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Werl-Aspe II siegt im Big-Point-Spiel

Spielbericht

(hk). Eine vorentscheidende Partie im Abstiegskampf findet einen verdienten Gewinner. Nach dem 4:1-Heimsieg auf dem Heerser Bruch hat der SV Werl-Aspe II den Vorsprung auf einen Abstiegsrang auf nunmehr zehn Punkte ausgebaut. Dort rangiert weiterhin das unterlegene Team von Yunus Lemgo, bleibt somit bei sieben mickrigen Zählern an vorletzter Position. Aspe-Abwehrmann Marius Grimm relativiert bei Lippe-Kick jedoch: „So klar, wie es das Ergebnis zeigt, war es leider nicht.“ Yunus-Coach Levent Sen richtet seinen „Glückwunsch“ an den SV Werl-Aspe II.

Von Henning Klefisch

 

Einen amtlichen Auftakt legen die Hausherren hin, führen nach einem Treffer von Julian Lindheim (Bild links) bereits nach zwölf Minuten mit 1:0. Ole Seipt bedient ihn zuvor mit einem wohltemperierten Pass in den Raum. Die Gäste haben zunächst einmal Schwierigkeiten, vernünftig in die Partie zu finden. Sen macht die mögliche Ursache für die gegnerische Stärke ausfindig: „Das lag zum größten Teil daran, dass Werl-Aspe II sich Verstärkung aus der ersten Mannschaft geholt hat. Manche der Spieler haben im Anschluss an unser Match dann bei der ersten Mannschaft gespielt“, gibt es dort einen 3:2-Sieg zu bejubeln – gegen den TuS Asemissen. Ein visionärer Blick: Nach einer halben Stunde Spielzeit lässt das Team von Cheftrainer Alexander Ruge merklich nach, ist nicht mehr so konzentriert und zupackend unterwegs. Dies kann auch daran liegen, dass auf der anderen Seite Yunus mit mehr Kompaktheit in der Verteidigung unterwegs ist, sich auch im Offensivbereich mehr zutraut. Grimm moniert die fehlende Entschlossenheit seiner Jungs im Torabschluss, betont: „Wir hatten hochprozentige Chancen, die für drei Spiele gereicht hätten“, fehlt aber die letzte Gier, einen Angriff mit einem Treffer zu krönen. Es wird mit zu viel Schnörkel in den gefährlichen Räumen gespielt, mit wenig Durchdachtheit. In der 23. Minute köpft Niklas Rehder trotz der vorhandenen Defizite nach maßgerechter Flanke das 2:0, nachdem er kurz zuvor bei seinem Schussversuch in Yunus-Goalie Eyigün Abdul Kadir (Bild rechts) seinen Meister findet. Bitter für das Heim-Team: Verletzungsbedingt muss Lindheim nach 29 Minuten seinen Dienst vorzeitig beenden. Die Gäste und Lippe-Kick wünschen auf diesem Wege eine schnelle Genesung.

Fehlendes Verständnis für das abgepfiffene Tor

 

Als ein „Kuriosum“ bezeichnet Levent Sen das, was sich wenige Augenblicke später ereignet. Helmand Shayan steht rund vier Meter vor der Grundlinie, flankt präzise in die Mitte. Im Rückraum verwertet der gesprintete Afrid Hossain (Bild links mittig) zum vermeintlichen Torerfolg. Der Unparteiische Dirk Vögeli erkennt hier indes eine Abseitsposition. Sen besitzt dazu eine klare Meinung, die von viel Unverständnis geprägt ist: „Diese Situation kann man sich aber gar nicht erklären. Wenn es so sein sollte, dass Afrid Hossain im Abseits gestanden hätte, hätte er entweder wieder Schritte zurück machen müssen, um an den Ball zu kommen, oder schon auf der Grundlinie stehen müssen. Jeder Mensch mit klarem Fußballverstand kann sich vorstellen, dass eine solche Situation nie und nimmer Abseits sein kann, wenn der Spieler aus dem Rückraum rein gesprintet kommt. Grimm

M. Grimm

sieht es anders. „Aber hier hat der Unparteiische wohl alles richtig erkannt“, lobt der Werl-Aspe II-Kicker den Referee für diese Entscheidung ausdrücklich. Insbesondere in der Schlussphase vom ersten Abschnitt spielen die Hausherren extrem schwach, weisen sie eine brutal hohe Fehlerquote auf, sind in den direkten Duellen zu lasch unterwegs, fehlt dazu die so wesentliche Wettkampf-Härte. Die Lemgoer versuchen viel, doch im Asper-Hoheitsgebiet finden sie kein passendes Rezept.

