, ist Olcay Esen (Bild links unten) mit seinem ersten Streich erfolgreich. Ein psychologisch unglaublich wichtiger Zeitpunkt und eine Art Vitasprint für den zweiten Abschnitt. Grimm legt völlig zu Recht darauf Wert, zu betonen: „In der ersten Halbzeit haben wir uns sehr gut verkauft und dem TSV einiges abverlangt. Wir hatten sogar einige Möglichkeiten für weitere Treffer.“ Hier mangelt es dem punktlosen Kellerkind an der nötigen Überzeugung, den Ball über die Linie zu drücken. Auf beiden Seiten hätte Referee Tobias Patzer je einen Elfmeter geben können in einer verteilten ersten Spielhälfte. „Was in der ersten Hälfte gut geklappt hat, hat leider in der Hälfte Nummer zwei leider fast gar nicht funktioniert“, schimpft Grimm. Wenn man das potenzielle Können vom TSV Schötmar betrachtet, aber sieht, wie die Leistung tatsächlich ist, so klaffen große Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Ein Fehlpass-Festival wird beobachtet, schenken die Schötmaraner die Kugel viel zu leicht her, schüttelt TSV-Vereins-Boss Ersan Dargecit nur verständnislos mit dem Kopf: „Das war definitiv das komplette Gegenteil von dem, was wir bisher gespielt hatten.“

 

Grimm vermisst die Luft bei seinen Jungs

 

Warum der SV Werl-Aspe II einen solch kolossalen Leistungsabfall hinnehmen muss, liegt an der rudimentären Fitness. Grimm benennt es schonungslos: „Es fehlte bei vielen die Luft, um die nötigen Wege zu machen, um dem TSV ausreichend Gegendruck zu geben. Auch fehlten leider die Optionen auf der Bank. Durch Urlaub, Verletzungen und anderweitiger Verhinderungen sind mehrere Stammkräfte ausgefallen.“ Da nun ausreichend Platz zur sportlichen Betätigung besteht, können sich die Schötmaraner nach Herzenslust austoben, kontern, wie sie wollen. Sie sind schnell, zielstrebig, fußballerisch grandios. In den zweiten 45 Minuten ist es eine Augenweide, dem TSV Schötmar zuzuschauen. Volkan Turp (53., 56., 77.,79 Min.), Sükrü Kaan Yildirim (Bild rechts; 61. Min.), Olcay Esen (65., 81. Min.), Nihat Durmaz (75. Min.) und zuletzt der Spiritus Rector, Ilker Siviloglu (Bild links unten; 90. Min.), sorgen für diesen hohen Erfolg. Grimm schreibt seinen Jungs ins Gebetsbuch: „Die zweite Hälfte sollten wir schnell vergessen und die Leistung aus der Hälfte eins ins nächste Spiel nehmen. Wenn wir diese Leistung und Einstellung über die gesamte Spielzeit abrufen können, sind auch zeitnah endlich Punkte drin. Da bin ich mir sicher!“ Die Verletzten-Liste bekommt nun allerdings weiter Zuwachs. Bei Sascha Jablonsky (Bild rechts unten) besteht der Verdacht auf eine Zerrung. Es sind wohl einige Wochen Ausfallzeit bei ihm veranschlagt. Entscheidend als Knoten-Löser fungiert für Dargecit das schnelle 3:1 vom Ausnahmespieler Turp. „Danach funktionierte alles. Fast jeder Angriff führte zu einem Treffer. Irgendwann hat Werl-Aspe II dann auch keine Gegenwehr mehr gezeigt, weil die Luft auch raus war. Danach war alles nur noch Ergebniskosmetik“, spielen sich die Gäste in einen Rausch. Welches Tor ist denn ganz besonders sehenswert? „Das 8:1 von Volkan Turp war ein schöner Lupfer über den Torwart“, bekommt Werl-Aspe II-Fänger Alexander Peters etwas Nackenstarre in dieser Szene. Das Schema bei den anderen Toren ist nahezu identisch. Die spielfreudigen Schötmaraner kombinieren ansehnlich durch die gegnerische Defensive, spielen den Schützen entweder völlig frei oder schicken ihn in ein direktes Duell gegen den gegnerischen Fänger. Hier behalten meist die Ballvirtuosen die Oberhand.

 

 

Fazit: Ein Sieg mit Verwöhnaroma. Allerdings erst im zweiten Abschnitt. In den ersten 45 Minuten stockt der Schötmaraner-Motor, knattert und springt nicht richtig an. Die Hausherren machen es allerdings auch richtig gut, solange, bis die Luft knapp wird. Ein hochverdienter Erfolg, da im zweiten Durchgang sogar ein Klassenunterschied deutlich wird. Die Ilhan-Jungs zeigen in dieser Phase so viel Spieltrieb wie ein junger Welpe.

 

Tore:
1:0 Luca Danjel Emmerich (14. Min.)
1:1 Volkan Turp (15. Min.)
1:2 Olcay Esen (45. Min.)
1:3 Volkan Turp (53. Min.)
1:4 Volkan Turp (56. Min.)
1:5 Sükrü Kaan Yildirim (61. Min.)
1:6 Olcay Esen (65. Min.)
1:7 Nihat Durmaz (75. Min.)
1:8 Volkan Turp (77. Min.)
1:9 Volkan Turp (79. Min.)
1:10 Olcay Esen (81. Min.)
1:11 Ilker Siviloglu (90. Min.)

Details

DatumZeitLigaSaisonSpieltag
4. Oktober 202090'Kreisliga B2 Lemgo2020/217

Spielort

Schulzentrum Aspe
Werl-Aspe, Bad Salzuflen, Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold, Nordrhein-Westfalen, 32107, Deutschland

Ergebnisse

Club1st Half2nd HalfGoalsSpielausgang
SV Werl-Aspe II101Loss
TSV Schötmar2911Win

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