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Kreisliga B2 Lemgo

SV Wüsten – Ist der Amateurfußball noch zu retten?

Unser aller Liebe, der Amateurfußball, steht vor schwierigen Zeiten. Covid-19, das kriselnde Ehrenamt und die Zukunft des Amateurfußballs, über diese Herausforderungen hat sich Lippe-Kick mit SV Wüsten-Pressesprecher Marvin Bahlo unterhalten.

Bahlo: „Covid-19 macht Missstände wie durch ein Brennglas sichtbar“

 

Kreisliga B2 (mh). Die Corona-Pandemie zwingt nicht nur die Profivereine dazu, den Gürtel enger zu schnallen, sondern gefährdet vor allem die vielen Amateurvereine in Deutschland. Schon vor der Pandemie sanken die Vereinszahlen jedes Jahr. Noch deutlicher wird der Verfall im deutschen Amateurfußball aber an der Anzahl, der am Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften. So haben sich zum Stichtag am 01. Januar 2020 im Vergleich zum Vorjahr 4651 Teams vom Spielbetrieb zurückgezogen. Das entspricht einem Rückgang von etwa drei Prozent und dies wird durch die Folgen der Corona-Pandemie im aktuellen Jahr sicherlich nicht weniger.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

 

 

Von Maximilian Hölzel

 

Fehlentwicklungen werden durch die Corona-Krise deutlich schneller sichtbar und viele Amateurvereine erweisen sich in diesen Zeiten ebenso wenig krisenfest wie einige Profi-Klubs, so die Feststellung von Marvin Bahlo, Pressesprecher des SV Wüsten. Aufgrund von fehlenden Spieltageseinnahmen sowie abspringenden Sponsoren sind gewisse Spieler nicht mehr bezahlbar und verlassen den Verein. Zum Problem wird hier vor allem: „Eine kurzfristige, eindimensionale Orientierung, die nur die aktuelle sportliche Lage als wichtig ansieht“, beanstandet Bahlo. Wenn es nach ihm geht, sollten die Vereine sich neben ihren sportlichen Zielen, auch Ziele wie die Integration von Jugendspielern in den Seniorenbereich, oder das Etablieren eines geselligen Miteinanders, setzen. Genau solche Dinge machen am Ende des Tages den Vereinssport und insbesondere den Amateurfußball aus. Marvin Bahlo merkt außerdem an: „Gerade in der aktuellen Situation zeigt sich, welch wichtige, gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Sport und im Speziellen der Fußball hat“. Der Vereinssport nimmt als Ort der sozialen Interaktion einen besonderen Stellenwert für Erwachsene, aber vor allem auch für Kinder und Jugendliche ein. Die Amateurvereine stellen hierfür die essenzielle Basis dar. Diese Basis gilt es zu stärken, weiterzuentwickeln und zu schützen. Die wichtigsten Mitarbeiter eines jeden Amateurvereins sind hierbei die Ehrenamtler.

 

Zeit für Innovationen im Ehrenamt

 

Ohne Ehrenamt kein Sport. Diese Aussage trifft zu 100 Prozent zu und verdeutlicht, wie wichtig das Ehrenamt für die Vereine, aber auch für die Gesellschaft ist. Marvin Bahlo würde nicht von einer „pauschalen Krise“ des Ehrenamts in den Vereinen sprechen, allerdings gibt es seiner Meinung nach Schwierigkeiten bei der Akquirierung von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Eine generelle Bereitschaft für bürgerliches Engagement sieht Bahlo in Deutschland sehr wohl gegeben. Der Zugang und die Gestaltung des Ehrenamts müssten allerdings überarbeitet werden. Eine Idee seiner Seite wäre, die Vereinsmitglieder früh in das Vereinsleben zu integrieren, um so eine Identifikation mit dem Verein herzustellen. Vor dem Hintergrund dieser Identifikation steigt möglicherweise die Wahrscheinlichkeit, dass Mitglieder später ein Amt übernehmen. Eine Übernahme von kleinen Projekten könnte laut Bahlo einen ersten Einstieg in das aktive Vereinsleben darstellen und weiteres Interesse erzeugen, ohne unmittelbar ein Amt für eine längere, festgelegte Amtszeit bekleiden zu müssen. Die Wahl in ein Amt wäre anschließend der nächste Schritt. Des Weiteren ist für Bahlo die „zunehmende Verrechtlichung und die komplexer werdenden Aufgaben“ eine Herausforderung, die man möglicherweise in kleinen Gruppen vornehmen könnte. Ein anderer Ansatz wäre hier Aufgabenbereiche zu spezialisieren und zu verkleinern, um so die Last des Einzelnen zu verringern. So könnte man die Ämter attraktiver machen, da diese weniger zeitintensiv wären. Neben dem Gewinnen von neuen ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen ist es meiner Meinung nach zum einen wichtig, die Ehrenamtlern/innen zu qualifizieren, einem Jugendtrainer beispielsweise die Chance auf eine Trainerlizenz ermöglichen, zum anderen die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen gebührend zu verabschieden und ihnen so ihre verdiente Anerkennung zu zeigen. Die „Währung“ im Ehrenamt ist eben nicht der Gehaltscheck am Anfang des Monats, sondern Identifikation, Anerkennung, Selbstverwirklichung und Freude. Diese „Währung“ muss durch eine entsprechende Anerkennungskultur und einen positiven sozialen Umgang im Verein gewährt werden.

