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Schiedsrichter

Waldemar Stor – Seine Geschichte zum Erstligaschiedsrichter

Als Referee des FC Unteres Kalletal darf Waldemar Stor sogar Partien in der ersten Liga in Luxemburg leiten. Auch in Deutschland pfeift er höherklassig. Bei Lippe-Kick erzählt er interessante Anekdoten.

„Ich konnte mich persönlich weiterentwickeln“

Allgemein (hk). Der höchst pfeifende Referee im lippischen Fußball ist Waldemar Stor. Der 39-jährige Referee des FC Unteres Kalletal ist bereits seit 15 Jahren in der Oberliga im Einsatz, leitet zudem Partien in der ersten luxemburgischen Liga und als Assistent in der deutschen Regionalliga. Bei Lippe-Kick erzählt er seine Geschichte mit einigen lustigen Anekdoten.

Von Waldemar Stor

Als Schiedsrichter bin ich seit 2003 in der Oberliga im Einsatz, mit einem kurzen Gastspiel auch als Schiedsrichter in der Regionalliga und seit 2004 als Assistent der Regionalliga. Zu der Leitung von einem Spiel in Luxemburg bin ich durch einen Austausch zwischen dem Westdeutschen und Luxemburgischen Fußballverband gekommen. Schiedsrichtergespanne aus NRW pfeifen einige Spiele in der luxemburgischen 1. Liga und dessen Gespanne bei uns in der Regionalliga. Ich habe mit 17 durch eine lustige Geschichte angefangen zu pfeifen. Ich habe mich über einen längeren Zeitraum immer wieder über die Schiedsrichter aufgeregt und da meinte man von Seiten des Vereines, ich soll es doch mal besser machen. Gesagt – Getan (schmunzelt). Nach bestandener Prüfung wurde ich zunächst in den Jugendspielklassen eingesetzt. In der darauffolgenden Saison durfte ich erstmals im Seniorenbereich mein Unwesen treiben, was dann ein geballter Sonntag war. Sonntagmorgen in der A-Jugend spielen und nachmittags pfeifen.

Fokussierung auf die Schiedsrichterkarriere

Nach dem Wechsel als Spieler in den Seniorenbereich musste ich mich irgendwann entscheiden und so nahm die Schiedsrichterlaufbahn ihren Lauf. Die Kreisliga A wurde nach zwei Saisons erreicht und in der Bezirksliga hat es nicht gleich im ersten Jahr geklappt, aber dafür im zweiten. Nach vier Spielen in der Landesliga durfte ich zur Rückrunde 2001/2002 in der Westfalenliga an die Pfeife. Mit vielen Assistentenspielen und den daraus gewonnen Erfahrungen bei Sandra Sudhölter in den Jahren davor unter anderem in der Westfalenliga bzw. Damenbundesliga oder Torsten Weber in der Westfalenliga beziehungsweise Oberliga durfte ich zur Saison 2003/2004 in die Oberliga aufsteigen und bin seitdem mit einem kurzen Gastspiel in der Regionalliga und der damit verbundenen Assistententätigkeit in der 3. Liga, ein paar Saisons in der A-Jugendbundesliga zunächst als Assistent und dann als Schiedsrichter in der Oberliga als Schiedsrichter unterwegs. Vom ganzen Drumherum waren sicherlich die Spiele in der 3. Liga bzw. während des Austausches mit den anderen Regionalligen am interessantesten.

„Jede Liga hat was für sich“

Aber ich muss auch sagen, dass jede Liga was für sich hat und zu jeder Liga kann man auch mal eine Geschichte erzählen. Eine kuriose Situation gab es bei einem 3. Liga-Spiel in Bremen. Der Schiedsrichter verletzte sich Anfang der 2. Halbzeit, so dass ich circa ab der 60. Minute einspringen musste. Gleich in den ersten Minuten musste ich einen Spieler des Feldes verweisen. Nach dem Spiel waren wir als Team glücklicherweise positiv im Gespräch und durften der Presse noch Interviews geben. Das vermeintlich interessanteste Spiel hatte ich als Assistent am Millerntor, St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf. Die Stimmung war einmalig, ausverkauftes Stadion, Hells Bells als Einlaufmusik, schönes Spiel und tolle Fans, die Ihre Mannschaften feierten. Mein erstes Oberligaspiel werde ich auch so schnell nicht vergessen. Ebenfalls mit der Beteiligung von Fortuna Düsseldorf, diese waren zum damaligem Zeitpunkt in der Oberliga und hatten dennoch die Unterstützung ihrer Fans. Es waren über 5.000 Zuschauer gegen Fortuna Köln da.