 

Heiß diskutierte Strafstoßentscheidung

 

Zum 3:0-Pausenstand vollendet Dennis Haugk (Bild links) mit einem verwandelten Foulelfmeter in der 42. Minute – dies unmittelbar nach der strittigen Situation. „Hier haben wir etwas Glück, da der Gegenspieler Niklas Rehder (Bild rechts) etwas ungestüm im Sechzehner wegdrängte. Hier hätte Niklas mit einem klaren und gewollten Abschluss vermutlich den dritten Treffer eingenetzt, aber so musste dann der Treffer vom Punkt erfolgen“, beschreibt es Marius Grimm. Was ist vorher passiert? Der Gastgeber spielt die Kugel Richtung letztes Drittel. „Der Flügelspieler steckt den Ball durch auf einen im Abseits stehenden Stürmer – der Schiedsrichter pfeift nicht – der legt ab auf den anderen Stürmer und dieser lässt sich fallen“, meint der Yunus-Trainer in dieser Szene damit höchstwahrscheinlich Rehder. Sen gibt zu, dass er als Coach natürlich in Wallung gerät, „wenn du vorne dein Tor nicht bekommst und auf der anderen Seite klar benachteiligt wirst.“ Deshalb sucht und findet er auch umgehend das Gespräch mit dem Referee. „Dieser antwortete zu mir, ich zitiere: ‚Wir können das gerne ausdiskutieren.‘ Dieses 0:3 bezeichnet der Coach vom abstiegsbedrohten Vorletzten als den „sogenannten Gnadenschuss gegen uns.“

 

Yunus verpasst das spannungsfördernde zweite Tor

 

Ebenfalls in den zweiten 45 Minuten sind die Hausherren trotz der komfortablen Führung wenig griffig, fehlt die Gelassenheit, das Selbstverständnis im eigenen Spiel. Grimm bedauert: „Es hätte ein angenehmes und klares Spiel werden können, aber durch die gewährten Räume, die wir Yunus gaben, kämpften diese sich ins Spiel.“ Das fein herausgespielte 3:1 von Helmand Shayan (Bild rechts) in der 51. Minute ist daher nur mehr als folgerichtig. Die Schwarz-Weißen haben zuvor ein Foulspiel erkannt, was aber nicht geahndet wird. Grimm prangert an: „Meiner Meinung nach wurde Timo Höke im Eins-gegen-eins vom Gegenspieler so weggeschoben, beziehungsweise gedrückt, dass er nicht an den Ball kommen konnte. Für mich ein Offensiv-Foul.“ Ein Ärgernis für Levent Sen, dass es nach dem eigenen Tor zu einer „sehr unangebrachten Äußerung“ vom SV Werl-Aspe II-Spieler Nabil El Scheich (Bild links) gekommen sein soll. Den genauen Wortlaut wollen die Gäste hier nicht zitieren. Dass die Delphine sich nunmehr immer mehr freischwimmen, ist auch der Passivität der Heerser Bruch-Boys geschuldet. Für etwas Abwechslung mit eigenen offensiven Spielzügen sorgen sie nämlich nicht. Stattdessen drängen die Hansestädter auf den wohl spannungsfördernden zweiten Treffer, doch es fehlt die Präzision in den torgefährlichen Räumen. Die letzten Zweifel besiegt Lindheim mit seinem Schuss nach einem schnellen Gegenstoß zum 4:1-Endstand in der 89. Minute.

