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Historisch

TSV Horn – Das traumhafte BVB-Gastspiel

Was für ein Tag für den Türkischen SV Horn. Am 1. September 2011 war Borussia Dortmund im Egge-Stadion zu Besuch. TSV-Manager Ender Ünal erzählt uns die ganze Geschichte.

„Gott belohnt einen immer für ehrliche Arbeit!“

Kreisliga A Detmold (hk). Zugegeben: Mit Worten kann man es nur unzureichend beschreiben, man muss es erlebt haben. Der 1. September 2011 geht als der größte Tag in der Vereinsgeschichte vom Türkischen SV Horn ein. Auch achteinhalb Jahre später wird Manager-Legende Ender Ünal noch von einer ganzkörperlichen Gänsehaut heimgesucht. Der Gedächtnisapparat vom „ewigen Ünal“ funktioniert hervorragend. Warum die Emotionen mit ihm Tango tanzen? Kein Geringerer als der damals amtierende Deutsche Meister Borussia Dortmund mit Trainer-Legende Jürgen Klopp hielt Hof im altehrwürdigen Egge-Stadion, verzauberte ganz Horn, vielleicht sogar ganz Lippe in ein schwarz-gelbes Meer, mit einigen gelb-roten Farbtupfern. Sogar in der Türkei konnte dieses legendäre Spiel live verfolgt werden, war doch das türkische Fernsehen TRT in der Egge-Gemeinde vor Ort neben RTL, dem WDR und lokalen Medien. Auch jetzt noch platzt Ünal fast vor Stolz, wenn er sich wehmütig an diesen besonderen Tag zurückerinnert, der einmalig war, ist und bleibt. Man hat fast den Eindruck, als ob der ganze TSV Horn besoffen vor Glück war, einen Traum erlebte, aus dem er nie mehr aufwachen wollte. Der 41-Jährige unterstreicht im Lippe-Kick-Gespräch: „Man muss an etwas glauben. Glaube kann Berge versetzen.“

 

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Von Henning Klefisch

 

Es ist völlig unwahrscheinlich, dass es in Lippe solch ein Ereignis in den nächsten 20 Jahren geben wird. Unter einer ordentlichen fünfstelligen Summe kommt kein etablierter Bundesligist mehr in das Fürstentum zu einem Freundschaftsspiel. Wenn der potenzielle Bundesliga-Aufsteiger und in Lippe hoch angesehene DSC Arminia Bielefeld gefühlt dreimal pro Jahr in dieser Region gastiert, fehlt auch der gewisse Reiz, das einmalige Ereignis. Beim SC Paderborn fehlt das Flair, was Teams wie Dortmund, Bayern oder Schalke umhüllt. Was passiert, wenn man weniger prominente Teams wie Energie Cottbus, Fortuna Düsseldorf und Preußen Münster lockt, mussten zuletzt die Verantwortlichen in Bega erleben, als die gewünschte Besucherzahl nicht erfüllt wurde. Ob die Corona-Krise die Preise nach oben steigen oder nach unten sinken lässt, das weiß wohl nicht einmal Nostradamus. Was beim BVB-Gastspiel vorzeigbar war: Die Leistung vom Türkischen SV Horn, der ein starkes Spiel zeigte, nicht in Ehrfurcht erstarrte, nur mit 0:7 nach Toren von Mohamed Zidan (3 Tore), Kevin Großkreutz (2), Florian Kringe und Damien Le Tallec verlor. Vielleicht lag das auch daran, dass die Schwarz-Gelben schon 130 Kilometer in den Knochen hatten, reisten sie doch am Spieltag von Dortmund aus an. Löblich: Die TSV-Trainer Wolfgang Wächter und Lütfi Soylu haben ihr Team exzellent eingestellt.

 

Kleiner Verein gleich große Erfolgschance

 

Bei den im Gewinnspiel siegreichen Hornern war es eine Mischung aus Disziplin, Teamgeist und Glück, warum das Wett-Tanken der Westfalen-Tankstelle gewonnen wurde. Die Aktion hieß: „Tankt euch zum Spiel gegen den BVB”, erklärt Ex-TSV Horn-Kicker Ender Ünal. Zufälligerweise passierte der urlaubende Ünal die lokale Westfalen-Tankstelle in Horn, sprach locker-flockig mit der Besitzerin Birgit Holtmeier, eine gute Bekannte, die den lokalen Verein langjährig unterstützte. Relativ schnell bog das Gespräch auf die Gewinnspielaktion ab, die bereits seit zwei Wochen lief, insgesamt über ein halbes Jahr, datiert von Oktober 2010 bis zum 30. April 2011. Wie waren die Regeln? „Die Summe, die du dort tankst oder einkaufst, geteilt durch deine Mitglieder ergibt deine Punkte“, so Ünal, der als raffinierter Geschäftsmann gilt. Er erkannte flugs den Vorteil der wenigen TSV- Mitglieder, was die Erfolgsperspektive deutlich erhöht hat. „Ich wusste, dass die deutschen Vereine viel mehr Mitglieder haben, auch weil sie andere Sparten im Verein haben. Das war ein besonderer Punkt“, hört Ünal seither auf den Spitznamen Fuchs. Gerade einmal 78 Mitglieder hatte der TSV Horn, während andere Lipper meist zwischen 250 und 1000 Mitglieder hatten. Er rechnet kurz vor: „Das heißt: Ich lag bei jedem Einkauf oder Tanken bis zu 15-fach im Vorteil.“

