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What a Game! Ben/Hoh is back!

Spielbericht

(hk). Sollen sie mich doch mit Pfeil und Bogen jagen, doch ich sage es immer wieder: Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten. Verrückt sind sie, wie es auch das Match der SG Bentorf/Hohenhausen beim TuS Ahmsen ist. Hätte man auf einen Heimsieg der Seifert-Schützlinge gewettet, wäre wohl nur ein Käsebrötchen als Wettgewinn möglich gewesen. Ein Unentschieden war jedoch für einige nur unzumutbar als Vorstellungskraft. Am Ende sichert sich Ben/Hoh einen Zähler beim 1:1 in der Werrekampfbahn und strahlt bis über beide Ohren.

 

Von Henning Klefisch

 

Es geht direkt munter los. In der siebten Spielminute wird ein weites Zuspiel von der Ahmsen-Abwehr zunächst gut verteidigt, der folgende Zuckerpass in die Gasse auf Ali Obaed sorgt für eine herausragende Möglichkeit für Ben/Hoh. Ahmsen-Keeper Till Käufer (Bild links) spannt seine Muskeln an, sorgt dadurch für innere Panikattacken beim gegnerischen Angreifer, der den Ball neben das Tor setzt. Auch die Hausherren wissen, dass Abtasten eher etwas für den Frauenarzt ist. In Spielminute 17 ergibt sich für sie nach einem Eckstoß eine doppelte Möglichkeit. Den Kopfball von Tim Jahn (Bild rechts) vereitelt Heiko Langer gekonnt. Der Nachschuss über Jan Ehlert, Sören Seifert und erneut Jahn, endet am erfolgreichen Block. 120 Sekunden später versucht sich Jan-Hendrik Pluskat, pariert erneut Langer stark. Eine weitere Minute folgend landet ein Seifert-Volley neben dem Pfosten. Ahmsen-Obmann Lothar Köhnemann flunkert nicht, wenn er sagt: „Wir sind dran und drücken.“ Dann fällt es. Das 1:0 durch Pluskat, sind 24 Minuten bis dato absolviert. Das Problem ist die sanktionierte Abseitsposition nach einem Spielzug über Richter, Seifert und einem Querpass auf Pluskat, soll Seifert die verbotene Zone betreten haben. Nach einer halben Stunde versucht sich der auffällige Jahn erneut, pariert Langer mit einer Hand zum Eckball. Aus diesem abgewehrten Standard läuft ein hervorragender Konter von der Spielgemeinschaft, ergibt sich eine 3:1-Überzahlsituation. Beim Kopfball aus fünf Metern beweist Vielflieger Käufer seine Fangkunst. Jan Heidemann (Bild links unten) knallt fünf weitere Zeigerumdrehungen später einen Volleyschuss weit neben das Gäste-Tor. Ruppig und mit viel Körperkontakt geht es in der 38. Spielminute zur Sache, als nach einem Flankenball von Basel Neamy SG-Tarzan Langer Tim Jahn und den einen Mitspieler umstößt, dafür von Referee Malte Arend mit einem Freistoß beglückt wird. Köhnemann meint über die Torlosigkeit zur Halbzeitpause: „Chancen auf ein 3:1 oder so ähnlich waren da.“ Den Auftritt von seinem Team kennzeichnet Evers als „überragend.“ So haben seine Jungs kompakt agiert, mit einem weitsichtigen Stellungsspiel, versuchen sie zudem selbst stets über Umschaltaktionen für Torgefahr zu sorgen. Die Gäste-Führung ist dadurch sogar möglich.

 

 

Pries kennt beim Tor keine Verwandten

 

Im zweiten Durchgang geht es erneut beherzt zur Sache. Vier Minuten nach dem Wiederanpfiff knallt Richter eine Direktabnahme aus 20 Metern über den Ben/Hoh-Kasten. Zum ersten Mal so richtig jubeln dürfen alle Beteiligten in Spielminute 53. Die Kasper-Kicker fahren einen beachtlichen Konter, entblößen mit einem Schnittstellenpass die gegnerische Defensive. Thomas Pries (Bild links) kennt keine Verwandten, haut staubtrocken aus 20 Metern Torentfernung das Runde in das Eckige. Yannik Noah Dingemann hinterläuft zuvor clever die gegnerische Defensive. Auf der Gegenseite fällt nach einem Beinahe-Eigentor von Ben/Hoh beinahe der Ausgleich. Köhnemann (Bild rechts) registriert aufmerksam: „Langsam werden die Angriffe aggressiver und energischer, Chance auf Chance kommt auf unser Konto, aber kein Treffer.“ Zudem müssen die Kalletaler ab der 68. Minute in Unterzahl weiterspielen – nach einer Ampelkarte gegen Ali Obaed. Resolut befördert er Tönsmann in die Horizontale. Da er zuvor schon mit der gelben verwarnt ist, ist der Ampelfarben-Wechsel vom akkuraten Arend absolut nachvollziehbar. Ahmsen erhöht die Schlagzahl, drängt die SG in die eigene Deckung, doch es mangelt erkennbar an Präzision. Pluskat knallt aus 20 Metern knapp über das Gehäuse, Seifert ist einen Schritt zu spät. Ehlert köpft, doch der an diesem Abend – ebenso wie die Ben/Hoh-Abwehr – überragende Langer pariert einmal mehr glänzend.

