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Bezirksliga

Post TSV Detmold – Spitze, aber noch steigerungsfähig

Der Saisonstart war grandios für den Post TSV Detmold. Mit sieben Dreiern aus sieben Partien erwischten die Detmolder das Optimum.

 

 

„Unser Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft“

Bezirksliga 3 (hk). Der Journalismus und Fußball ähneln sich in so einigen Teilbereichen. So gibt es doch im Fußball Reporter, die für einen Bericht nur die Dauer von der Nachspielzeit benötigen. Andere sitzen hingegen an solchen Texten gerne so lange wie ein reguläres Fußballspiel dauert. Die einen honorieren das sehr, andere eher nicht. Auch im Lokalfußball wird der Arbeitseifer offensichtlich. Mit klarer Sicht auf die Dinge beim Post TSV Detmold fällt auf, dass das Trainerteam Ralf Brokmann und Andre Patscha viel und fleißig arbeiten, eine Menge Herzblut investieren. Die Statistik klopft dem Duo dabei gönnerhaft auf die Schultern, denn 21 Punkte aus sieben Partien implizieren die perfekte Saison. So einige Einweg-Momente erlebten sie. Dennoch erkennt Patscha noch Luft nach oben.

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Von Henning Klefisch

 

Hochmütig auf die Serie zu blicken, das vermeidet der Post TSV Detmold so sehr, wie der Teufel den Gang in das Weihwasser. Natürlich schaut die Tableau-Arithmetik hervorragend aus, doch hinter vielen Partien stand ganz viel Schweiß und nicht weniger harte Arbeit. Trotz der Sieges-Serie mit Siebenmeilenstiefeln sticht das vergleichsweise bescheidene Torverhältnis von plus elf ins Auge. So sind die direkten Verfolger aus Lemgo (+ 26), Dringenberg (+18) oder Lipperreihe (+13) in diesem Bereich deutlich schwungvoller unterwegs. Ein sachter Einwand: Der eine oder andere Kantersieg der Streber-Konkurrenz gegen Brakel II erwies sich als Aufputschmittel für das eigene Torverhältnis. Der Hintergrund: Meist waren es hart erkämpfte Siege, ohne viel Glanz und Gloria, die die Residenzler eingetütet haben. Der 5:2-Erfolg über den SV Höxter besitzt den Outstanding-Charakter, dazu gab es einen etwas klareren Erfolg in den ewig jungen Prestige-Duellen beim SV Eintracht Jerxen/Orbke und gegen den TBV Lemgo (je 3:1). Bei den anderen vier Saisonsiegen argumentierte Detmold nach dem Motto: Ein gutes Pferd springt eben nur so hoch, wie es muss, gewann stets mit nur einem Tor Differenz. Oft begegnete man den Rivalen auf Augenhöhe, bewies zudem auch eine „Mega-Moral“, wenn der 39-Jährige etwa die Wende im Spiel gegen den SV Dringenberg (3:2) etwas konkreter ins Auge fasst. Er beschwichtigt via Lippe-Kick in aller Deutlichkeit: „So eindeutig war es in den Spielen nicht. Zwei, drei Begegnungen hätten auch anders ausgehen können“, weshalb Motive zum möglichen Abheben nicht rund um die Werre-Arena auszumachen sind.

 

 

 

„Müssen mit der Pandemie leben.“

 

Vor allem der extrem harte Konkurrenzkampf hebt das Leistungsniveau auf ein neues Level. Schwächephasen darf man sich nicht erlauben, scharrt die interne Konkurrenz doch mit den Hufen. „Deshalb ist es sehr schwierig, abzuwarten, was die Regierung macht, wo der Weg hinführt“, gibt Andre Patscha zu. Um eine reguläre Wertung hinzubekommen, müsste die Hinserie zu Ende gespielt werden. Acht Partien stehen noch aus für den Post TSV Detmold. Diese auch tatsächlich zu bestreiten, um somit diese Saison sportlich zu entscheiden, wäre voll und ganz nach dem Gusto der Post-Kutsche, die famose Chancen auf den Landesliga-Aufstieg erkennt. Im Mai und Juni 2021 wäre die Zeit vorhanden, um die restlichen Partien über die Bühne zu bringen, so der kollektive Hoffnungsschimmer. Der gesundheitliche Aspekt genießt jedoch die allerhöchste Priorität. Aber: „Wir müssen mit der Pandemie, mit dem Virus leben, damit umgehen. Falls es nicht weitergehen würde, wäre es für uns bitter. Nachvollziehbar wäre es für uns, aber ich würde es bevorzugen, wenn wir die Spiele zu Ende bringen würden“, so der Post TSV-Cheftrainer via Lippe-Kick.

 

Verstärkung für die Offensive und Defensive

 

