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Kreisliga C1 Lemgo

SG Kalldorf – Re-Start in der C-Liga, aber auf eigenem Platz

Es hat sich einiges getan in Kalldorf. Der Sportplatz ist endlich fertig und die Mannschaft bereitet sich auf die C-Liga vor.

 

 

Schwier: „Überwältigende Mehrheit“ für Rückzug aus B-Liga

Kreisliga C1 Lemgo (ab). Die SG Kalldorf startet in der Saison 2021/2022 freiwillig in der Kreisliga C, wurde vom FLVW in die C1-Staffel eingeteilt. Dafür kann man die Heimspiele aber endlich wieder auf dem eigenen Platz austragen, die Sportanlage „Grauer Busch“ in Kalldorf ist fertig und wurde am vergangenen Sonntag freigegeben und steht den Sportlern der SG nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wieder zur Verfügung.

 

Dieser Bericht wird Ihnen präsentiert von:

 

 

Von André Bell

 

Frank Schwier

Das Thema „Ligazugehörigkeit“ war ein heiß diskutiertes, letztlich aber ein deutliches Thema innerhalb der Mannschaft der SG Kalldorf. „Der Großteil der Mannschaft hat erkannt, dass es sinnvoll ist, den Spielbetrieb in der Kreisliga C fortzuführen“, erklärt Coach Frank Schwier gegenüber Lippe-Kick. „Wir haben viel Lehrgeld in der B-Liga zahlen müssen und es war ja auch nicht so, dass wir da mit super Leistungen geglänzt haben.“ Die Euphorie vor Saisonstart ist schnell „dem Realismus gewichen, dass es schwer wird in der B-Liga.“ Schon das 0:5 am ersten Spieltag beim FC Unteres Kalletal war ein erster Dämpfer. Es folgten ein weiteres 0:5 bei der SG Lüdenhausen/Talle/Westorf und ein sehr empfindliches 1:7 bei Aufsteiger FC Schwelentrup-Spork/Wendlinghausen II. Spätestens da war klar, was die Stunde für die SG Kalldorf geschlagen hatte. Abstiegskampf mit ungewissem Ausgang war angesagt.

 

Saisonabbruch rettete Kalldorf vorerst

Auch bessere Auftritte in der Folgezeit änderten nichts an der Lage. Nach neun Spielen hatte die SG Kalldorf immer noch keinen Punkt, erst drei Tore erzielt, aber schon satte 40 Gegentreffer hinnehmen müssen. „Ohne Corona wären wir schon in die Kreisliga C abgestiegen. Deshalb war der Abbruch für uns erstmal positiv. So konnten wir weiter in der B-Liga spielen“, sagte Schwier noch vor ein paar Monaten, nachdem der FLVW den Saisonabbruch offiziell gemacht hatte. Danach gab es zwar auch schon die Überlegung, freiwillig in die C-Liga zu gehen, man entschied sich aber zunächst noch dazu, es doch noch einmal in der Kreisliga B zu versuchen: „Wir haben den Gedanken schnell wieder verworfen. Wenn du dich neu ausrichtest und Spieler suchst und Neuverpflichtungen machen willst, kannst du nicht mit Kreisliga C kommen und sagen, wir spielen nur C-Liga, kommst du dann auch? Mit Kreisliga B muss man da schon wuchern können.“

 

Kalldorf will oben mitspielen

Es lockte die Aussicht, sich neu aufzustellen und den Kader „nochmal zu verstärken“, so Schwier damals weiter. Seine Mannschaft wirkte „eine Spur eingespielter.“ Man wollte „mal schauen, ob sich nicht doch noch der ein oder andere Spieler nach Kalldorf verirrt und wir das ein oder andere neue Gesicht präsentieren können.“ Jetzt, wenige Wochen vor dem Saisonstart, folgte aber doch noch das Umdenken. „Ein überwältigender Mehrheitsbeschluss“ bei einer Umfrage innerhalb der Mannschaft hat nun dazu geführt, dass die SG Kalldorf für die C-Liga angemeldet wurde. In der Kreisliga C1 Lemgo gehört man zusammen mit dem FC SSW II, der ebenfalls freiwillig eine Liga tiefer antritt, der SG Bega/Humfeld II und den anderen ersten Mannschaften vom RSV Schwelentrup, TuS Almena und VfB Matorf zum erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten. Ein Platz im oberen Drittel der Tabelle ist angestrebt, wird aber bei weitem kein Selbstläufer.

