Connect with us

Kreisliga C2 Lemgo

TuS Rot-Weiß Grastrup/Retzen II – Coach Timo Drechshage im Interview

Ganz oben stehen die Rot-Weißen nicht, obwohl viele genau da mit ihnen gerechnet haben. Wir gehen mit Coach Timo Drechshage auf Ursachenforschung.

 

Drechshage: „Wenn es nicht geht, auch mal das lange Ding spielen“

Kreisliga C2 Lemgo (ab). Rang sechs, zehn Punkte Rückstand (bei zwei Spielen weniger) auf Tabellenführer SC St. Pauli. Das ist schlicht „zu wenig für unsere Ansprüche“ urteilt Timo Drechshage. Doch ein Blick zurück macht den Rot-Weißen Mut. Schon letzte Saison hat man „das Feld von hinten aufgerollt und bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg gekämpft.“ Die Chance, dass das auch diese Saison gelingen kann, sieht der Coach durchaus, fordert aber noch mehr von seiner Mannschaft.

 

Lippe-Kick: Hallo Timo. Danke, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Wie bewertest du die erste Halbserie der Saison 2019/2020 aus Sicht des TuS Rot-Weiß Grastrup/Retzen II?

 

Timo Drechshage: „Nicht zufriedenstellend. Wir haben acht Siege und vier Niederlagen. Von den acht Siegen ist Bexterhagen bei einem Spiel nicht angetreten. Ich suche immer nach dem perfekten oder dem richtig guten Spiel.“

 

Lippe-Kick: Welche sind dir da besonders aufgefallen?

 

Timo Drechshage

Drechshage: „Wenn ich so durch die Spiele gehe, fallen mir die in Asemissen auf und das zu Hause gegen SCB II. Da haben wir gezeigt, was wir können. Gerade auf dem Kunstrasen in Asemissen, was wir da spielerisch gemacht haben, waren Sachen, die waren richtig gut. Das hat Spaß gemacht, zuzugucken. Gegen den SCB, die keine Übermannschaft sind, aber auch gezeigt haben, zu was die im Stande sind, haben wir genau die Mischung gefunden aus Kampf und spielerischer Intelligenz.“

 

Lippe-Kick: Und wie bewertest du die anderen Siege?

 

Drechshage: „Gegen St. Pauli haben wir keinen guten Fußball gespielt. Die machen zum richtigen Zeitpunkt das 1:0 und stehen hinten sicher. Aber das zeichnet eine Spitzenmannschaft aus, wenn sie das Spiel noch 3:1 gewinnt, wenn man nicht aufgibt, beim 1:1 in der 88. Minute weitermacht und das Tor schießen will. Die Siege gegen Lemgo/West, Hör/Lie III und Matorf, die am Ende nur noch zu zehnt gespielt haben, will ich gar nicht zu hoch stecken. In Leese hatten wir Glück, die drei Punkte mitzunehmen, das muss man ganz ehrlich sagen. Das waren die positiven Spiele und daran sieht man schon, wie viel wirklich richtig gut war.“

 

Lippe-Kick: Was lief bei den Niederlagen falsch?

 

Drechshage: In Holzhausen haben wir uns die Dinger selber reingeworfen, das war sehr ärgerlich. Das Wüsten-Spiel lief sehr unglücklich mit der Verletzung von unserem Torwart und wie da die Tore gefallen sind. Da hätte man mehr mitnehmen können. Gegen Entrup sind wir auf eine Mannschaft gestoßen, die an dem Tag kämpferisch und spielerisch klar besser war. Zum Rojhilat-Spiel möchte ich gar nichts mehr sagen. Rein tabellarisch und spielerisch muss man festhalten: Das war zu wenig für unsere Ansprüche.“

 

Lippe-Kick: Blicken wir nochmal auf die positiven Dinge. Was lief besonders gut in der ersten Saisonhälfte?

 

Drechshage: „Die Trainingsbeteiligung, das Organisatorische, das Verständnis innerhalb der Mannschaft, die Sprache auf dem Platz, die Mischung aus Spaß, Disziplin und Druck. Bei so einem riesen Kader von über 30 Leuten gibt es immer wieder Situationen, wo Leute auf die Bank mussten oder nicht im Kader waren. Aber das hat funktioniert. Wobei immer Unzufriedenheiten da sind.“

 

Lippe-Kick: Wo siehst du noch Luft nach oben?