Begegnung mit Thomas Müller

Eine der interessanteren Begegnung als Bayern-Fan hatte ich bei einem Spiel an der Grünwalder Straße mit den Bayern Amateuren, die damals von Hermann Gerland trainiert wurden und bei denen u.a. Thomas Müller spielte. Durch die vielen Spiele durfte ich einige Personen kennenlernen, neben bekannten Persönlichkeiten lernte man aber auch einige Schiedsrichter kennen, zu denen Freundschaften entstanden oder auch Vereinsvertreter, zu denen zum Teil immer noch ein sehr enger Kontakt besteht. Direkte Vorbilder im Schiedsrichterwesen habe ich eigentlich nicht. Es gibt natürlich Dr. Felix Brych, den ich als Schiedsrichter richtig gut finde oder Collina war für mich eine extrem starke Persönlichkeit. Jeder Schiedsrichter ist individuell und ich schaue mir sicherlich das ein oder andere von anderen Schiedsrichtern ab. Das muss aber nicht immer ein Bundesliga-Schiedsrichter sein, das kann auch ein Oberliga oder auch durchaus mal ein Kreisliga A-Referee sein, der eine Sache besonders gut macht.

„Schöne Abwechslung zum Büro-Job“

Über die Schiedsrichtertätigkeit konnte ich mich über die Jahre persönlich weiter entwickeln. Im Rahmen eines Spieles trifft man auf viele verschiedene Persönlichkeiten, auf die man unterschiedlich eingehen muss und man muss Entscheidungen schnell treffen und diese auch zum Teil außenwirksam präsentieren. Während des Spiels ist man der Spielmanager und muss die Teams während der 90 Minuten immer wieder an die Regeln erinnern bzw. diese durchsetzen. Für mich ist der Fußball auch eine schöne Abwechslung zu meinem ​Büro-Job, wo ich die Möglichkeit habe mit Schiedsrichterkollegen auf andere Gedanken zu kommen und um Spaß zu haben. Jede Liga für sich ist auf ihre eigene Art und Weise interessant. Die Regionalliga z. B. mit den Stadien in Aachen oder Essen, wo ich diese Saison Spiele mit über 10.000 Zuschauern hatte. Die Oberliga, wo man an den meisten Spielstätten bekannte Gesichter trifft und man sich gegenseitig mit Respekt begegnet. Aber auch z. B. die Spiele in den Kreisligen können durchaus interessant sein, wenn man mit bekannten Spielern nach dem Spiel noch ein Bierchen trinkt.

„Respekt erarbeiten“

Ich hatte bislang in meiner Schiedsrichterkarriere zum Glück keine bedrohlichen Situationen meiner Person gegenüber, so etwas liest man in unserer Gegend zum Glück ganz selten. Als Schiedsrichter muss man sich das Standing bzw. Respekt über einen längeren Zeitraum erarbeiten, der es einem dann bei weiteren Spielen den Start in einem Spiel erleichtert. Wenn ein Andreas Grandt zum Beispiel nach Lemgo kommt, dann wissen fast alle Beteiligten in der Regel, oh, das ist ein Schiri, der höher pfeift, bei dem brauchen wir nicht den Bogen überspannen. Na und wenn Timo Franz-Sauerbier z. B. im Kreis aufschlägt, dann wissen alle, heute wird es lustig auf dem Feld und nach dem Spiel gibt es noch ein gemeinsames Bierchen und man kann dann nach dem Spiel über bestimmte Dinge aus dem Spiel quatschen. Diesen Respekt bzw. Standing haben sie sich erarbeitet und das ist etwas, was manch ein junger Schiedsrichter noch nicht erkannt hat, dass man sich den Respekt erst erarbeiten muss und dies nur über Leistung geht und nicht nur durch Quatschen. Das erinnert mich im Moment an die Diskussion über die junge Spieler-Generation im Profibereich. Jetzt wird der Eine oder Andere lächeln, aber da gibt es in der Tat Parallelen zwischen den Spielern und den Schiedsrichtern.

„Nach dem Spiel kein Gesprächsthema sein“

In den nächsten Saisons (mal schauen, wie lange ich das noch auf dem Niveau machen möchte bzw. darf (schmunzelt) würde ich gerne meinem Kreis mein Wissen bzw. meine Erfahrungen besonders den jüngeren Schiedsrichtern weitergeben. Mir hat es sehr geholfen, als Assistent bei den Spielen mitgefahren zu sein, da konnte ich immer wieder für mich herausselektieren, was gut bzw. nicht ganz optimal war ,und das nicht nur während des Spieles, sondern auch davor bzw. danach. Am Ende sind wir Schiedsrichter auch Sportsleute, möchten unser Bestes abrufen und nach dem Spiel kein Gesprächsthema sein und wenn doch, dann nur im Positiven.

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