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Historisch

Historisch – SV Werl-Aspe

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken Rita Michaelis und Carsten Schulze auf die Aufstiegsmannschaft vom SV Werl-Aspe, die vor fünf Jahren den Aufzug nach oben nahm.

Die Geschichte zur Aufstiegself von 2015

 

Historisch (hk). Ein halbes Jahrzehnt ist es her, als die Jungs vom Heerser Bruch Geschichte geschrieben haben. Die Spielzeit 2014/15 war gleichbedeutend mit der Meisterschaft vom SV Werl-Aspe in der Kreisliga A Lemgo. Coach Carsten Schulze, der fünf Jahre zuvor mit dem TuS Leopoldshöhe die Himmelstreppe nach oben erfolgreich beschritten hat, formte aus dem verbliebenen Kader aus dem Vorjahr und 18 Neuzugängen eine „schlagkräftige Mannschaft“, wie Vereins-Chronistin Rita Michaelis sich im Lippe-Kick-Gespräch lebhaft in Erinnerung ruft. Es war durchaus eine knappe Angelegenheit, denn mit einem Punkt Vorsprung vor dem ärgsten Verfolger TBV Lemgo gelang der historische Triumph. Schulze weiß noch: „Wir hatten mit Lemgo und Lipperreihe zwei Mannschaften als Gegner, die mindestens genauso stark waren wie wir. Darum hatten wir eventuell nach 16 Siegen aus 17 Spielen und der Herbstmeisterschaft keine richtige Antwort auf die Kritik einzelner Spieler.” Zwei Spielzeiten lang vertraten die Schwarz-Weißen die lippischen Farben in der Bezirksliga 1, ehe 2017 die bittere Abstiegspille geschluckt werden musste.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

 

 

Von Henning Klefisch

 

Triumvirat: von links: Meik Gronemeier, Carsten Schulze und Alexander Rüge zu Bezirksliga-Zeiten.

Ein wahrer Störfaktor für die meinungsstarke Michaelis: „Aber viele Spieler sind auch ein Problem. Wenn nicht immer alle Spieler aufgestellt werden, gibt es auch Probleme. In der Halbserie brodelte es schon“, galt das Schulze-Team nach ihrem Dafürhalten nicht unbedingt als ein eingeschworener Haufen. Dass die neu zusammengestellte Truppe die Ligaversetzung unbedingt packen wollte, sorgte für einen enormen Antrieb. Vor allem Trainerfuchs Schulze, der als Fachmann für Aufstiegsangelegenheiten galt, motivierte die Jungs, sodass der Aufstieg relativ souverän eingetütet wurde. Deutliche Worte wählt Michaelis im Lippe-Kick-Gespräch: „Meine Erinnerung an die Mannschaft war schon damals geteilt. Zu mir waren alle sehr nett und höflich, aber ich wusste ja: Sie wollten alle nur auf Fotos. Die Spieler, die aus der eigenen Jugend gekommen sind, und vier von den neuen Spielern, haben sich wirklich in den Verein integriert. Bei den anderen zählten Geld und Erfolg, der Verein war ohne Interesse“, hat sie spürbar die Identifikation bei einigen Akteuren vermisst. Vom Coach war sie hingegen absolut angetan: „Den Trainer hat der Wille zum Erfolg ausgezeichnet.“

 

„Waren froh, dass die Saison zu Ende war“

 