 

Die „gar nicht so rosige“ Zukunft des Amateurfußballs

 

Die Pluralisierung von Sport- und Freizeitangeboten, die Interessenverlagerung von Jugendlichen sowie die allgemeinen demografischen Entwicklungen führen dazu, dass die Fußballvereine immer weniger Mitglieder und Spieler haben. Es gibt, wie im Bericht bereits erwähnt, im Amateurfußball die Entwicklung, dass sich immer mehr Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden oder, im besseren Fall, sich zu Spielgemeinschaften zusammenschließen. Marvin Bahlo kritisiert in diesem Zuge auch die mediale Berichterstattung: „Leider wird meines Erachtens der Blick immer noch zu sehr auf den Profifußball gelenkt. Der Amateurfußball wird in der Berichterstattung immer erst nachrangig betrachtet“. Dies habe sich auch in der aktuellen Situation wieder gezeigt. In Zeiten von Corona wurde medial meist nur darüber berichtet, ob, wann und in welcher Form die Bundesliga fortgesetzt wird. Der Amateurfußball blieb hier fast gänzlich außen vor, obwohl er für viele Menschen eine wichtige soziale Anlaufstelle darstellt. „Wichtig für die Erfolgsgeschichte des Fußballs ist vor allem, dass ihn so viele Menschen an der Basis partizipieren“ stellt Bahlo klar. In Zukunft müsse man hier „kreative Ideen und Konzepte erarbeiten“, um den Amateurfußball nicht vor die Hunde gehen zu lassen. Eines der großen Probleme ist für Bahlo, dass viele Leute den Verein beim Übergang zwischen Junioren und Senioren verlassen. Sein Vorschlag hier: „Um dies zu verhindern, kann es hilfreich sein, bereits frühzeitig mit den Jugendlichen Kontakt aufzunehmen und gemeinsam die Gründe für einen möglichen Vereinsaustritt besprechen.“

 

Individuelle Philosophie führt zu mehr Identifikation

 

„Entscheidend wird es auch sein, dass die Vereine es schaffen, in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet auf sich aufmerksam zu machen. Gerade in Zeiten, in denen der Verein nicht mehr die unbedingt die erste Anlaufstelle ist, um Sport zu treiben“ so denkt Marvin Bahlo. Damit spricht er einen wichtigen Punkt an, den die Amateurvereine in Zukunft beachten müssen. Wie macht man sich als Verein attraktiv für Spieler? Sei es im Juniorenbereich oder im Seniorenbereich. Eine individuelle Philosophie könnte beispielsweise so aussehen, dass man versucht, möglichst ortsansässige Spieler in seinem Verein zu haben. Diese Spieler identifizieren sich mehr mit der Stadt und damit mit dem Verein, für den sie spielen, was wiederum zur Folge hat, dass mehr Zuschauer zu den Spielen kommen würden. Denn, wen möchte man sehen, wenn man sonntags bei Bratwurst und Bier auf dem Sportplatz steht? Am liebsten Spieler, die man kennt, Bekannte, Freunde oder Verwandte. Diese Identifikation macht auch für Bahlo die Faszination Amateurfußball aus. Wenn man dann noch „öfter die Möglichkeit hat, sonntags mehrere Heimspiele der eigenen Mannschaft nacheinander auszurichten“ würde einem „Super-Fußball-Sonntag“ in der eigenen Stadt nichts mehr im Wege stehen, außer vielleicht die aktuellen Anstoßzeit der 1. und 2. Bundesliga.

 

Funktionierende Basis ist entscheidend

 

Der DFB hat für die Zukunft des Amateurfußballs wieder einen aktuellen Masterplan bis zum Jahr 2024 ausgegeben, der den Vereinsfußball stabilisieren und die Vereinsqualität verbessern soll. Bereits in diesem Jahr ist der Start von acht Pilotprojekten geplant, abzuwarten bleibt hier, ob diese Projekte aufgrund der Corona-Krise wirklich schon im Jahr 2020 umgesetzt werden können. Zu diesen Pilotprojekten zählen unter anderem eine Vereinsberatungsmaßnahme (Club 2024), die Vereinsmanager C-Lizenz, Schiedsrichter-Werbemaßnahmen und ein Qualifizierungsangebot für Kindertrainer. Gegebenenfalls soll dieser Masterplan 2024 um etwaige Sondermaßnahmen erweitert werden, die sich in Folge von Covid-19 als notwendig herausstellen.

 

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Plan Früchte trägt und die Amateurvereine, die Hilfe benötigen auch wirklich davon profitieren. Denn eins ist klar, nur mit einer gesunden Basis im Amateurfußball kann auch der Profibereich der Sportart erfolgreich sein. Wir alle wollen, dass der Amateurfußball weiter erhalten bleibt. Eine funktionierende Basis sollte also eigentlich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten darstellen.

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