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Das Lage-Derby: Besser als jeder Actionfilm

Spielbericht

(hk). BSV Müssen-Chefcoach ist vom Naturell her ein fröhlicher, kommunikativer Junge. Allerdings auch einer, der sagt, was er denkt, den Frust ablassen muss, wenn ihm etwas nicht passt. So wie einige Vorkommnisse bei der 2:3-Derby-Niederlage seiner Jungs beim TuRa Heiden. Grundsätzlich ist er mit den Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden. „Im ersten Spiel gegen Blomberg wurde das Spiel vom Schiedsrichter klar in eine Richtung gelenkt, was uns Punkte gekostet hat, und gestern in Heiden war es nicht anders.“ TuRa-Trainer Thorsten Geffers freut sich unterdessen über das großartige Ambiente, fühlt sich in seiner Vorahnung zugleich bestätigt: „Das Spiel hat so ziemlich alles geboten, was man sich im Vorfeld dieses Duells hätte wünschen können.“ Was er meint: Das Wetter ist hervorragend, zudem mehr als 200 Zuschauer am Platz. Drei Elfmeter sorgen für Nervenspannungsmomente, dazu gibt es einen Platzverweis und ein tolles Finish bis zum Schlusspfiff.

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Von Henning Klefisch

 

Brinkmann (Bild links) nimmt per se kein Blatt vor den Mund. Mit der Leistung seiner Jungs war er im Gastspiel beim Post TSV Detmold II überhaupt nicht einverstanden. Nach einer trostlosen Darbietung hat es unter der Woche eine 1:3-Niederlage gesetzt. Nach dem Blomberg-Spiel fühlt er sich von Referee Philip Dräger auch etwas verschaukelt, wählt er eine deutliche Wortwahl: „Der Schiedsrichter war eine Katastrophe. Und es ist einfach lächerlich, wenn der Schiri so viel Einfluss auf den Ausgang eines Spiels nimmt. Bei Kreisliga-Schiedsrichtern habe ich Verständnis dafür, dass das MAL passiert. Aber, wenn da jemand kommt, der so arrogant auftritt, weil er Westfalenliga pfeift, ist es einfach Müll!“ Dass es so hitzig ist, ist zu erwarten, gilt die Anfield Road doch als ein wahrer Hexenkessel, die Heidener-Fans als unvergleichliche Stimmungsmacher, die eine Partie beeinflussen, „aber so die Linie zu verlieren, ist schwach. Vor dem ersten (verschossenen) Elfmeter von Heiden war ein klares Foulspiel, wie es offensichtlicher kaum sein konnte. Da war Heiden, glaube ich, selber überrascht, dass es das Foul nicht gab“, schildert er eine Szene. Er spricht von einer „ausgleichenden Gerechtigkeit“, dass der Referee in den zweiten 45 Minuten „das Spiel dann gekonnt entschieden hat.“ So haben selbst einige Heidener im Nachgang bestätigt, dass ihr Fänger John Heidebrecht die Kugel außerhalb vom eigenen Strafraum mit der Hand spielt. Bitter für die Müssener, dass sie im direkten Konter die Ampelkarte und einen Elfmeter gegen sich schlucken. „Einfach ein Witz“, schimpft Brinkmann bei Lippe-Kick. Christian Böckhaus verwandelt nach einer Stunde Spielzeit diesen Strafstoß.

 

 

Heftiges Verletzungspech beim BSV Müssen

 

 

Auf einem schwer bespielbaren Platz hat Heiden wohl die richtige Spielanlage angewendet, sich auf lange Bälle spezialisiert. Dennoch sind sie besser im Spiel, erspielen sich drei, vier exzellente Abschlussaktionen. Maximilian Unverricht hat die exzellente Führungschance auf dem Schlappen, doch der Gegenzug hat es wahrlich in sich. Nach einer knappen halben Stunde Spielzeit gehen aber die Gäste in

Maximilian Unverricht

Führung. Fynn Fortnagel ist der Torschütze und trifft zum für Brinkmann verdienten 1:0 nach einem schön vorgetragenen Konter, „da wir zumindest versucht haben, Fußball zu spielen.“ Geffers hat als problematisch bei seinem Team erkannt: „In der Situation war unsere Rückwärtsbewegung nicht gut, verpassten das taktische Foul an der Mittellinie.“ Das Verletzungspech bleibt dem Aufsteiger treu an den Schlappen kleben. Ein Heidener Kicker erwischt in einem Zweikampf David Reger (Bild links), rutscht er nämlich auf dem Ball aus, weshalb er ins Knie von Reger rutscht. Die Hoffnung ist nicht erloschen, dass „nur“ das Innenband malträtiert ist. Lippe-Kick wünscht an dieser Stelle gute Besserung. Bereits das Trio Lucas Jackisch, David Krispin und Max Habernoll quält sich mit der gleichen Verletzung. Das Improvisationstalent vom BSV-Trainer-Team ist nunmehr erforderlich, kommt Torsten Johanning in die Partie, rückt auf die verwaiste Position in der Innenverteidigung. Der 34-Jährige ist ursprünglich in dieser Saison nur für die C-Liga-Reserve vorgesehen. „Er hat ein wahnsinniges Spiel gemacht in einer Abwehr, die wir uns so in unseren kühnsten (Alp)träumen nicht ausgemalt hätten. Nicht, weil die Jungs das nicht könnten, sondern weil sie eigentlich auf anderen Positionen ihre Stärken haben und wir in der Defensive anderes Personal vorgesehen haben.“ Lobende Worte von Jan Brinkmann gibt es für die tapferen Recken, denn „dafür haben es aber alle vier Spieler unfassbar gut gemacht!“ Den überfälligen Ausgleichstreffer verpassen die Heidender kurz vor dem Halbzeitpfiff. Erst knallt Pyrlitesku die Kugel an den Pfosten, dann nimmt Unverricht den Abpraller auf, wird unsanft zu Fall gebracht. Den fälligen Strafstoß vergibt der Gefoulte, da BSV-Hüter Petersmeier überragend pariert.

