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Grastrup/Retzen zeigt sich reif und clever

Spielbericht

(hk). Eine herbe 0:4-Heim-Klatsche setzt es für Yunus Lemgo, das dem aufstiegsinteressierten TuS RW Grastrup/Retzen deutlich unterlegen ist. Mit einem 12-Mann-Kader bestreiten die Delphine dieses Spiel. Kurzfristig muss Chefcoach Levent Sen Ausfälle von Unterschiedsspielern wie Mustafa Duru, Alaa Rekan und auch Cüneyt Kurt verkraften. Trotz dieser tristen Situation öffnet sich kurz der Himmel und lässt die Sonne in die Herzen scheinen. Der erfreuliche Grund: Ahmet Tümenci darf während der Partie einen Besuch im Krankenhaus vornehmen, da er in den Mittagsstunden Vater einer Tochter geworden. Sen freut sich mit: „Wir gratulieren ihm als Verein, Vorstand, Trainer und Spieler vom tiefsten Herzen und hoffen, dass sie gesund und munter bleibt.“ Auch Lippe-Kick wünscht den glücklichen Eltern nur das Beste.

 

Von Henning Klefisch

 

A. Tümenci

Bis Mitte des ersten Durchgangs gewähren die Hausherren dem Tabellenzweiten nur wenige Gestaltungsoptionen. Sie verengen die Räume geschickt, verteidigen mit Herzblut, einer enormen Akribie, die Ketten verschieben sie zudem sehr diszipliniert. „Grastrup/Retzen tat sich auf dem schwer bespielbaren und tiefen Boden schwer“, erklärt Sen. Gäste-Coach Thore Eitner stimmt ihm zu, denn sein Team wird zweierlei gefordert. Zunächst einmal müssen sich die Rot-Weißen auf dem glitschigen Spielfeld vernünftig sortieren, zugleich auch den motivierten Gegner in Schach halten. In Spielminute 22 zeigt Referee Daniel Blümel auf den Punkt. Für Levent Sen ist diese Entscheidung völlig unverständlich, urteilt er doch: „Das war ein Elfmeter, den man nie und nimmer geben durfte.“ Was ist denn konkret passiert? „Unser Spieler verteidigt den Grastrup/Retzen-Stürmer mit dem Rücken zum Tor, hebt die Hände hoch und steht hinter dem Angreifer. Dieser tritt dem Abwehrspieler an das Schienbein und lässt sich dann in einem Arjen Robben-Stil fallen. Man kann sich darüber aufregen, aber wir haben ja keinen VAR oder so“, stellt Ali Sen schmunzelnd fest. Der Gäste-Angreifer ist Janis Flügge, der die Kugel im Sturm zugepasst bekommt. In bester Goalgetter-Manier wählt er den direkten Weg Richtung gegnerisches Gehäuse. Sören Krack lässt es krachen,

J. Flügge

verwandelt den Elfmeter kompromisslos links unten in die gegnerischen Maschen. 180 Sekunden danach erzielt der Favorit das 2:0. Max Rosenberg wird mit einem Schnittstellenpass in Szene gesetzt, verwandelt traumwandlerisch. „Nach einer Standardsituation, bei der man aber leider auch wieder meckern muss. Denn bei der Ausführung standen gleich drei Grastrup/Retzen-Akteure ganz klar im Abseits“, so ein betrübter Sen. Da die Delphine die starken gegnerischen Außenbahnspieler geschickt zustellen, bieten sich automatisch Räume in der Mitte. Deshalb läuft der Spielaufbau bei Grastrup/Retzen vor allem über die zentralen Mittelfeldspieler auf der Sechs und der Acht, die weiterhin mit klugen Schnittstellenpässen zu gefallen wissen. Mehrere gute Möglichkeiten resultieren aus dieser Spielweise. Eitner steigt in die Analyse bei Lippe-Kick ein: „Es war ein sehr einseitiges Spiel, Yunus kam nur zu Chancen, wenn der Ball auf dem holprigen Platz machte, was er wollte oder unsere Spieler auf dem Platz wegrutschten.“

 

Grastrup/Retzen-Joker stechen

 

In den zweiten 45 Minuten schwächelt das Spielniveau insgesamt. Im Mittelfeld spielt sich zumeist alles ab, fehlt beiden Teams der Zug Richtung gegnerisches Gehäuse. Die ungefährliche Ballschieberei erinnert verdächtig an die Auftritte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im vergangenen Jahr. Tröstlich: Eitner beweist ein goldenes Händchen, stechen seine Joker jeweils. Fabian Weber (Bild rechts) köpft schon 180 Sekunden nach dem Wiederanpfiff das 3:0 im Anschluss an einen Standard.
Die Rot-Weißen fahren einige gefährliche Konter, die meist ein Ende bei den aufmerksamen Abwehrspielern Mert-Eniz Yilmaz und Selim Köne (Bild links unten) finden. Wenn tatsächlich die Kugel einmal durchkommt, ist zumeist Schnapper Eyigün Abdul Kadir zur Stelle. In Spielminute 87 setzt der ebenfalls eingewechselte Aras Hassan den Schlussstrich unter diese Partie. Aus 20 Metern zieht er beherzt per Volleyschuss ab. Zuvor hält der Yunus-Kicker nach einem Eckball seine Rübe hin, liefert somit den perfekten Abpraller für Hassan, der die Kugel in den Winkel knallt. „Glückwunsch an den Gegner, der am Ende verdient gewonnen hat und ich möchte hier noch die Mannschaft loben, die eine klasse Moral bewiesen und stark gekämpft hat – trotz vieler Ausfälle“, sind es versöhnliche Worte, die Levent Sen schlussendlich wählt. „Alles in allem muss ich meinem Team ein großes Lob aussprechen. Nach der Leistung von Donnerstag konnte man sehen, dass das Spiel noch in den Knochen saß. Aber die Jungs haben nochmal alles gegeben und sich mit einem Sieg belohnt“, kann sich Eitner mit dem Auftreten seiner Mannschaft absolut anfreunden.

 

Fazit: Natürlich hadert Yunus Lemgo mit einigen Schiedsrichterentscheidungen. Dennoch ist der Gast dem Vorletzten in allen Facetten überlegen, vor allem, was den Umgang mit den Torchancen betrifft. Yunus verkauft sich trotzdem teuer, denn die Ausfälle wiegen schwer, färben auch auf das Leistungsvermögen im Spiel ab.

 

 

Tore:
0:1 Sören Krack (per Elfmeter; 22. Min.)
0:2 Max Rosenberg (25. Min.)
0:3 Fabian Weber (48. Min.)
0:4 Aras Hassan (87. Min.)

Details

DatumZeitLigaSaisonSpieltag
3. November 201990'Kreisliga B2 Lemgo2019/2015

Spielort

West-Alm
Blumenviertel, Neuenturmhof, Lemgo, Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold, Nordrhein-Westfalen, 32657, Deutschland

Ergebnisse

Club1st Half2nd HalfGoalsSpielausgang
Yunus Lemgo000Loss
TuS RW Grastrup-Retzen224Win

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