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Saison 2020/21

Der Mann mit Pfiff. Teil 4: Alexander Schnüll

Schweigen bedeutet Lob. Wenn über sie nicht berichtet wird, dann haben sie eine einwandfreie Leistung gezeigt. Lippe-Kick möchte in der neuen Serie den Spielleitern die Wertschätzung erweisen, die sie längst verdient haben. Klickt euch mal hinein.

 

 

Der Fahrer mit der Fahne

 

Der Mann mit Pfiff (hk). Von den Schiedsrichtern wird stets verlangt, dass sie fehlerfrei agieren. Perfektionismus pur. Manche Kreisliga-Spieler schießen mehr hoch als weit, lassen den Ball vom Schienbein weiter abprallen, als andere passen können. Doch die Spielleiter, die müssen ohne Fehl und Tadel agieren, so das Anspruchsdenken einiger. Man muss selbstbewusst sein, dazu ein hohes Maß an Souveränität und Fußball-Kompetenz besitzen, um in diesem Stahlbad seinen Mann zu stehen. Heute haben wir Alexander Schnüll im Angebot. Auf Mike Pickels Spuren. Was Assistenten-Ikone Pickel einst für FIFA-Schiedsrichter Wolfgang Stark war, das ist der 29-Jährige für den lippischen Kultschiedsrichter Timo Franz-Sauerbier – ein verlässlicher Partner mit der Fahne. Und er bildet nun den vierten Teil zur neuen Serie bei Lippe-Kick, die den Namen trägt: „Der Mann mit Pfiff.“

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Von Henning Klefisch

 

 

Irgendwo in Lippe an einem Sonntagvormittag. Alexander Schnüll sitzt am Steuer, fährt sein Auto, dies „sehr anständig“, wie Beifahrer Sauerbier gegenüber Lippe-Kick treuherzig versichert. Der Endzwanziger nickt dankbar, genehmigt sich einen vorbildlichen Schulterblick. Daneben sitzt der Collina mit Haaren, wirkt sehr aufmerksam, schaut kurz aus dem Fenster hinaus Richtung lippische Botanik. Zielgerichtet wie erfolgreich fingert Sauerbier nach einer Flasche Wasser, nimmt einen kräftigen Schluck. Dann öffnet er seine Augen und wählt staatsmännische Worte. „Männer, immer locker, aber konzentriert bleiben. Wir wuppen das Match”, ist Sauerbier als Daddy Cool unterwegs, wirkt gänzlich tiefenentspannt, als er genussvoll seinen Durst stillt. Dazu studiert er aufmerksam die frischesten Lippe-Kick-Vorberichte, um sich top zu informieren, für das, was im Spiel kommen mag. Die Rückbank für sich ganz allein hat Moritz Busch-Tolkemitt, der sich per Tunnelblick auf das zu leitende Spiel vorbereitet. Schnell wird es ersichtlich. Das Team arbeitet vertrauensvoll zusammen. Es ist mehr als eine oft bemühte Floskel, wenn man sagt: Man kennt und schätzt sich. Sie brauchen kein Freundschaftsbändchen, um ihre Verbundenheit zu demonstrieren.
Die Hip-Hop-Artisten „Massive Töne“ würden den Soundtrack liefern, der da lautet: „Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen, wenn wir durch die City düsen. Wir sind die Coolsten, wenn die süßen Ladys uns mit Küsschen grüßen. Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen, wenn wir durch die City düsen. Wir sind die Coolsten, nie am Losen, weil wir rulen, wenn wir cruisen.“ Vielleicht läuft dieser Song gerade im Radio, während das Schiedsrichter-Gespann sich den Weg Richtung Sportplatz bahnt.