 

Tiefenentspannung im Werl-Aspe II-Lager

 

„Sehr wichtige Zähler“, konstatiert Grimm, sind auch die Ränge elf bis 13 nunmehr in unmittelbarer Reichweite. Er gibt einen Überblick: „Durch die ganz klaren Chancen und Spielanteile in Hälfte eins ein verdienter Sieg.“ Im folgenden Auswärtsspiel beim FC Union Entrup strebt der Sportverein die nächste volle Ausbeute an. Es existieren jedoch Restzweifel, ob diese Partie auf dem Rasenplatz der Ilsekampfbahn am 1. Dezember 2019 wirklich ausgetragen wird. Ein Heimrecht-Tausch ist bekanntlich nicht möglich, handelt es sich doch hierbei um das dritte Rückrundenspiel. Sen fasst das aufregende Match zusammen: „Das Traurige ist, dass unsere Jungs einen Bomben-Fußball gespielt haben und jeder von ihnen 100 Prozent gegeben hat.“ Was ihn abschreckt: „Am Ende muss man aber sagen: Dadurch dass Werl-Aspe II recht viele Spieler aus der Ersten geholt hat, dies der Faktor war, dass sie das Spiel gewinnen konnten.“ Sehr vorbildlich, dass Yunus Lemgo Fehler einsieht, diese auch deutlich so kommuniziert: „Am Ende entschuldigen wir uns noch dafür, dass zwei Spieler von uns ein paar nicht so geeignete Wörter in Richtung des Schiedsrichters gesagt haben und wir werden uns um die Konsequenzen dafür Gedanken machen. Wir wünschen dem Gegner weiterhin viel Erfolg“, geht es am Ende versöhnlich zu.

 

„Man sieht nur, was man sehen will“

 

Grimm hat sich seine Gedanken gemacht zu den emotionalen Aussagen der Gäste-Kicker, hat dazu eine klare Meinung: „Ich kann verstehen, dass Emotionen bei einem Fußballspiel da sind und diese auch ab und zu überkochen. Ich kann auch vollkommen verstehen, dass hier manchmal, wenn nicht sogar recht häufig, der Unparteiische eine größere Rolle spielt. So kann ich auch verstehen, dass gerade im Abstiegskampf jede Entscheidung, die gegen einen gefällt wird, umso mehr schmerzt, wenn dadurch aussichtsreiche Chancen verpuffen oder die Spielstärke geschwächt wird. Gerade ärgerlich ist es, wenn es von Woche zu Woche immer Entscheidungen gibt, die einen (gefühlt) schwächen bzw. benachteiligen.“ Er führt einschränkend weiter fort: „Hier gibt es aber zwei entscheidende Punkte, die beachtet werden sollten: Zum einen spielen wir nur in der Kreisliga und die Spiele werden von keinem FIFA-Schiedsrichter geleitet. Aber selbst diese machen trotz Videobeweis und Co. Fehler. Zum anderen gibt es ein Gesetz, das besagt, dass man nur das sieht, was man sehen will. Wenn man immer die Benachteiligung sieht, sieht man gar nicht mehr die Bevorteilungen. Hier hilft es manchmal seine Emotionen herunterzuschlucken und einen Schritt zurück zu machen, um das Spiel aus einem anderen Winkel zu sehen.“

 

 

 

Fazit: Der SV Werl-Aspe II behält deshalb die volle Punktzahl am heimischen Heerser Bruch, weil sie die höhere Qualität und Quantität an Abschlussmöglichkeiten aufweisen, zudem auch Glück bei den strittigen Szenen haben. Der Ärger von Yunus Lemgo ist gewaltig, fühlen sie sich gleich doppelt bestraft. Man mag sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn das Hossain-Tor wirklich gezählt hätte. Der Heimsieg entspricht summa summarum aber den Verhältnissen auf dem Spielfeld.

 

Tore:

1:0 Julian Lindheim (12. Min.)

2:0 Niklas Rehder (23. Min.)

3:0 Dennis Haugk (per Elfmeter; 42. Min.)

3:1 Helmand Shayan (51. Min.)

4:1 Julian Lindheim (89. Min.)

Details

DatumZeitLigaSaisonSpieltag
17. November 201990'Kreisliga B2 Lemgo2019/2017

Spielort

Heerser Bruch
Werl-Aspe, Bad Salzuflen, Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold, Nordrhein-Westfalen, 32107, Deutschland

Ergebnisse

Club1st Half2nd HalfGoalsSpielausgang
SV Werl-Aspe II314Win
Yunus Lemgo011Loss

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