 

Drechshage: „In den Ergebnissen und auch in der Mischung zwischen dem, was wir sportlich draufhaben und kämpferisch draufhaben. Da muss man auch mal schmutzig werden. Wenn ich den Ball hinten im Eins-gegen-eins habe, muss ich ihn auch mal wegschlagen. Wir versuchen zu häufig, was Besseres zu machen. Als Beispiel führe ich mal Wüsten oder St. Pauli an, denen ich nicht zu nahe treten will. Aber die spielen geradliniger. Wenn es nicht geht, muss man auch mal das lange Ding spielen. Wir spielen hinten zu inkonsequent.“

 

Lippe-Kick: Gibt es weitere Punkte, die deiner Ansicht nach verbessert werden können?

 

Drechshage: „Ich will dem Kreis nicht ständig auf den Sack gehen, dass wir einen großen Kader haben, wir freuen uns darüber. Aber da sehe ich auch, dass, wenn der ein oder andere noch effektiver wäre, wir auch noch stärker werden. Manche Leute haben sich zwischendurch ausgeruht und waren nicht so häufig beim Training. Spieler aus der zweiten Reihe waren öfter beim Training, die aber dann aus anderen Gründen nicht in den Kader gepasst haben sonntags. Ich habe hohe Ansprüche an Disziplin und am Training. Dass ich da in einer zweiten Mannschaft in der C-Liga Schwierigkeiten habe, die Mischung zu finden aus Fairness, und der Tatsache, dass der ein oder andere Spieler mal eine Chance verdient hat, wo ich aber ganz klar aufs Sportliche gucke, da sehe ich bei mir selber auch Luft nach oben.

 

Lippe-Kick: Wie ist die aktuelle Ausgangslage im Aufstiegskampf einzuschätzen?

 

Drechshage: „Die aktuelle Lage sagt ganz klar: Wir haben zehn Punkte Rückstand auf den Tabellenführer. Die zwei Spiele weniger müssen erstmal gespielt werden. Wenn man auf Platz sechs steht, muss man bei sich selber anfangen und sich die Frage stellen, warum man nicht erster oder zweiter ist. Meine Ausgangslage für die Wintervorbereitung ist, der Mannschaft zu sagen, dass man momentan sechster ist und seine Hausaufgaben machen muss. Trainieren, arbeiten, sich selber verbessern, die Mannschaft in Takt halten und Spiel für Spiel gucken, dass man die Spiele gewinnt erstmal. Dann kann man woanders hingucken und das Wort Aufstieg oder Aufstiegskampf wieder in den Mund nehmen.“

 

Lippe-Kick: Wie bewertest du eure Chancen, nochmal ganz oben ranzukommen und ins Aufstiegsrennen eingreifen zu können?

 

Drechshage: Unsere Chancen sehe ich sehr gut, weil ich die Mannschaft kenne. Wir haben letztes Jahr das Feld von hinten aufgerollt, die Chance sehe ich dieses Jahr auch. Wenn man die Mannschaft sieht, die oben stehen, haben wir St. Pauli und Matorf geschlagen, ein gutes Spiel in Wüsten gemacht. Das war schon sehr gut. Wenn wir an uns arbeiten, glaube ich, dass wir ein Wörtchen mitreden werden.“

 

Lippe-Kick: Worauf wird es ankommen?

 

Drechshage: Es wird darauf ankommen, dass jeder Spieler gewillt ist, an sich selbst zu arbeiten. Dass ein Spieler, der konditionelle Probleme hat, selbstständig neben den Einheiten laufen geht. Dass ein Spieler, der Koordinationsprobleme hat mit dem Ball und nicht mal um eine Fahnenstange laufen kann oder beim Torschuss jedes Mal den Zaun kaputt schießt, an sich arbeitet. Jeder Spieler muss wissen, wo sind meine Schwächen und meine Handicaps. Aber auch die Stärken muss ich in den Fokus stellen und präsentieren. Ich muss mich selbst auf Kurs halten. Und wenn wir den Schritt in die B-Liga schaffen sollten, muss jeder Spieler bereits sein, nächstes Jahr nochmal 20, 30 % mehr Effektivität und Engagement auf den Platz zu bringen.“

 

Lippe-Kick: Sind Änderungen am Kader geplant?

