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Modelleisenbahn – Die Geschichte vom Schlinger Bergfreund Multhaupt

Walter Multhaupt ist ein Idealist, der dem Hobby der Modelleisenbahn frönt. Lippe-Kick hat für euch den Hintergrundbericht für diese ehrenamtliche Tätigkeit.

Auf den Zug abgefahren

 

Allgemein (hk). Zum ersten Mal sein Herz verloren hat Walter Multhaupt mit vier Jahren. Seine Eltern legten ihm eine Trixi-Express-Bahn mit dem Modell H0 unter den Weihnachtsbaum und entfachten damit ein Feuer der Begeisterung beim Zögling. Dies war der Startschuss für eine Leidenschaft, die zuweilen Leiden schafft, denn die Modelleisenbahn ist stets ein zeitintensives und kostspieliges Hobby, was derzeit – analog zum Lokal-Fußball – an einem massiven Nachwuchsmangel zu leiden hat. Lippe-Kick möchte auch den Blick über den Tellerrand wagen, auch andere Geschichten erzählen, die nicht nur auf dem Sportplatz zu finden sind. Deshalb haben wir hier die Erlebnisse von Walter Multhaupt.

Von Henning Klefisch

 

Die Kinderaugen strahlen im Bergheim Schling. Nicht nur der Weihnachtsmann sorgt für kindliche Glücksgefühle, auch die Modelleisenbahn, die von Multhaupt und seinen Mitstreitern Uwe Dammann und Dirk Klemenz mit viel Liebe zum Detail auf vier Quadratmeter aufgebaut wurde, weckt Begeisterung bei den Ein- bis Zehnjährigen. Als der mittlerweile 69-Jährige selbst noch in diesem Alter war, war er Feuer und Flamme für dieses Hobby, was die Kreativität im frühkindlichen Stadium fördert und fordert. Schnell ließ er sich drei, vier Lokomotiven schenken, schenkte auch der Landschaft eine gewisse Beachtung und baute sich Häuschen für Häuschen zusammen. Rund eine Stunde benötigt er für den Bau eines solchen Modelbauhäuschens. Als Multhaupt nach dem Abitur auszog, um Informatik zu studieren, entschlossen sich die Eltern zu einem kolossalen Schritt. Die heimische Eisenbahn wurde gegen eine Kellerbar ausgetauscht, was bei ihm zu einer Abkehr in seiner Tweni-Zeit für die Modellbaukunst führte. Ein Einsehen hatte aber seine damalige Frau, die ihrem Gatten, mittlerweile Anfang Dreißig, wieder eine Eisenbahn kaufte.

Handwerk, Kreativität und Kaufmannslust

Multhaupt, der nach zwei Semestern sein Informatik-Studium an den Nagel hing, erhielt bei Siemens Nixdorf einen höheren Posten, war häufiger auf Dienstreise. „Während die Kollegen den Abend mit Ausgehen verbrachten, baute ich ein Häuschen zusammen“, schildert der gebürtige Detmolder die persönliche Pausengestaltung. An freien Tagen verbrachte er auch mal 12, 13 Stunden am Tag, um die 500 bis 1000 Teile großen Häuser zusammenzubauen. Geschätzte 40 Jahre seines Lebens hat er in die Modellbaukunst nunmehr investiert, doch der Platz sein ganzes Werk der Öffentlichkeit zu präsentieren, fehlt. Im Bergheim Schling sind gerade einmal 20 Prozent seines Gesamtbestandes zu sehen. Dennoch attestiert er seinen Modellbaufreunden, mehr Leidenschaft für dieses Hobby zu investieren, ist es für ihn mehr ein „Zeitvertreib.“ Warum baut er diese Eisenbahn auf? „Wir wollen den Appetit für die Modellbahn anregen, Interesse wecken. Das Genre soll in der Breite bekannt gemacht werden“, so der Schienenliebhaber, der sich über eine tatkräftige Mithilfe von ähnlich begeisterten Eisenbahnern freuen würde. Dabei ist die Entwicklung im technischen Zeitalter enorm. Heutzutage könnten die Lokomotiven auf seiner „Platte“ sogar per Handy bedient werden, auch eine Basisprogrammierung ist möglich, zuweilen auch nötig. Für Walter Multhaupt bietet die Modelleisenbahnkunst eine exzellente Abwechslung zum stressigen Alter. Auf was es ankommt: „Handwerk, Kreativität und kaufmännische Fähigkeiten“, erklärt Walter Multhaupt, der seit einigen Jahren in Rente ist, einen erheblichen Teil seiner Zeit mit der Eisenbahn verbringt.

Multhaupt vermisst Verständnis bei den Herstellern

Die Frage bleibt, wie die Zukunftsfähigkeit dieses Hobbys gesichert werden kann. Herr Rakowsky, ebenfalls ein Modellbahnfreund, hat bereits den Kontakt zu Grundschulen hergestellt. In frühen Jahren sollen die Schulkinder mit der Eisenbahn in Kontakt kommen, mit kindlicher Begeisterung Interesse dafür geweckt werden. Das große Aber, warum es an Nachwuchskräften auch in diesem Bereich fehlt: „Das Hobby ist zu kostspielig, es fehlt bei den Herstellern das Verständnis, dass es auch günstigere Angebote gibt“, fordert Multhaupt einen Umdenkungsprozess bei den Firmen. Eine One-Man-Show ist Modelleisenbahn in dieser Größenordnung aber keineswegs, bedankt sich der Bergfreund Multhaupt doch explizit bei Uwe Dammann. „Ohne ihn würde die Eisenbahn nicht laufen“, hat der Vorsitzende der Treckerfreunde doch als Schreiner und Elektriker fungiert. Dirk Klemenz ist für die Programmierung und den Fahrbetrieb zuständig gewesen. Der Königsadjudant bei den Schützen hat im wahrsten Sinne des Wortes „tragende Tätigkeiten“ (O-Ton: Multhaupt) übernommen.

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