 

 

„Eigene Ansprüche im Training untermauern“

Dazu muss aber auch im Training noch eine Schüppe draufgelegt werden. Hier vermisste Frank Schwier letzte Spielzeit die Kontinuität. Und: „Die Ansprüche, die manche Spieler haben, auch an sich selbst, müssen sie auch untermauern und noch härter trainieren.“

Ron Kutkowski

Eine Ansage an alle 21 Spieler, die der Coach Stand jetzt zur Verfügung hat. Nicht mehr zum Kader gehört Keeper Jens Grospitz, der zum SC Vlotho gewechselt ist. Auch Ron Kutkowski und Rafael Hesse (beide zum FC Unteres Kalletal) sind weg. Den Weggang von „Perspektivspieler“ Hesse findet Frank Schwier „sehr schade.“ Auch „Ur-Kalldorfer“ Kutkowski hätte er „sehr gerne behalten. Aber ich glaube, dass er sich bei uns nicht wohlgefühlt hätte. Die vorgesehene Rolle als Führungsspieler konnte er bei uns nicht ausfüllen“, führt Schwier weiter aus, dass es einfach „zwischenmenschlich nicht gepasst“ hat. „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber zum FC Unteres Kalletal passt er einfach besser.“

 

Bad Oeynhausen und Bückeburg kommen nach Kalldorf

Jan Malte Schwier

Neu im Kader sind Niklas Heling (eig. Jugend), Jonas Nentwig (A-Junioren FC BW Holtrup), Sebastian Kuntze (FC Unteres Kalletal), Sascha Dettlev (SV Nienstädt 08) und Tim Traue, der zuletzt im Raum Köln aktiv war. Dettlev ist den lippischen Fußballfans auch noch aus seiner Zeit bei der Spvg Bavenhausen bekannt. Am kommenden Sonntag, 25. Juli, findet im Rahmen der Saisoneröffnung ein gemeinsames Training mit dem SC Vlotho III statt. Ein geplantes Testspiel zwischen beiden Mannschaften kann aufgrund vieler Urlauber nicht stattfinden und wird später nachgeholt. Stattdessen kommt es zu einem Einlagespiel zwischen den Landesligisten FC Bad Oeynhausen und VfL Bückeburg. Beim VfL spielt unter anderem auch der Kalldorfer Jan Malte Schwier, Sohn des Kalldorf-Trainers. Anstoß ist um 15.00 Uhr. Das Spiel wird vom Langenholzhauser Sportkameraden Timo Franz-Sauerbier geleitet. Vor Ort wird ein Hygiene-Konzept umgesetzt, Zuschauer müssen sich in eine Liste eintragen und einen Abstand von 1,50 Meter einhalten.

 

„Qualität ist höher als letzte Saison“

Sportlich schätzt Frank Schwier die Qualität seiner Mannschaft „höher als zu Beginn der letzten Saison“ ein. Allerdings ist aktuell schwer einzuschätzen, wo die Mannschaft wirklich steht. Viele Spieler sind im Urlaub, beim ersten Test beim FC Blau-Weiß Holtrup (0:2) am vergangenen Sonntag hatte Schwier keinen einzigen Einwechselspieler zur Verfügung. Eine Problematik, die sich auch durch die weiteren Wochen der Vorbereitung ziehen wird. Ende dieses Monats sollte aber bereits das erste Pflichtspiel anstehen. Normalerweise. Denn das Erstrunden-Spiel im Lemgoer Kreispokal beim RSV Schwelentrup findet zum gegenwärtigen Zeitpunkt doch nicht am 29. Juli statt. Ein neuer Termin wird derzeit noch gesucht. „Da rechnen wir uns durchaus Chancen aus“, gibt Frank Schwier zu Protokoll und sortiert das Spiel als „Standortbestimmung“ ein, die auch in der nächsten Runde anstehen würde, denn mit Yunus Lemgo würde „ein guter B-Ligist zu uns nach Kalldorf kommen.“ Spätestens dann sieht Frank Schwier, was seine Mannschaft zu leisten im Stande ist.

