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Historisch

Unvergessene Vereine – Birlikspor Lügde

Am Ende mangelte es an Masse, an genügend Unterbau, weshalb Birlikspor nicht einmal sein 15-jähriges Vereinsjubiläum feiern konnte. Der Tausendsassa Cemil Türkoglu schaut zurück auf die Zeit rund um die Jahrtausendwende.

„Ich vermisse meine Jungs“

 

Unvergessene Vereine (hk). Integration durch Sport, so lautete der Slogan von Birlikspor Lügde, einem Verein, der zwischen 1992 und 2005 sich bis zur Detmolder B-Liga vorgespielt hat. Der heute für den TuS Wöbbel pfeifende Referee Cemil Türkoglu war der Macher, das Schweizer Taschenmesser für die Südostlipper. „Ich war Trainer, Vorstands-Boss, Schiedsrichter“, erklärt der Familienvater bei Lippe-Kick. Warum musste vor 15 Jahren abgedankt werden? „Am Ende fehlte es an Spielern. Wir hatten keinen Nachwuchs“, klagt der 54-Jährige im Lippe-Kick-Hintergrundbericht in der Rubrik „Unvergessene Vereine.“ Das erhebliche Problem: Das Personal war versiegt, war diese Situation am Ende einfach nur grotesk.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

Es war eine Clique von sechs, sieben Leuten, die Anfang der Neunziger-Jahre gemeinsam vom benachbarten Bad Pyrmont fußballerisch in die Osterräderstadt weiterzog, um dort ihr Glück zu suchen und zu finden. „Ob Deutsche, Türken, Kurden oder Araber, wir waren eine Gemeinschaft, haben brüderlich zusammengehalten”, betont Türkoglu bei Lippe-Kick. Das ist längst alles vorbei: „Ich vermisse meine Jungs, den Zusammenhalt“, trauert Türkoglu dieser besonderen, dieser unvergessenen Phase hinterher. Doktor Ilhan Dümeli gründete den Verein, so erinnert sich der beliebte Schiedsrichter zurück. Sehr aktiv waren bei der Gründung auch Protagonisten wie Ünal Emeksiz, Sinan Tanriver, Tümen, Abdullah Dinçer, Cemil und Ekrem Türkoğlu. Ebenso ein Spieler, der unter dem Namen Serdar bekannt geworden ist. Eine interessante Geschichte zum fußballbekloppten Ausnahmekönner, der immer extra mit dem Zug aus Hannover zum Training und zu den Spielen anreiste. Türkoglu verrät: „Unglaublich. Er hatte ein Angebot von 2000 Deutsche Mark für einen Wechsel von einem Nachbarverein erhalten. Er schlug diese lukrative Offerte allerdings aus, weil er mit seinen Freunden weiter zusammenspielen wollte. Das gibt es heute nicht mehr so oft. Serdar war ein netter, ein lieber Junge.“ Wie dieser besondere Spieler allerdings mit Nachnamen hieß, weiß Cemil Türkoglu nicht, lässt sich auch durch eine Recherche nicht ans Tageslicht bringen. Der Referee zählt auf: „Beste Spieler waren Serdar als Neuner, Aiman als Zehner, Rostom Youssef (Bild links) und Sufyan Mohamad.”

 

 

 

 

 

 

Sponsoren waren da, Mitglieder eher wenige

 

Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte datiert aus dem Millennium-Jahr, als Birlikspor, was auf deutsch so viel wie Einheit/Union bedeutet, aus der C- in die B-Klasse aufstieg. Memorabel: Eine stattliche, mittlere dreistellige Zuschauerkulisse war zugegen, als gegen den TV Reelkirchen der Sprung in das Kreis-Unterhaus geschafft wurde. Der mittlerweile leider verstorbene Trainerfuchs Manfred Böhlen war der Aufstiegs-Coach. Unvergessen war auch das Husaren-Stück, als im Stadt-Derby in der B-Liga der scheinbar übermächtige Lokalrivale TuS WE Lügde vor rund 500 Zuschauern sensationell bezwungen wurde. Was allerdings auch zur Wahrheit gehört: In den Jahren bis zur Auflösung kämpfte Birlikspor Lügde zumeist gegen den Abstieg, war ein achter Rang das höchste der Gefühle. Jedwede tabellarische Höhenflüge waren mehr Wunsch als Realität. „Am Anfang hielten wir echt gut zusammen. Wir waren eine echte Gemeinschaft”, so Türkoglu bei Lippe-Kick. Doch einen mitgliederstarken Verein aufzubauen, das schlug fehl. Einzig die Spieler waren Mitglieder, maximal 25 an der Zahl. Für die damalige Zeit verkörperte dies eine Anomalie, gab es einige Vereine, die hatten zehn Mal so viele Vereinsmitglieder. Dennoch: Wenn auch die Familien oder einige Birlikspor-Anhänger am Platz waren, wurde auch der Grill angeschmissen, gab es Geflügelbratwürstchen zum Verzehr. Immerhin war die Unterstützung durch die Sponsoren hervorragend. Ob lokale Reisebüros oder B &S-Tiefbau, der Rückhalt in der Osterräderstadt war gegeben. Aber: Am Ende fehlte es an zu vielem, um diesen legendären Verein weiter am Leben zu erhalten.

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