Schulze ist ein ähnlich ehrlicher Zeitgenosse wie Michaelis, hat er auch einige Hürden erkannt, die vor dem Sprung in die Bezirksliga genommen werden mussten. Auch für ihn war es leicht ersichtlich, dass die individuelle Qualität gewaltig war, blickt er im Lippe-Kick-Gespräch zurück: „Wir hatten mit Davor Ilic und Yusuf Tumani zwei Stürmer, die in der Kreisliga nichts zu suchen hatten und somit den Unterschied ausgemacht haben!“ Das Problem, was Michaelis bereits angeschnitten hat: „Allerdings hatten wir auch einige Unruheherde in der Truppe und so habe ich irgendwann die Kabine verloren“, musste Schulze diese Erfahrungswerte sammeln, die für ihn als Spielerversteher und Menschenfänger völlig neu waren. Der Erfolg übertünchte nicht die fehlende Eintracht, sagt Schulze zu dieser Problematik gegenüber Lippe-Kick: „Am Ende gab es zwar die Meisterschaft, aber das Verhältnis Teile der Mannschaft, Trainer und Vorstand war so beschädigt, dass es einen neuen Umbruch gab. Das Ziel des Vereins war es, die vielen Jugendspieler in den Seniorenbereich einzubauen und der Abstieg aus dem Bezirk wurde so in Kauf genommen“, wollte man vor allem für einen guten Mannschaftsgeist sorgen, genoss dieser Wert definitiv weitaus mehr Priorität als das sportliche Treiben auf dem Spielfeld. Möglich, dass Schulze nach dieser Aufgabe beim SV Werl-Aspe zunächst einmal einen Schnaps brauchte, konstatiert er schließlich: „Werl-Aspe war der anstrengendste Job und  obwohl am Ende der Aufstieg stand, waren wir froh, dass die Saison zu Ende war!“

 

 

 

„Kleine Vereine haben keine Chance mehr“

 

Ein echter Wermutstropfen war für Michaelis, dass sie bei der Aufstiegsfete nicht anwesend war, weil: „Zu den Feierlichkeiten war ich nicht eingeladen. Fotos hatte ich ja genug gemacht, da wurde ich nicht mehr gebraucht.“ Warum verließ eine ganze Schar an Akteuren die Kultstätte im lippischen Fußball? „Der SC Bad Salzuflen war schon in der Serie an einigen Spielern von uns dran. Es wurde den Spielern so ein Angebot gemacht, was wir nicht bezahlen konnten und wollten. Es gingen einige Spieler zum SC“, erklärt Rita Michaelis gegenüber Lippe-Kick. Auch jetzt noch gibt es häufiger Anfragen bezüglich des Aufstiegs, die bei ihr eintrudeln. Einige Zeitzeugen wollen sich liebend gerne die Bilder und Berichte aus nächster Nähe anschauen. Teilweise gewährt sie auch Einblicke in die historischen Schätze. Im vergangenen Jahr beendete sie ihre leidenschaftlich geführte Arbeit für den SV Werl-Aspe. Dass der schnöde Mammon auch im tiefen Amateurfußball eine entscheidende Bedeutung einnimmt, das verhehlt ebenfalls Michaelis nicht, als sie gegenüber Lippe-Kick erklärt: „Kleine Vereine haben keine Chance mehr. Wenn sie Bezirksliga spielen wollen, dann brauchen sie Sponsoren. Sonst ist es unmöglich.“ Ihre Prognose liest sich eher nass-neblig: „In den nächsten zwei Jahren wird sich einiges verändern. Es werden noch mehr Vereine eine Fusion eingehen müssen, da aufgrund von Corona auch einiges an Sponsoren wegbrechen wird. Aber Vereine, die eine gute Jugendarbeit machen, haben Chancen zum Überleben“, darf sich der SV Werl-Aspe glücklicherweise auch dazu zählen.

 

Rosen-Stämmchen als tolles Erinnerungs-Symbol

 

Dass die rüstige Rentnerin tatsächlich so lange ehrenamtlich die Pressearbeit beim SV Werl-Aspe federführend betreute, daran hatten auch die Götter in den weißen Kitteln ihren Anteil. Bereits 2016 hat sie sich fest vorgenommen, dieses Kapitel zu beenden, leidet sie doch bereits seit 2009 an einer komplizierten Augenerkrankung. Folglich hat sie ihr Chronisten-Ende gegenüber den Vereinsverantwortlichen auch so deutlich verbalisiert. Dann kam der erfreuliche Rückzieher: „Da ich in einer Studie war, haben mir meine Ärzte klargemacht, dass ich weitermachen musste. Dann hat mir die Mannschaft ein Rosen-Stämmchen geschenkt. Es wurde mir von unserem Betreuer und dem Mannschaftskapitän überreicht. Die Rose hat in diesem Jahr über 50 Blüten gehabt. So werde ich auch immer an all die Menschen erinnert, an die ich schöne Erinnerungen habe“, bleibt der letzte, so positive Eindruck doch hängen bei der unersetzlichen und unvergesslichen „rasenden Reporterin vom Heerser Bruch.“

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