 

 

„Mannschaftsgefüge ist wichtig“

Wichtiger als die Qualität jedes einzelnen Spielers ist aber, und das hat auch die EM wieder gezeigt, der mannschaftliche Zusammenhalt, findet Schwier: „Fußball ist ein Mannschaftssport. Gerade die großen Mannschaften erkennen immer wieder, dass Geld zwar Tore schießt, aber du noch lange keine mannschaftliche Geschlossenheit dadurch haben musst. Bestes Beispiel: Schalke 04. Die hatten sicher nicht die schlechtesten Spieler im Kader, aber die hatten einfach so viel Unruhe im Umfeld und die Mannschaft ist nie als Mannschaft aufgetreten. Daran sind sie auch gescheitert.“ Besser machen es da Vereine wie der SC Freiburg: „Das ist ja das Paradebeispiel. Was der Streich da macht, hat schon einen etwas anderen Stil und Charakter und führt über die mannschaftliche Geschlossenheit zum Erfolg. Und er verkauft jedes Mal seine besten Spieler. Das komische ist aber: In den anderen Vereinen werden die Spieler dann nichts. Die gehen zu einem großen Club und gehen da dann unter.“

 

Zu wenig Nachwuchs

Fakt ist andererseits auch: „Der Zusammenhalt in der Mannschaft wächst nur über Erfolge.“ Die gab es letzte Saison in Kalldorf nicht, der Negativ-Lauf war nicht mehr zu stoppen. Schwier weiß aber auch, dass seine Mannschaft „auch in der C-Liga nicht alles gewinnen wird.“ Aus dem ersten Test konnte der Coach immerhin „ein paar Schlüsse ziehen“, hat zudem ein neues System ausprobiert, sieht aber noch Luft nach oben: „Wir stehen noch zu tief und müssen vorne aggressiver drauf gehen.“ Ein bisschen Zeit bis zum Ligastart am 22. August hat Frank Schwier mit seiner Mannschaft ja noch. Ob die Zeit in Zukunft aber pro Kalldorf verlaufen wird, ist zumindest in Zweifel zu ziehen. Ein Grund dafür: „Aus der A-Jugend kommt einfach zu wenig nach.“ Ein grundsätzliches Problem in eher ländlichen Regionen wie dem Kalletal. Hier gibt es mit der JSG Unteres Kalletal/BHK/Ba/Lü/Ta/We nur eine einzige A-Jugend für die gesamte Region.

 

„Machen Clubs in der Region genauso“

Der Jugendfußball ist ein großes Anliegen für Frank Schwier. Kritik gibt es beispielsweise immer wieder, weil auch in Lippe regelmäßig Jugendliche aus ländlichen Gegenden zu größeren Clubs wie zum Beispiel Lemgo oder Jerxen-Orbke wechseln, die nun als JFV Lippe gemeinsame Sache machen. Schwier sieht darin kein großes Problem, im Gegenteil: „Mich wundert immer, dass die das erst so spät in der A-, B- oder C-Jugend machen. Das machen Clubs in der Region aber genauso. Wenn ich an Preußen Espelkamp denke, an den SV Rödinghausen, oder an die etablierten Kräfte SC Paderborn, Arminia Bielefeld, oder SC Verl oder auch sogar in der Nachbarstadt in Bad Oeynhausen. Da ist es genauso. Bückeburg hat es auch nicht anders gemacht, da kann ich aus Erfahrung sprechen. Man holt sich die besten Jungs aus den Regionen. Das ist einfach so. Jeder muss sehen, wo er bleibt und was er will.“

 

 

 

Schwier wünscht sich JFV für das Kalletal

Deshalb wünscht sich der Coach etwas Vergleichbares wie in Lemgo und Jerxen-Orbke auch für das Kalletal: „Mit einem Jugendförderverein findest du viel einfacher und besser Sponsoren. Und man kann die Verantwortlichen besser in die Pflicht nehmen.“ Schwier denkt auch noch eine Stufe weiter, findet einen Gedanken an einen großen FC Kalletal zum Beispiel nicht abwegig, aber: „Wenn es nach mir gehen würde, würde es solche Konstrukte schon viel früher geben, nicht erst im Seniorenfußball. Im Jugendfußball spielt das Kalletal ab der D-Jugend schon zusammen. Wenn es das nicht gäbe, wären wir gar nicht in der Lage, den Mannschaftssport Fußball für alle Altersklassen anzubieten. Das spricht doch Bände. Man hätte das schon früher haben können. Ich glaube, wir haben es im Kalletal verpasst, die Weichen entsprechend früh zu stellen, weil uns immer wieder die besten Spieler weggeholt werden. Wir sind nicht in der Lage über den Tellerrand hinauszuschauen.“

 