 

 

Warum hat Ehlert keine Augen im Hinterkopf?

 

Zehn Minuten vor dem Ende forciert Ahmsen sein Spiel über die Außenposition, sorgt dadurch für eine ständige Torgefahr. Was Köhnemann stört: „Aber es wirkt alles hektisch und nicht kontrolliert.“ Als sich der eine oder andere Kiebitz bereits mit einer Heimpleite abfindet, schlägt Jahn zu, trifft nach einer Linksflanke von Zurheide und einem Versuch von Seifert den Abpraller wuchtig per Volleyabnahme – nach einer technisch anspruchsvollen Brustannahme. Für Evers fällt dieses Tor nach dem Spielverlauf „verdientermaßen.“ Nur zwei Minuten danach ist Jahn beinahe der Matchwinner, doch sein Kopfball streicht nur knapp über den gegnerischen Kasten. 85 Minuten sind absolviert, als nach einem Befreiungsschlag Dingemann die Kugel bekommt, Nervenflattern bekommt, viel zu überhastet abschließt. Wenig später tritt Ehlert als Balleroberer in Erscheinung, doch fehlt die letzte Genauigkeit bei seinem Zuspiel. Sekunden später schlägt Neamy einen Eckball auf Ehlert, der den Kopfball zu hoch ansetzt. Hier wäre doch mehr möglich gewesen, denn Jahn und Seifert befinden sich in Lauerstellung. Man fragt sich: Warum hat Ehlert (Bild rechts) nur keine Augen im Hinterkopf? Auch die fünfminütige Nachspielzeit hat es in sich. Nach einer Ahmsen-Ecke fehlt erneut die Restverteidigung. Pluskat läuft unnachahmlich hinterher, in vorbildlicher Rettungsmission, klärt in höchster Not. Nur 60 Sekunden später passt Seifert auf Ehlert. Der dreht sich in bester Gerd Müller-Manier, schießt volley haarscharf am Pfosten vorbei. In der 93. Minute vereitelt der unfassbare Langer kurz vor Seifert.

 

„Ziehe meinen imaginären Hut vor Julius Busch“

 

Köhnemann muss sich nach diesem hitzigen Spiel zunächst einmal in die Eis-Tonne legen, resümiert im Lippe-Kick-Gespräch: „Eine Punkteteilung, die im Nachhinein ein Stück weit auch verdient ist für Ben/Hoh. Einfach, weil wir unsere Chancen nicht klar raus spielen konnten.“ Die Konsequenz ist nun klar: Es wird aus der Verfolgerposition heraus zukünftig agiert. Ben/Hoh-Obmann Marco Evers (Bild links) blickt zunächst einmal in den Spiegel und registriert schmunzelnd: „Ich habe heute ein paar graue Haare mehr bekommen.“ Die Ursache für diesen Farbwechsel in seiner Haarpracht: „Es war ein sehr intensives Spiel gegen den erwartet starken Gegner. Das war eine sehr gute Leistung gegen den Ball heute“, haben seine Jungs oft mitansehen müssen, wie der TuS Ahmsen die Kugel in ihren eigenen Reihen hat. Die 2:3-Heimenttäuschung gegen Sonneborn/Alverdissen liegt schwer im Magen. Evers freut sich über die erfolgreiche Umsetzung und die angemessene Reaktion. Er verneigt sich vor der taktisch und kämpferisch formidablen Vorstellung seiner Truppe und macht sogar eine Ausnahme, als er im Lippe-Kick-Gespräch zu einem Sonderlob ansetzt: „Normalerweise hebe ich keine Spieler heraus, aber wie heute unser 18-jähriger Innenverteidiger Julius Busch die geballte Offensiv-Power Ehlert und Seifert abgekocht hat, da muss ich meinen imaginären Hut vor ziehen.“ Nach null und einem Zähler soll der Aufwärtstrend weitergehen. Evers hofft, dieses respektable Remis zu veredeln, am besten mit einem Sieg über den VfL Lüerdissen am Sonntag.

Fazit: Was für ein tolles Fußball-Spiel. Es gibt zahlreiche Chancen hüben wie drüben, gestattet einem dieses Spiel nur wenige Momente zum Durchatmen. Weitere Tore wären definitiv möglich, doch zwei überragende Fänger vereiteln diese. Vor allem Heiko Langer beweist, dass er ein reflexstarker Tarzan zwischen den Pfosten ist.

 

Tore:
0:1 Thomas Pries (53. Min.)
1:1 Tim Jahn (80. Min.)

Details

DatumZeitLigaSaisonSpieltag
10. September 202090'Kreisliga A Lemgo2020/212

Spielort

Werrekampfbahn
TuS Ahmsen, 1, Am Sportplatz, Biemsen-Ahmsen, Bad Salzuflen, Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold, Nordrhein-Westfalen, 32107, Deutschland

Ergebnisse

Club1st Half2nd HalfGoalsSpielausgang
TuS Ahmsen011Draw
SG Bentorf/Hohenhausen011Draw

Autohaus Stegelmann

Stadtwerke Bad Salzuflen

Schiewe

Fahrschule Isaak

Gaststätte Wittelmeyer – Der Grieche

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