Wie bereits andere Medien berichteten, hat es auch im Personalsektor bei den Residenzlern Zuwachs gegeben. Angreifer Kevin Sömmer (Bild rechts) zieht es vom FC Augustdorf Richtung Aqualip. Fänger Magnus Kemna kommt vom TuS Eichholz/Remmighausen. Patscha macht deutlich: „Kemna ist ein Aufbau-Torwart, stößt, wie Philip Müller ebenso, immer wieder zum Kader der Ersten dazu.“ Da die Postler stets auch perspektivisch denken, passen der Offensivmann und der Schnapper hervorragend in das überlegte Konzept hinein. Die Defensive gilt als echtes Prunkstück beim Post TSV Detmold. Zusammen mit dem TuS Lipperreihe verfügt der Primus über die beste Defensive der gesamten Spielklasse, bei erst acht kassierten Gegentoren. Die Abteilung Attacke verströmt hingegen nicht gerade Angst und Schrecken bei 19 erzielten Toren. Sturmtank Felix Buba (Bild links; 5 Tore) und Alexander Felker (Bild links unten; 4) haben rund die Hälfte aller Treffer erzielt. Natürlich bleiben ganz bestimmte Partien einem besonders im Gedächtnis. Für Andre Patscha waren dies die moralisch so wichtigen Begegnungen in Dringenberg und Oerlinghausen, als seine Jungs jeweils nach einem Rückstand die Partie zu ihren Gunsten drehten. Nach den Rückständen sah man im fernen Everton den italienischen Trainerfuchs Carlo Ancelotti bereits seine linke Augenbraue hochziehen. Doch, gemach. Am Ende bewiesen die Postler einen tollen Fighting Spirit, feierten ein grandioses Comeback trotz der besagten Hypothek. „Gegen Höxter gab es zwei Mannschaften, die offensiv sehr stark spielten. Höxter steht zu Unrecht so weit unten, gehört für mich auch ganz weit nach oben mit dem Potenzial, was sie haben.“ Auch die knapp gewonnene Partie gegen den starken Aufsteiger TBV Lemgo hat sich bei ihm stark in seinem Erinnerungsvermögen eingebrannt.

 

Viel Potenzial und gute Mischung

Spezielle Akteure, die ihn ganz besonders imponierten, benennt er konkret nicht. Seine Argumentation klingt absolut schlüssig. „Ich habe eine gewisse Erwartungshaltung an alle. Sowohl die erfahrenen Spieler als auch die jungen Spieler haben das abgerufen, was sie können.“ Routiniers wie Marco Rüskaup (Bild links) oder Philip Wichmann profitieren von ihrer Erfahrung, ihrer langen höherklassigen fußballerischen Vita. Shootingstars wie David Ayena, Fynn Vollmer und Robin Jöstingmeier (Bild rechts) sind allesamt Diamanten, die zunächst noch geschliffen werden müssen. „Sie sind unglaublich schnell und klug am Ball“, schnalzt ihr Chefcoach dabei mit der Zunge, wenn er die Skills seiner Newcomer betrachtet. Allerdings müssen die Talente zunächst noch einen Reifeprozess durchlaufen. Als Leitfiguren mit Führungskompetenzen fungieren die Stabilisatoren im Team des Bezirksliga 3-Klassenbesten. „Allgemein hat für mich die Mannschaft ein sehr hohes Potenzial. Das ist allerdings noch lange nicht ausgeschöpft“, möchte Patscha dieses zukünftig immer offensichtlicher erkennen. Mittelfristig gesehen möchte der Familienvater aus seinen Schützlingen gestandene Landesliga-Spieler machen, sind noch einige Entwicklungsschritte definitiv möglich.

 

„Hoffen, dass wir in Kleingruppen wieder trainieren können.“

In Zeiten der unberechenbaren Pandemie muss ganz penibel beobachtet werden, dass die Kicker das Fitnesslevel nicht völlig verlieren. Bis Ende 2020 hat das Trainerteam gewisse Vorgaben im Laufsektor vorgegeben. Seitdem trainieren die Spieler selbstständig. In den jüngsten Wochen ist die Hoffnung gestiegen, dass es tatsächlich im Mai mit dem Spielbetrieb weitergehen könnte. Folglich hat die sportliche Leitung ein ausgeklügeltes Konzept entwickelt, gibt es paarweise im Ausdauerbereich Übungen, um die Spieler an die höheren Belastungen heranzuführen. Durch eine App findet die Kontrolle statt. „Wir hoffen, dass es relativ zeitnah wieder auf den Platz geht, wir in Kleingruppen wieder trainieren können“, sehnt sich auch Andre Patscha das Ende der Fußball-Abstinenz herbei. Immerhin ruht doch seit Ende Oktober bereits der Ball, auch im lippischen Fußball. Am 25. Oktober, dem vorerst letzten Spieltag, gab es einen knappen 1:0-Auswärtssieg beim FC Augustdorf. Ayena (Bild links) krönte sich mit seinem goldenen Tor in der 66. Spielminute zum Matchwinner in dieser umkämpften Partie.

 

Patscha erwartet Fünfkampf an der Spitze

Wenn es tatsächlich in den nächsten Monaten weitergehen sollte, ist eine Sache klar: Der Aufstiegskampf ist von einem hohen Spannungspotenzial dominiert. Mit je 16 Punkten auf der Habenseite warten der TBV Lemgo, der SV Dringenberg und der TuS Lipperreihe auf Detmolder Patzer. Zurzeit scheint sich dieses Trio zu einem hartnäckigen Widersacher im Kampf um das Landesliga-Ticket zu entwickeln. Welchen Teams traut es Andre Patscha denn zu, auch langfristig im Aufstiegsrennen mitzumischen? „Dringenberg hat eine enorme Präsenz, ist körperlich sehr robust. Sie haben auch viel Erfahrung auf dem Platz. Sie haben einen Trainer (Sven Schmidt; Anm. d. Red.), der das ganze Geschehen schon kennt. Lipperreihe hat eine sehr junge Mannschaft, die seit Jahren schon zusammenspielt. Sie sind ungezwungen, haben nichts zu verlieren. Sie spielen free soccer. Bis zum Schluss werden sie oben mitspielen. Natürlich ist auch der TBV Lemgo dabei. Ebenso der SV Höxter wird oben noch einmal reinrutschen“, attestiert Patscha all diesen Teams genügend Potenzial, um bis zum Ende die Tabellenspitze ins Visier zu nehmen. Wenn Corona bis dahin gebändigt ist.

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