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Kreisliga B1 Lemgo

SG Kalldorf – Die unglaubliche Rasengeschichte

Sie wollen doch nur Fußball spielen. Sie können es aber nicht. Seit einem knappen Jahr ist der Rasenplatz der SG Kalldorf nicht bespielbar. Die hochinteressante Story dazu verrät euch Lippe-Kick.

 

„Gut gemeinte Aktion ist zur Katastrophe geworden“

Kreisliga B1 Lemgo (hk). Eine schwere Zeit durchlebt in diesen Tagen die SG Kalldorf. Die Reserve-Mannschaft wird künftig als Neuner-Mannschaft auflaufen. Zuvor hat bereits Coach Jens Rasche das C1 Lemgo-Team verlassen. Ein kleines Trostpflaster: Bis zum Sommer wird der langjährige SGKI-Coach Stephan Brill (Bild links) seinen Herzensverein noch coachen, bis es ihn nach Exter weiterzieht. Es hat ein wahrer Spielerexodus stattgefunden, waren viele Kalldorf-Kicker mit der Situation unzufrieden, stets auf Wanderschaft zu gehen, in Talle oder Westorf Heimspiele auszutragen. Der Grund: Der Naturrasenplatz in Kalldorf steht immer noch nicht zur Verfügung, fehlt eine angemessene Spielfläche. Wie es zu dieser ganzen Problematik gekommen ist, erklärt euch Lippe-Kick, hat deshalb mit dem SG Kalldorf-Geschäftsführer Uwe Görtler gesprochen.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

Von Henning Klefisch

 

„Die Jungs wollten nicht mehr fahren“, erklärt Görtler im Lippe-Kick-Gespräch, dass die SGK-Kicker eine echte, die alte Heimat arg vermisst haben. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Nun wurde immerhin in Heidelbeck eine neue Lösung gefunden, kann auf dem dortigen Rasenplatz, der Heidelbecker Alm, wo der SVA Heidelbeck nicht mehr spielt, weiterhin trainiert und gespielt werden. Warum es erst so weit kommen musste, ist erschreckend. Die gelieferte Muttererde ist mit Scherben zersetzt gewesen. Das Problem: Die Scherben bekam man nicht mehr vom rund 8.000 Quadratmeter großen Spielfeld entsorgt. Görtler wünscht sich gegenüber Lippe-Kick: „Wir hoffen, dass die Versicherung das reguliert“, damit der rund vier Jahrzehnte alte Fußball-Platz wieder für Spiele benutzbar ist. Die Gemeinde Kalletal, vertreten durch den Bürgermeister Mario Hecker, war der Ansicht, dass die SG Kalldorf sich alleinverantwortlich um diese Angelegenheit zu kümmern habe. Diese Aussage lässt sich aus seiner Sicht leicht begründen. Dieser Schaden sei aus einem Vertragsverhältnis zwischen der SG Kalldorf und der Firma Schürmann entstanden. Görtler hat privat eine juristische Auskunft in Anspruch genommen, ist der Meinung: „Diese Rechtsauffassung konnte man aus Sicht der Gemeinde vertreten, denn diese ist hier ja in keiner Weise tätig gewesen. Ich habe mir im November privat bei einem Rechtsanwalt Rat eingeholt. Dieser erläuterte mir, dass der Schaden ursächlich aus dem Kaufvertrag über den gesiebten Mutterboden herrührt, den die SG Kalldorf (Pächterin) mit der Firma Schürmann (Remondis) geschlossen habe. Jedoch sei auch das Eigentum der Verpächterin, der Gemeinde Kalletal, geschädigt worden. Diese sei also auch geschädigte Partei.“

 

SG Kalldorf hätte eine Handprobe nehmen können

 