 

 

Der Rotenberg-Okocha bittet zum Slalomrennen

 

 

Es kommt zu einer ausführlichen Kabinenpredigt von Geffers, der seine Jungs mit einer neuen Taktik ins Rennen schickt. Die Gäste werden auf dem falschen Fuß erwischt. Nach starkem Assist von Pyrlitesku markiert Patrick Grabosch (Bild links) nur 120 Sekunden nach dem Wiederanpfiff das 1:1. Etwas verschlafen wirken die Müssener in dieser Startphase vom zweiten Durchgang, „hat der Schiedsrichter dann das Heft, wie bereits geschildert, irgendwann in die eigene Hand genommen.“ Die Müssener leisten sich den Luxus, einen Elfmeter zu verknallen, ist wohl zu viel Nervenflattern anzutreffen. Sören Rottschäfer haut die Kugel weit über das gegnerische Gehäuse hinein in den Heidener Nachthimmel. Beim besagten Elfmeter aus der 60. Spielminute versenkt Böckhaus diesen eiskalt und BSV-Kicker Marcel Esselmann (Bild rechts) muss mit der Ampelkarte das Spielfeld vorzeitig verlassen. Da die Müssener nach dem 1:2 hinten öffnen, das Wagnis erhöhen, bieten sich Räume für die Heidener, die diese nach 82 Minuten gewinnbringend für sich verwerten. Hendrik Böke markiert das 3:1 nach einem Jay-Jay Okocha-Gedächtnis-Dribbling, was er mit einem gekonnten Flachschuss krönt. Was für ein Slalomrennen vom Rotenberg-Okocha. Der zweite Müssener Treffer, von Sören Rottschäfer per direktem Freistoß erzielt, kommt zu spät, fällt dieser doch erst in der 89. Minute.

 

Heiden als „Nr. 1 im Stadtgebiet“

 

Die erfreuliche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat für ihn Bestand, erklärt ein gut gelaunter und selbstbewusster Geffers gegenüber Lippe-Kick: „Wir waren vorher schon die Nr. 1 im Stadtgebiet Lage, sind es immer noch und werden es auch bleiben.“ Der Sieg geht in Gänze vollkommen in Ordnung, haben seine Jungs doch nach der 3:1-Führung mehrere vielversprechende Umschaltaktionen sträflich liegengelassen. Nicht verschweigen möchte er, dass für den BSV Müssen „sicherlich auch mehr drin gewesen wäre“, ist es die Coolness und die langjährige A-Liga-Erfahrung, die das Pendel hat zugunsten der Hausherren ausschlagen lassen. „Ich bin daher mit drei Siegen aus drei Spielen für den Moment zufrieden“, kann man hier von einem Traumstart sprechen. Zugleich denkt er auch in der Stunde des

Thorsten Geffers

Triumphs an den Verlierer aus der Nachbarschaft: „Dem BSV wünsche ich schon bald das notwendige Erfolgserlebnis, eine klasse Truppe mit viel Potenzial“, wird dieses schon in Bälde zum Vorschein kommen. Jan Brinkmann bilanziert im Lippe-Kick-Gespräch: „Am Ende muss man sagen: Ein knapper 3:2-Sieg des Schiedsrichters! Damit möchte ich nicht die Leistung Heidens schmälern, die kämpferisch viel angeboten haben, aber sicherlich auch einsehen, dass das fußballerisch sehr mager war und am Ende doch sehr viel Glück bzw. Schiedsrichter die entscheidende Rolle spielten.“ An die Stadt Lage hat er einen gut gemeinten Tipp: „Schneidet die Bäume, dann kann man den ganzen Platz bespielen und muss nicht fünf Meter Dunkelheit an der Außenseite meiden, da dort kein Licht mehr hinkommt.“

 

 

Fazit: Ein maximal unterhaltsame 90 Minuten, die gespickt sind mit fünf Toren, zahlreichen Wendungen, grotesken Fehlern, einer unfassbaren Nervenschwäche und einem bis zum Ende funktionierenden Spannungsbogen. Heiden wirkt widerstandsfähiger für Unwägbarkeiten im Spiel.

 

 

Tore:
0:1 Fynn Fortnagel (28. Min.)
1:1 Patrick Grabosch (47. Min.)
2:1 Christian Böckhaus (per Elfmeter; 60. Min.)
3:1 Hendrik Böke (82. Min.)
3:2 Sören Rottschäfer (89. Min.)

Details

DatumZeitLigaSaisonSpieltag
15. September 202090'Kreisliga A Detmold2020/213

Spielort

Rotenbergkampfbahn
Auf der Heue 1, 32791 Lage, Deutschland

Ergebnisse

Club1st Half2nd HalfGoalsSpielausgang
TuRa Heiden033Win
BSV Müssen112Loss

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