 

Drechshage: „Wenn man so einen großen Kader hat, muss man sich nicht umgucken. Ich halte den Kader für stark genug, in der C-Liga oben mitzuspielen, aber nicht für stark genug, in der B-Liga sicher die Klasse zu halten. Da würde ich den Kader gerne effektiv verstärken. Nicht quantitativ, sondern qualitativ. Wenn ich einen Wunsch frei hätte für die neue Saison, egal ob für B- oder C-Liga, dann würde ich den Kader gerne um zwei, drei richtig gute Spieler verstärken. Aber ich werde mir kein drittes Bein dafür ausreißen. Wir betreiben Eigenwerbung für das, wofür der TuS steht. Für richtig gute Arbeit, wir gehen an unsere Grenzen. Wer dazu Bock hat, ist herzlich willkommen. Ich bin aber auch im Austausch mit Thore [Eitner, Trainer der ersten Mannschaft; Anm. d. Red.]. Wir werden uns vor der Vorbereitung nochmal zusammensetzen, vielleicht gibt es da noch ein paar Wechsel, das kann ich alleine nicht bestimmen. Aber erstmal ist da nichts geplant. Es wird sicher das ein oder andere Gespräch geben mit Leuten, die nächstes Jahr gewillt sind, beim TuS zu spielen. Das ist ganz legitim.“

 

Lippe-Kick: Aufmerksame Beobachter haben im Training in den letzten Wochen aber ein unbekanntes Gesicht entdeckt. Um wen handelt es sich da?

 

Drechshage: „Das ist jetzt erst spruchreif. Wir haben einen Neuzugang für die Rückserie. Ramon Virtel kommt vom TV Elverdissen und ist 19 Jahre jung. Er hat die letzten Wochen bei uns mittrainiert und wird unsere Offensive nochmal verstärken. Wo ich ihn einsetzen werde und wie er ins System passt, werde ich in der Vorbereitung sehen. Ich habe im Training aber schon gesehen, dass er eine Verstärkung ist. Er belebt unser Offensivspiel.“

 

Lippe-Kick: Apropos Training: Zwischen den Feiertagen habt ihr eine freiwillige Einheit eingelegt. Wie kam es dazu?

 

Drechshage: „Wir hatten eine Einheit mit 14 Freiwilligen zwischen den Feiertagen. Absoluter Wahnsinn. Die Truppe hat einfach Bock und will bis zur Rückrunde eigentlich nicht zur Ruhe kommen und weitermachen. Ein gutes Signal in die richtige Richtung.“

 

Lippe-Kick: Nochmal zurück zum Thema Aufstieg: Wie sieht jetzt die Zielsetzung für die zweite Saisonhälfte aus?

 

Drechshage: „Wir sind gewillt, weiter oben dranzubleiben, und das, was wir uns aufgebaut haben, auch zu halten. Wir versuchen, uns immer wieder zu verbessern und wollen ein Wörtchen oben mitreden. Ich nehme da kein Blatt vor den Mund: Alle die mich kennen und kennengelernt haben, wissen, dass ich absolut fußballfanatisch bin und oben mitspielen will. Wenn ich jetzt sagen würde, ich will dritter Werden, nimmt mit das keiner ab. Wir lassen uns aber auch nicht unterstellen, dass wir unbedingt Meister werden wollen und sonst eine verlorene Saison haben, wenn wir es nicht werden. Das stimmt nicht. Wir werden nicht über Leichen gehen. Wenn wir zweiter, dritter oder vierter werden, reißt uns keiner den Kopf ab. Wir sind nicht so fanatisch, dass wir unbedingt aufsteigen müssen. Unsere Prämisse: Wir wollen das Beste aus uns rausholen.“

 

 

Lippe-Kick: Letzte Frage: Wie siehst du die Leistungen der anderen Teams, die oben mitspielen?

 

Drechshage: Ich habe viel Respekt und Anerkennung, für das, was der SC St. Pauli aus seinen Möglichkeiten macht mit einer richtig guten Truppe. Oder wenn ich in Wüsten sehe, wie Viktor [Melnicuk; Anm. d. Red.] zu kämpfen hat mit Leuten, die er hochgeben muss und trotzdem Punkte holt. Oder wenn ich sehe, wie Matorf quantitativ bestückt ist und was für Möglichkeiten die haben und trotzdem da oben stehen, da ziehe ich den Hut vor. Die haben es dann auch verdient, da oben zu stehen. Wir müssen uns den Schuh anziehen, nicht genug Punkte geholt zu haben.“

 

Lippe-Kick: Vielen Dank für dieses ausführliche Interview und alles gute für die zweite Saisonhälfte.

Stadtwerke Bad Salzuflen

More in Kreisliga C2 Lemgo

%d Bloggern gefällt das: