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Bezirksliga

SG Hiddesen/Heidenoldendorf – Erfolgsgeschichte wird unterbrochen

Eine sehr ordentliche Saison spielt bis dato der Aufsteiger aus Hiddesen/Heidenoldendorf. Coach Markus Rüschenpöhler verrät bei Lippe-Kick die Erfolgsrezeptur, bezieht auch zur Corona-Krise Stellung.

„Es wird ein sehr schwerer Weg werden!“

Bezirksliga 3 (hk). Schon gut. Ich gebe es ja zu: Klar, im Laber-Studienfach Sportpsychologie holte ich mir stets die Noten aus dem oberen Drittel, doch das reicht wohl nicht aus, um in das Innere von SG-Coach Markus Rüschenpöhler zu blicken. Nicht auszuschließen, dass er nachts aufwacht und an einen bösen Alptraum denkt, der wie ein Donnerschlag unser tägliches Leben beeinflusst. Als Schul-Lehrer darf er aktuell seinen Job nicht wie gewünscht ausführen, als Fußball-Lehrer ist er zur Tatenlosigkeit verdammt. Der unsichtbare Feind Corona ist schuld, drängt die sportlich so manierliche Vorstellung der Spielgemeinschaft aus Hiddesen/Heidenoldendorf extrem in den Hintergrund. Rang sieben und – was noch deutlich wichtiger ist – 13 Punkte Bonifikation auf einen Abstiegsrang. Die jungen Fohlen haben ihre Hausaufgaben mit viel Strebertum erledigt.

 

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Von Henning Klefisch

 

M. Rüschenpöhler

Man hört im Hintergrund leise die Hip Hop-Kultband Fettes Brot mit ihrem Kult-Hit „Jein“ musizieren, als Rüschenpöhler von Lippe-Kick gefragt wird, ob die aktuelle Platzierung für ihn überraschend ist. Er möchte sich hier nicht eindeutig positionieren, merkt an: „Wir haben eine unheimlich hohe Motivation in unserem Team. Natürlich ist die auch beflügelt durch den Aufstieg. Wir haben allerdings eine gute Trainingsbeteiligung, eine sehr gute Bereitschaft, einen absolut hundertprozentigen Einsatz, eine gute Spielvorbereitung, sodass wir viel dafür investieren, um erfolgreich zu sein“, gilt in diesem Zusammenhang der altbekannte Slogan: viel Aufwand gleich viel Ertrag, wird der mentale und körperliche Fleiß eben vollauf belohnt. Elf Freunde müsst ihr sein, das predigte einst Sepp Herberger stets und ständig bei der Weltmeister-Mannschaft von 1954. So ähnlich verhält es sich auch bei der Fohlen-Elf aus Hiddesen/Heidenoldendorf, die nach dem drei Musketiere-Prinzip agiert: Einer für alle, alle für einen. Bedeutet: Der Team-Gedanke wird hier ganz großgeschrieben. Besonders in kniffligen Begegnungen entscheidet die mannschaftliche Geschlossenheit, um auch individuell stärker eingeschätzte Mannschaften in die Knie zu zwingen. Die eine oder andere Mannschaft, die aktuell nur die Rücklichter der Spielgemeinschaft sieht, verfügt mutmaßlich über das bessere Spielermaterial, doch da Fußball eben ein Mannschaftssport ist, hier einige Dinge nicht so rund laufen, hat sich der Liga-Neuling das ansprechende Zwischenergebnis keineswegs geschnorrt. In den direkten Duellen eklig zu sein, dazu in Verbund mit einem wesentlichen Teamspirit ausgestattet, das erhöht rapide die Erfolgswahrscheinlichkeit. „Wir schauen in die gleiche Richtung und haben ein Ziel“, sagt Rüschenpöhler, wodurch er auch die Erfolgswahrscheinlichkeit massiv gesteigert sieht.

 

Hohes Maß an Identifikation im Fohlenstall

Die Kaderbreite ist extrem hilfreich, denn Ausfälle können problemlos kompensiert werden. Auch der Eifer der einzelnen Spieler ist voll nach dem Geschmack vom Fußball-Professor Rüschenpöhler, der bis zur Corona-Krise noch keine einzige Übungseinheit hat absagen müssen. Ein wahrer Luxus. Regelmäßig sind sogar drei Fänger beim Training dabei. Dies ermöglicht eine spielnahe und zielgerichtete Vorbereitung auf die Matches. Die zahlreichen Eigengewächse sind zudem dafür ursächlich, dass die Identifikation stark ausgeprägt ist bei den jungen Fohlen. Der Bockfaktor ist bei den Jungs unübersehbar, haben sie große Lust auf diese Aufgabe im derzeit wohl spannendsten Team im lippischen Fußball. Insgesamt verströmt der SG-Kader sehr viel jugendliche Unbekümmertheit, passt zudem die Mischung mit einigen erfahrenen Recken. Der weiße Brasilianer Steffen Hinder (Bild rechts), der mit wehendem Haar als Antriebsfeder fungiert, der Filet-Fußballer Sebastian Schönfelder (Bild links) mit seiner technischen Raffinesse, aber auch der knapp 30-jährige Andre Swoboda sind wichtig mit ihrem überbordenden Erfahrungsschatz. Im Mittelalter befindet sich Ingo Schmitz, der Taktgeber im Team ist, über eine erstaunliche Ausstrahlung verfügt, in Lothar Matthäus-Manier mit seiner beherzten, zudem gewitzten Spielweise durch das Mittelfeld mit Siebenmeilenstiefeln stapft. Der fußballerisch breit interessierte Rüschenpöhler nimmt sich offenbar ein Beispiel am Alt-Meister Otto Rehhagel, der einst gebetsmühlenartig predigte: Es gibt kein alt oder jung, nur gut oder schlecht, besitzt doch für Rüschenpöhler das Alter keine Relevanz, zählt einzig und allein die Leistung auf dem Spielfeld.

 

Dieses Jahr keine Abgänge bei der SG

 

Auch in hitzigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, in der Kabine die richtigen Worte zu finden, dafür stehen Hinder und Schmitz qua ihrer Persönlichkeit. Im bisherigen Saisonverlauf musste die Spielgemeinschaft etwa eine Phase überstehen, als fünf Spiele in Folge nicht gewonnen wurde. Innere Unruhezustände, Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit, all das war bei der Spielgemeinschaft damals nicht zu erkennen. Vielmehr war die SG massiv von der eigenen Qualität überzeugt, wusste, dass nach einer Talfahrt es auch wieder automatisch aufwärts geht. Rüschenpöhler ist kein Idiot, würde Giovanni Trapattoni Lippe-Kick mitteilen, denn mit viel Aufmerksamkeit und Weitsicht beobachtet „Rüsche“ die Szenerie. Angst, dass in diesem Jahr ein Spielerexodus erlitten wird, hat er nicht. Natürlich dienen die jüngsten Jahre diesbezüglich nicht gerade als Muntermacher, sind doch Eigengewächse und Unterschiedsspieler wie Miguel Soylu (zum SCV

I. Schmitz

Neuenbeken) und Ingo Schmitz (Bild rechts) und Robin Jöstingmeier (beide zum Post TSV Detmold) gewechselt. Der Blondschopf beruhigt: „Das wird in diesem Jahr nicht der Fall sein. Es sieht so aus, als wenn alle wichtigen Spieler bei uns bleiben. Darüber hinaus wollen wir uns natürlich bestmöglich verstärken.“ Es fällt auf: Was Markus Rüschenpöhler sagt, hat Hand und Fuß. Er ist ein selbstbewusster Leisetreter, der sich insgeheim im Klaren ist: Seine SG Hiddesen/Heidenoldendorf ist längst zu einer ganz noblen Adresse im hiesigen Fußball geworden, gibt es in diesen Tagen nicht viele Gründe, die Senkrechtstarter zu verlassen.

 

„Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen“

 

Selbstverständlich ist auch die Spielgemeinschaft von der Corona-Krise mit voller Wucht getroffen worden. Mehr als nachvollziehbar, dass die Übungseinheiten bis auf Weiteres ausgesetzt wurden, die Spieler sich individuell fit halten sollen. Der ehemalige Bezirksliga-Spieler betont: „Wir stehen da voll und ganz hinter den Entscheidungen des Verbandes.“ Bis zum 19. April 2020 sind vorerst sämtliche sportlichen Aktivitäten ausgesetzt worden, um eine Verbreitung vom Virus zu verhindern. „Ob es ein realistischer Termin ist, dass danach weitergespielt werden kann, ist schwer zu beantworten. Das wird sich sicherlich erst in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden“, so Rüschenpöhler. Selbst befürchtet er allerdings eine „längere Pause“, fügt sich selbstverständlich dem, was letztlich von den Medizinern empfohlen und von den Politikern entschieden wird. „Wir alle haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen, gegenüber unserer Gesellschaft. Der werden wir voll und ganz gerecht werden.” Es steht völlig in den Sternen, wann es wieder um Punkte und Tore geht. Für den Tag X sollten die jungen Fohlen einsatzbereit sein, sodass eine mehrwöchige Vorbereitung vor dem Restart nicht mehr erforderlich ist. Rüschenpöhler befürchtet, dass man sich erst im Anfangsstadium dieser Epidemie befindet. Obwohl er durch sein Studium gelernt hat, Sachverhalte kritisch zu hinterfragen, dann auch einzuordnen, gibt er nun zu, dass er sich bezüglich dieser Thematik nicht anmaßt, ein endgültiges Urteil zu fällen.

 

„Wir unterstützen diese Maßnahmen“

 

Dass der europäische Fußball-Verband nach einem sich andeutenden Eiertanz sich dazu entschieden hat, die Fußball-Europameisterschaft, die anlässlich des 60-jährigen Bestehens der UEFA als europaweite Veranstaltung ausgetragen wird, um ein Jahr zu verschieben, gefällt ihm sehr. So können auch die nationalen Ligen etwas tiefer durchatmen, wird die Spielzeit signifikant entzerrt. Rüschenpöhler prognostiziert, dass die folgenden Wochen für mehr Klarheit allenthalben sorgen werden. Aktuell wäre das Postulieren einer klaren Aussage so etwas wie das Tapsen im dunklen Wald. Der 33-Jährige ist Fußballer durch und durch, weshalb er sich eine sportliche Lösung wünscht, im Profi- und auch im Kreisfußball. Wohl wissend, dass die getroffenen Maßnahmen und hinzunehmenden Einschränkungen alternativlos sind. Was für ihn unzweifelhaft ist: „Es wird ein sehr schwerer Weg werden.“ Der Ernst der Lage ist ihm absolut bewusst, werden die neuen Regeln deshalb ernst genommen: „Wir unterstützen diese Maßnahmen, finden diese vollkommen richtig. Wir appellieren, dass unsere Spieler die Einschränkungen so hinnehmen.“

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