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Schiedsrichter – Nachwuchsschiedsrichter Grujic im Porträt

Es kann auch cool sein, eine Partie zu leiten. Das Problem ist aber auch bekannt: Oft ist der Schiedsrichter Schuld. Wenn er eine Fehlentscheidung macht, ist dies meist spielentscheidend, während vergebene Torchancen etwa nicht so schwer wiegen. Daher ist es kein einfacher Job, den die Spielleiter zu erledigen haben. Wir stellen mit Marko Grujic einen jungen Referee bei Lippe-Kick kurz vor.

„Schiedsrichter müssen mediale Kritik hinnehmen”

Allgemein (hk). Nachwuchstalente werden im Schiedsrichterwesen auch in Lippe schmerzlich vermisst. Gut, dass es Jungs wie Marko Grujic gibt, der bereits mit 17 Jahren bis zur A-Klasse pfeifen darf und sich von klein auf für die Tätigkeit der Spielleitung begeistern konnte. Als Assistent hat er es sogar bis zur Verbandsliga geschafft. Seitdem er 16 ist, hat er den kompletten Fokus auf die Schiedsrichterei gelegt und seine „nicht sehr erfolgreiche Fußballkarriere” deshalb beendet. Schließlich galt schon für den Steppken Marko: „Ich fand Schiedsrichter schon damals cool”, so der für den TuS Bexterhagen pfeifende Nachwuchsreferee.

Von Henning Klefisch

Ein ganz normaler Sonntag im September 2017 auf der Westalm in Lemgo. Der SC Lemgo/West und Yunus Lemgo bestreiten ein Derby in der B2 Lemgo, was 2:2-Unentschieden endet. Souverän und positiv unsichtbar ist Referee Marko Grujic, der auf die Kommunikation setzt und die Partie gut im Griff hat. Vielleicht hat er sich gewisse Verhaltensweise auch von seinen Vorbildern abschauen können. Auf Spitzenniveau ist es etwa Dr. Felix Brych, den er sehr schätzt. Im FuL Kreis Lemgo haben es ihm besonders Timo Franz-Sauerbier und Andreas Grandt angetan. Während aber Sauerbier und Grandt temporär in den Reserveteams des FC Unteres Kalletal und des TuS Sonneborn ihre fußballerischen Qualitäten demonstrieren, hat Grujic bereits früh diese Karriere beendet. Von den Mini-Kickern bis zur D-Jugend spielte er beim SC Bad Salzuflen, ehe er eine Pause einlegte und dann in der B- und A-Jugend beim SV Rödinghausen II agierte. Nach einer Suche über Lippe-Kick ist er auf den TuS Bexterhagen gestoßen, für den er pfeift. Er fühlt sich dort pudelwohl und urteilt: „Da sind alle sehr freundlich, deswegen habe ich mich für die entschieden.”

Personen aus dem Kreisvorstand haben sich lauthals darüber beschwert, dass die mediale Kritik von einigen Spielern und Trainern für den Schiedsrichterschwund verantwortlich sind. Für Grujic gehört diese dazu, „solange sie konstruktiv bleibt”, trifft diese auch auf seine Akzeptanz und so versucht er folglich die nötigen Lehren daraus zu ziehen. Aber: „Wenn es abwertend wird, gilt es einfach die Aussagen zu ignorieren.” Ein Verschweigen möglicher Aspekte ist aber nicht nach seinem Geschmack: „Meiner Meinung nach müssen Schiedsrichter ebenso wie Spieler und Trainer mediale Kritik hinnehmen. Im Endeffekt sind das alles nur Menschen, die Fehler machen, diese muss man dann auch mal akzeptieren und einsehen”, sieht er seine Zunft nicht als unantastbar an. Aus Fehlern lernt man. Dies hat er in einem der ersten Spiele als Referee auch so erlebt, als er mit einer Regel unsicher gewesen ist und diese falsch weitergab, hat er diesen Fauxpas bei der nächsten Partie jedoch wieder richtig gestellt.

Die nötige Praxis in der Spielleitung hat er definitiv. Mindestens ein Spiel pfeift er pro Woche. Was ihn fasziniert: „Man hat immer eine große Variation an Mannschaften und Sportplätzen. Ich sehe mit meinen jungen 17 Jahren das erste Mal richtig die Natur in Lippe. Außerdem fährt man ab und zu als Assistent in hohe Klassen mit, die ich als Spieler nie erreicht hätte. Das sind immer lustige Fahrten”, freut er sich über diese Erlebnisse, die ihn auch prägen. Vor einem Spiel packt er meist eine halbe Stunde vor der Abfahrt seine Tasche, kontrolliert diese vorab noch einmal und fährt los, um rund eine Stunde vor dem Anpfiff vor Ort zu sein. Dort angekommen stellt er sich den Trainern vor, bringt seine Tasche in die Kabine und kontrolliert die Linien, Eckfahnen und Tornetze. Dann folgt das Umziehen, das kurze Aufwärmprogramm, ehe er seine Pfeife, eine Wählmarke, die gelbe und rote Karte, eine Spielnotizkarte und zwei Stifte als wichtige Utensilien mit auf das Spielfeld nimmt. Nach der Passkontrolle und der Begrüßung der beiden Teams gibt es den Anpfiff. Nach dem Match duscht er, schreibt den Spielbericht und fährt wieder nach Hause, weshalb eine Partie insgesamt vier, fünf Stunden Zeit beansprucht. Bei mehreren Spielen pro Woche erhöht sich der Aufwand auf bis zu 20 Stunden. „Zum Abschluss würde ich gerne noch an alle Unentschlossenen appellieren, wir Schiedsrichter suchen immer Verstärkung. Man kriegt freien Eintritt zu Bundesligaspielen und eine Vergütung plus Fahrtgeld für jedes Spiel”, was aber sehr wichtig ist: „Man muss aber die Motivation dafür haben, und rekonstruktive Kritik ausblenden können.”

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