 

Ewiger Ünal als Irrwisch

 

Ünal intensivierte seine Bemühungen, sah er doch eine echte Chance für seinen Verein, imagemäßig und monetär. Der Vorteil lag auf der Hand, registrierte er sich schnell im Internet, animierte seine Familie, Freunde und Bekannten, fleißig bei der Westfalen-Tankstelle Sprit, Zigaretten und andere Konsumgüter zu kaufen, somit Punkte zu sammeln. Ünal verrät gegenüber Lippe-Kick: „Ich habe in jedem Ort, wo es die Tankstellen gab, alle türkischen Gemeinden und auch Unternehmer, sogar unsere Leichenbestattungs-Unternehmer angerufen, und denen die Sache erklärt. Ich habe Flyer und auch tausend Tank-Karten von der Westfalen-Tankstelle bestellt, was es kostenlos mit unserem Vereins-Logo gab und habe es alles deutschlandweit verschickt.“ Für Ender Ünal gilt die altbekannte Devise: Ein Mann, ein Wort. Nach dem Gespräch mit der Tankstellen-Inhaberin reifte bei ihm die Überzeugung: „Wir schaffen das.“ Die Transparenz ließ die Motivation steigen, konnte doch stets nachvollzogen werden, welche Position im Gesamtranking man bekleidete, ohne allerdings den präzisen Zählerstand zu erblicken.

 

„Sektfreude nach dem Hauptgewinn”

 

Beeindruckend: Am zehnten Tag nach dem Startschuss bis zum Showdown bekleideten die Horner die Spitzenposition, bescherten sie der Westfalen-Tankstelle letztlich einen Umsatz in Höhe von 1, 8 Millionen Euro. Als der Familienvater von dieser Aktion bei der betrieblichen Weihnachtsfeier seinem damaligen Werksleiter und 600 Mitarbeitern per Mikrofon berichtete, dachten einige wohl: „Ach, der verrückte Ünal, der soll mal lieber weniger Efes Pilsner süppeln.” Was diesen umso mehr bestärkte: „Der Werksleiter hat mich an dem Abend zur Seite gezogen und mir mitgeteilt, dass er an mich und den TSV Horn glaubt und mir gesagt: Wenn es einer schafft, dann Sie, Herr Ünal und mir zugesichert, wenn es dazu kommt, dass ich von ihm und der Firma Glunz jegliche Unterstützung bekomme, die ihm möglich ist.“ Die rot-schwarzen Adler haben es am Ende gepackt, souverän und verdient. Eine Flasche Sekt nach der anderen wurde vernascht, als Ende April 2011 schließlich der Traum Wirklichkeit wurde, das Spiel gegen den BVB frohlockende Realität. Ünal kämpfte für seine Überzeugung, stellt gegenüber Lippe-Kick klar: „Ich habe von dem ersten Tag an daran geglaubt“, muss er allerdings einräumen, dass am Ende auch die Angst ihm in die Glieder schlich, dass nach fünf Monaten an der Spitzenposition ein anderes Team diesen Hauptgewinn wegschnappt. Ähnlich wie auf dem Fußball-Feld war es auch hier die Kontinuität, die ausschlaggebend war. Der Werksleiter hielt sein Wort, unterstützte seinen emsigen Mitarbeiter mit einem VIP-Zelt beim größten Spiel in der Vereinsgeschichte.

 

Fünf Wochen konkrete Vorbereitungszeit

 