Im Januar dieses Jahres hat auf dem Sportplatz in Kalldorf mit dem Bürgermeister, dem Kämmerer und Vertretern sämtlicher Fraktionen vom Rat eine Begutachtung des Schauplatzes stattgefunden. Rund einen Monat später, im Februar 2020, ist im Auftrag der Gemeindeverwaltung eine rechtliche Stellungnahme beim Kreis Lippe erbeten worden. Die Quintessenz vom Schreiben ist: Sowohl die Pächterin SG Kalldorf, als auch die Gemeinde als Verpächterin, sind jeweils geschädigte Parteien. Dabei werden beide eine Gläubigergemeinschaft gegenüber der Schädigerin erfüllen. Im Gutachten vom Kreis Lippe werden sämtliche Richtungen in Augenschein genommen. So kommt auch ein mögliches Mitverschulden der SG Kalldorf durch eine Verletzung von Sorgfaltspflichten in Betracht. Eine Handprobe hätte von Vereinsvertretern genommen werden müssen, gilt doch auch hier das Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das Gutachten mit den Sanierungsempfehlungen vom 12. August 2019 wurde von der Gemeinde Kalletal in Auftrag gegeben. Pischczan erklärt den nächsten Schritt: „Der Rat der Gemeinde Kalletal hat am 12. März 2020 beschlossen, den Bürgermeister zu ermächtigen, Verhandlungen über eine Schadensregulierung mit der Versicherung des Schädigers aufzunehmen.“ Hecker hat unterdessen eine Versicherung kontaktiert, auch weil die Zeit drängt, eine Sanierung mit Rollrasen gefordert. Auf eine Antwort wartet der Bürgermeister bis heute noch. Ein Naturrasen kostet wohl nach einer Sanierungsempfehlung 98.284,48 Euro, ein neuer Rollrasen 162.168,20 Euro.

„Möchten diesen Zustand schnellstmöglich beenden“

 

Nachdem die Gemeinde also ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, einen Schadensregulierer einbestellte, ging es darum, ob man juristische Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Der 1. Vorsitzende Christian Pischczan wollte daraufhin keinen Rechtsanwalt zurate ziehen, „um eine Verschärfung zu vermeiden“, so die klare Aussage von Görtler. Ein Gerichtstermin sollte tunlichst vermieden werden, aufgrund der Harmonie und der Zeit, die drängt. Görtler betont. „Ich hätte sofort einen Rechtsanwalt mit reingenommen.“ Der SGK-Geschäftsführer besitzt zu dieser komplizierten Thematik eine klare Meinung. So seien es doch „ganz normale Vereinsmitglieder“ gewesen, die im Juni 2019, auch um die Kosten möglichst niedrig zu halten, unentgeltlich ihre Freizeit investiert haben, um einen neuen Sportplatz herzurichten. Ebenso unentgeltlich sind für die SGK drei LKW-Ladungen mit Mutterboden abgeholt worden, um diese mithilfe von Maschinen auf 8.000 Quadratmeter zu verteilen. „Das war ein großartiger Einsatz“, lobt Görtler. Er bedauert allerdings: „Leider ist die gut gemeinte Aktion zur Katastrophe geworden.“ Seit rund einem Dreivierteljahr ist der Rasenplatz in Kalldorf unbespielbar, haben die Schwarz-Gelben davon profitiert, dass einige Kalletaler Nachbarvereine auf ihren Sportplätzen ihnen Trainings- und Spielzeiten zugestanden haben. „Es ist katastrophal, wenn ein Verein mit über 500 Mitgliedern plötzlich keinen eigenen Sportplatz mehr hat“, hadert Uwe Görtler, der den Vorwärtsgang in dieser Sachlage einlegen möchte. Auch deshalb kündigt er im Lippe-Kick-Gespräch an: „Wir möchten gemeinsam mit dem Bürgermeister und der Gemeindeverwaltung darauf hinarbeiten, diesen Zustand schnellstmöglich zu beenden.“ Natürlich hat der Vorstand auch über einen neuen Kunstrasenplatz gesprochen, der wetterunabhängig ist, über enorme Vorteile verfügt. Görtler wird von Lippe-Kick mit dieser Thematik konfrontiert, erklärt dazu: „Unser Rasenplatz ist aufgrund der Lage und mit Mergel darunter im Sommer viel zu trocken. Das Wässern muss vom Verein voll gezahlt werden und wurde in den letzten Jahren verboten. Wenn wir gewässert haben, war der Behälter leer und die darunter liegenden Privathaushalte konnten kein Wasser zapfen“, ist auch dies nicht möglich. Als einen Nachteil von einem Kunstrasenspielfeld betrachtet Uwe Görtler die „intensive Pflege und Nutzung durch andere Vereine und Schulen. Das wird dann vorgegeben.“ Und: „Ein hauptamtlicher Platzwart mit Gehaltszahlungen wäre die Folge, die wir finanziell nicht stemmen können.“ Wie dem auch sei, immerhin ist auch die Zukunftsfähigkeit des Traditionsvereins von dieser Sportplatz-Thematik abhängig,

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