„Konsequent wäre, im Kalletal zusammenzuwachsen“

Besonders die Vereine, die „keine junge, aufgeschlossene Führung haben“, spricht der Coach damit an: „Wenn ich zum FC Unteres Kalletal schaue, zum Beispiel. Mit denen verstehen wir uns gut, wir helfen uns untereinander auf Festen, das sind Dinge, die hat es früher nie gegeben. Wenn wir das aber mal weiterdenken, dass man sich auch von Festen kennt, dann wäre es konsequent zu sagen, dass wir diesen Schritt auch machen. Und der konsequenteste Schritt wäre, über diese Gemengelage, die wir im Kalletal haben, zusammenzuwachsen, um den paar Spielern, die noch da sind im Jugendbereich, irgendwo, aber heimatnah die Möglichkeit zu bieten, Fußball zu spielen. Wir müssen darüber nachdenken, inwieweit das auch für Kalldorf zutrifft.“

 

SG LTW ist „unglücklich“

Man dürfe sich da aber auch nichts vormachen, so Frank Schwier weiter: „Du guckst nach rechts, du guckst nach links, du siehst, dass der FC UK aus SVA Heidelbeck, TuS Langenholzhausen und SuS Stemmen-Varenholz besteht, du siehst, dass es in der Mitte eine Konzentration gibt aus Bentorf und Hohenhausen und du siehst, dass es im Süden eine Konzentration gibt aus Lüdenhausen, Talle und Westorf.“ Gerade die Kombination im Süden des Kalletals findet der Coach „unglücklich“, denn: „Westorf ist deutlich näher an Hohenhausen dran als an Talle oder Lüdenhausen. Das ist doch totaler Blödsinn.“ Eigentlich müsse man damit rechnen, „dass sich diese Vereinigung irgendwann auch wieder auflöst, weil die Taller erkennen, dass Kirchheide quasi mit dem Fahrrad erreichbar ist für sie.“

 

 

„So lange wie möglich versuchen, eigenständig zu bleiben“

„Übers Knie brechen“ darf man so eine Entscheidung, ob man sich irgendwann mal zusammenschließt, andererseits aber auch nicht. „Ich glaube, dass man sowas schrittweise machen sollte, in welche Richtung der Dampfer dann auch immer fährt. Ich kann das als Trainer aber ohnehin nicht entscheiden.“ Schwier gibt aber auch zu bedenken, dass „wenn man alle Vereine in einen Verein zusammenzuführen würde, zu viele auf der Strecke“ bleiben würden. Nicht von den Vereinen, „aber von den Personen, die sich damit identifizieren. Und das sind ja die, die unser Vereinsleben am Leben erhalten. Bei einem zusammengeschlossenen Kalletaler Verein im Seniorenbereich hat man irgendwann nur noch drei Mannschaften. Vorher hast du aber neun oder zehn, die im Kalletal Fußball spielen. Ob sich das zwangsläufig reduziert oder so kommt, kann ich nicht sagen.“ Wenn es nach Schwier geht, sollte aber ohnehin erstmal „jeder Verein so lange wie möglich versuchen, eigenständig zu bleiben.“

 

Fall Bavenhausen hätte vermieden werden können

Auch, damit sich so ein Fall wie in Bavenhausen vor wenigen Jahren nicht wiederholt, als zuerst die zweite Mannschaft der Spvg und wenig später der gesamte Verein vom Spielbetrieb abgemeldet werden musste. „Sowas lässt sich auch vermeiden. Das schlimmste, was am Ende des Tages passieren kann, ist, dass du eine Mannschaft abmelden musst, weil du nicht mehr genügend Spieler hast. Dann musst du aber vorher auch mal versucht haben, in irgendeine Richtung Weichen zu stellen und zu sagen, wir haben die Möglichkeit, entweder zu Ben/Hoh oder zum FC UK zu gehen und zu sagen, wir haben hier noch 15 Spieler und bringen ein motiviertes Trainerteam mit, ein funktionierendes Umfeld, wir könnten uns gut vorstellen, mit euch eine Spielgemeinschaft zu gründen.“ All das ist in Kalldorf aber aktuell kein Thema. Zu groß ist die Vorfreude auf die Heimspiele auf eigenem Geläuf.

Testspiel-Termine:

Sa., 31.07., 13:00 Uhr, TSG Neuenknick (H)

So., 08.08., 15:00 Uhr, TuS Wiedensahl-Niedernwöhren II (A)

So., 15.08., 14:00 Uhr, TuS Victoria Dehme (H)

Do., 19.08., 19:30 Uhr, SG Gorspen-Vahlsen/Windheim II (A)

Di., 24.08., 19:30 Uhr, SC Vlotho III (H)

Werbegruppe OWL Sport

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