Natürlich, die Freude war riesengroß, doch ebenso die Unklarheit und Arbeit. Der Zeitpunkt wurde grob zwischen Juni und Dezember 2011 festgelegt, was die Planungen der Horner spürbar erschwerte. Der Fußball-Gott spielte dem Sieger-Verein in die Karten, denn nach neunjähriger Abstinenz krönte Borussia Dortmund sich im Mai 2011 wieder zum Deutschen Meister, was das Attraktivitäts-Potential weiter nach oben schnellen ließ. Mitte Juli bekam Ünal Planungssicherheit, denn das Spiel wurde auf Donnerstag, den 1. September 2011, datiert. Somit blieben fünf Wochen Zeit, um den ultimativen Höhepunkt angemessen zu planen. Der Manager aus Leidenschaft schildert im Lippe-Kick-Gespräch: „Der ganze Verein war verrückt vor Freude. Klar war das für den TSV Horn eine Monster-Aufgabe für alle Mitglieder. Die ganzen Türken in Horn, auch die ganze Stadt, spielte verrückt, aber die größte Last spielte sich auf dem Rücken von meinem Onkel Ivo und mir ab. Die ganzen anderen Mitglieder aus dem Verein haben mitgezogen, aber die Lokomotive waren wir beide.“ Der Stress war gewaltig für den kleinen Wirbelwind mit Hummeln im Hintern, sodass er nach einer achtjährigen Abstinenz sogar wieder mit dem Rauchen begann. Stattlich war der Anforderungskatalog, die Vorschriften ellenlang, doch der gläubige Ünal bemerkt: „Der liebe Gott war immer auf unserer Seite.“ Schwierigster Gegner für die Horner war das Sicherheitskonzept. Auch das wurde mit viel Teamwork gewuppt. Die Vorfreude in Fußball-Lippe war enorm, wurden am ersten Vorverkaufstag gleich 2400 Tickets verkauft. Letztlich waren es mehr als doppelt so viele. Diese sollten das Eggestadion in einen Hexenkessel verwandeln.

Phoenix Contact unterstützt vorbildlich

 

Was wäre der TSV Horn nur ohne den ewigen Ünal und Onkel Ivo. Hätten sie Kilometer-Geld und einen gewöhnlichen Stundenlohn bekommen, sie wären auch persönlich als Gewinner aus diesem Highlight-Event hervorgegangen. Sie fuhren sämtliche LZ-Vorverkaufsstellen ab, riefen aus dem Auto heraus Phoenix Contact an, sprachen mit der dortigen Presseabteilung, die bereits Bescheid wusste. Der ehrliche Ünal sagt offen: „Ich habe denen gesagt, dass es nur noch drei Wochen sind und wir mit der Sicherheit überfordert sind und die doch bei denen im Haus die Sicherheits-Firma Podiak aus Bielefeld haben und bestimmt andere Preise, wie wir kriegen.“ Ünal wurde geraten, dies bitteschön schriftlich zu fixieren. So lange musste er sich nicht in Geduld  üben, denn beim gemeinsamen Mittagessen mit Ivo Peraga gab es die erfreuliche Nachricht. „Phoenix Contact meinte, ich soll am nächsten Tag um 10.00 Uhr in Blomberg bei Phoenix sein und den Vorschriften-Katalog mitbringen. Die Firma Phoenix übernimmt die ganze Sicherheit. Ich sagte noch: Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich kann das nicht glauben. Können Sie mir etwas schriftlich geben. Der Herr am Telefon meinte nur: Wenn die Firma Phoenix Contact etwas verspricht, ist das ein Gesetz.“ Am nächsten Tag fuhren Peraga und Ünal nach Blomberg, gingen in einen Besprechungs-Raum. Dort saßen zehn Leute, darunter der Besitzer der Firma Podiak, von Phoenix Contact war Klaus Eisert anwesend. Gemeinsam studierten sie den Sicherheits-Katalog, hatten danach eine gemeinsame Stadion-Begehung in Horn. Zum Matchday kamen sie mit gleich zwei Bussen voller Sicherheits-Leute, sorgten zusammen mit der Polizei Blomberg und Detmold, dem THW und der Feuerwehr für den nötigen Wohlfühlfaktor.

 

„Es war wie ein Traum!“

 

Ein dickes Kompliment muss auch der Stadt Horn gezollt werden, die die Sportanlage „wie in ein Märchen-Stadion umgewandelt hat“, wie Ünal verzückt feststellt. Auch ein knappes Jahrzehnt später möchte sich Ender Ünal beim Bürgermeister Block und der gesamten Stadt für diese Hilfsbereitschaft bedanken. Wettergott Petrus hatte einen besonders guten Tag erwischt, ließ die Sonne wunderbar scheinen. Das türkische Staatsfernsehen war gleich mit mehreren Kameras vor Ort, auch Radio Lippe zeigte viel Präsenz, führte mit dem Dortmunder-Meistertrainer Jürgen Klopp auf der Bühne ein informatives und launiges Interview. In dem VIP-Zelt, von der Firma Glunz gestellt, wurden 300 Hauptsponsoren und enge Freunde vom Verein hervorragend bewirtet. „Es war wie ein Traum, das Catering wurde zum Teil von uns, auch den Damen vom Handball HC Horn-Bad Meinberg betrieben. Wir haben das mit Bravour ohne irgendwelche Vorkommnisse perfekt bestanden.“ Wie ihn Phoenix Contact, die Firma Glunz, alle Sponsoren und Helfer unterstützt haben, rührt ihn fast zu Tränen, wird der ewige Ünal am Ende fast schon pathetisch: „Der liebe Gott hat mir für die ganze Arbeit und die Liebe zu diesem Verein gedankt. Ein ganz großes Dankeschön geht an meine Familie und Frau, die mir immer zur Seite standen. Ohne diese Unterstützung würde es nicht gehen.“

 

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