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Schiedsrichter

Referee Philip Dräger: „Der Umgangston ist rauer geworden!“

Wie geht es denn den Schiedsrichtern während der Corona-Pandemie? Lippe-Kick hat sich mit einem bekannten Idol seiner Zunft unterhalten.

 

„Würde mir deutlich mehr Regelkenntnis seitens aller erwünschen“

Schiedsrichter (hk). Es wird unglaublich viel darüber philosophiert, gestritten und erzählt, welche Nachteile für die Fußball-Spieler und Trainer, ja die Vereine, durch die Corona-Krise entstehen. Dass auch die Schiedsrichter auf Amateurebene von dem Virus und den Folgen betroffen sind, versteht sich von selbst, wie auch der in ganz Ostwestfalen-Lippe bekannte Schiedsrichter Philip Dräger gegenüber Lippe-Kick klargestellt hat.

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Von Henning Klefisch

 

 

Wenn ein äußerst aktiver Referee wie der Bielefelder Schiedsrichter-Boss Philip Dräger, der bis zu dreimal pro Woche pfeift, so potzblitz völlig ohne Spielleitungen auskommen muss, tangiert dies sein Leben natürlich kolossal. So genießt der juvenile Vierziger zukünftig mehr Zeit, um zu joggen, zu biken, ebenso sich beim Wandern fit zu halten, um einen harmonischen Ausgleich zu den Spielleitungen und Gym-Einheiten zu gewährleisten. Finanziell schlägt die ungewollte spielfreie Zeit nicht allzu sehr ins Kontor, verfügt Deutschland doch im Vergleich etwa zu England über kein Profischiedsrichtertum, nicht einmal in den ersten beiden Ligen. „Im Amateurbereich ist es so oder so lediglich Hobby, finanziell macht es sich somit kaum bemerkbar und steht somit auch nicht entsprechend im Fokus“, macht sich Dräger folglich keine Sorgen, dass er in absehbarer Zukunft mit einer Panflöte oder einem Leierkasten bewaffnet als Straßenmusiker in der Leineweberstadt die lebensrelevanten Groschen dazuverdienen muss. Weitaus ernster als der finanzielle Aspekt ist der Umgang mit den Schiedsrichtern, hat der Respekt vor den Regelhütern schließlich deutlich abgenommen. Der leidenschaftliche Arminia Bielefeld-Anhänger warnt: „Das Verhalten gegenüber uns Referees hat sich – analog zum gesamtgesellschaftlichen Kontext – mitunter dahingehend verändert, dass der Umgangston durchaus etwas rauer geworden ist. Hier sind aber insbesondere auch wir Referees gefordert, entsprechend kommunikativ aufzutreten und Konflikte abzumoderieren“, spielt hier Souveränität, auch eine natürliche Autorität, eine ganz entscheidende Rolle.

 

Kinhöfer als echtes Vorbild

 

Auffällig ist die starke Fokussierung der Beteiligten wie Zuschauer auf die Spielleiter, fehlt bei einigen Aggressoren der nötige Respekt und Durchblick gleichermaßen. Ein Thema, was sich auch für den eloquenten und selbstbewussten Dräger zu einem Ärgernis entwickelt hat: „Es ist
durchaus bemerkenswert, welche Erwartungshaltung, insbesondere seitens Kreisligafußballern, an uns Referees gestellt wird. Stichwort Neue Medien. Hier würde ich mir deutlich mehr Regelkenntnis seitens aller – neben uns Referees – am Spiel beteiligten Personen wünschen. Dies würde viele, oft der Unkenntnis geschuldeten Konflikte, meiner Einschätzung nach vermeiden.“ Bekanntlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wenn der Unparteiische neben der Regelkenntnis noch eine adäquate Kommunikationsfähigkeit beherrscht, „wird man dauerhaft erfolgreich und akzeptiert seinem Hobby nachgehen können“, so der gut gemeinte Rat von Philip Dräger, der beruflich als Vertriebsleiter arbeitet. Mit Thorsten Kinhöfer zählt er einen Großen seiner Zunft zu seinen Vorbildern. Der FIFA-Referee aus Herne besitzt viele Zutaten, die zu einer Erfolgsmischung im Schiedsrichterwesen taugen, gab es für Dräger sogar schon eine persönliche Bekanntschaft mit King Kinhöfer: „Ich durfte Thorsten einige Spiele im Team als Assistent begleiten und habe seinen lockeren, aber stets gleichzeitig auch höchst professionellen Umgang als vorbildlich empfunden. Kürzlich sind wir uns bei einem Sporttalk mal wieder persönlich begegnet, seine Kolumne verfolge ich regelmäßig.“ Hier schaut er sich einige gute Sachen von ab.

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