 

„Immer eine Freude, mit dem Schiedsrichter-Gespann loszuziehen.“

 

Es ist nicht so, dass die Familie Schnüll auf eine jahrzehntelange Schiedsrichter-Historie zurückblickt. Im Flur hängen keine Schwarz-Weiß-Bilder von pfeifenden Vätern, Großvätern, gar Urgroßvätern, die einen stolz von der Wand anlächeln, so wie es die Hirschgeweihe bei den lippischen Jägern tun. Nein, das wäre glatt gelogen. Der Barntruper Schnüll kam eher durch eine schicksalhafte Fügung zur Pfeifkunst. In juvenilen Jahren, zwischen 2004 bis 2009, betreute er eine Jugendspielgemeinschaft bei seinem Heimatverein RSV Barntrup. Da im Jugendsektor bereits vor einigen Jahren die Schiedsrichter ein rares Gut waren, musste bei Auswärtspartien stets der Betreuer der Gäste das Spiel leiten. Schnüll fand schnell Gefallen daran. „Da wurde mir gesagt: Mach doch deinen Schein und zeige den Jungs, wo es langgeht.“ Die bis vor kurzem auch kickend beim RSV Barntrup III aktive Frohnatur ließ sich nicht zweimal bitten, pfeift seit mittlerweile einem Jahrzehnt. Der Fußball-Gott hatte ein glückliches Händchen, denn 2010 besuchte auch ein gewisser Timo Franz-Sauerbier den gleichen Anwärter-Kurs wie Alexander Schnüll. Voller Glückseligkeit schildert Schnüll: „Seitdem ist es immer eine Freude, als Schiedsrichter-Gespann mit Timo und den anderen loszuziehen. Es ist immer ein Abenteuer, mit den Jungs als Schiedsrichter-Gespann den Spieltag zu bestreiten“, halten die gezwungenermaßen auf dem Spielfeld meist als Solisten agierenden Referees doch in dieser Konstellation wie Pech und Schwefel zusammen.

 

David gegen Goliath-Vergleich ewig im Gedächtnis

 

 

Als ein ganz besonderer Erinnerungsschatz dient das Westfalen-Pokal-Aufeinandertreffen zwischen dem Türkischen SV Horn und dem SC Neheim. Die Voraussetzungen waren vorab geklärt. Die lippischen Horner besetzten die David-Rolle, während Neheim als Goliath-Double agierte. „Es war ein sehr hitziges Spiel, wo die Zuschauer sehr viel Temperament und Hektik ins Spiel und zu den Mannschaftsverantwortlichen gebracht haben. Da waren wir als Gespann mit vollem Einsatz gefordert“, verrät der Blondschopf bei Lippe-Kick. Der Gefühls-Vulkan explodierte, als der Außenseiter sogar das erste Tor erzielte. Die Emotionen tanzten Hip-Hop mit einigen Beteiligten, was die Spielleitung weiter erschwerte. „Aber“, atmet Alexander Schnüll wieder gleichmäßig, „als Team hatten war es bis zum Schluss gemeistert, auch mit einigen Kopf-an-Kopf-Gesprächen und Innenraum-Verweisen“, musste hier notgedrungen ein eiserner Besen kehren. Am Ende durfte nicht nur dem TSV Horn zu einem sensationellen 2:0 gratuliert werden. Vielmehr haben auch die Akteure dem Schiedsrichter-Gespann zur umsichtigen Spielleitung beglückwünscht. „Das sind Spiele, die einem im Kopf bleiben und gerne in Erinnerung bleiben.“

 

„Kann jedem nur empfehlen, sich der Herausforderung zu stellen!“

 

Schnüll (Bild rechts) zusammen mit Unteres Kalletal-Legende und Feierbiest Waldemar Peters.

Neben einem grundsätzlichen Selbstvertrauen ist die Lockerheit wichtig, um auch knifflige Situationen während einer Spielleitung zu überstehen.  Noch besser: Daran zu wachsen. Lippische Schiedsrichter-Größen wie Andreas Grandt, Timo Franz-Sauerbier oder Waldemar Stor dienen als Blaupause, wie souverän gepfiffen werden sollte. „Sie informieren sich über die Tabellen-Konstellation und vor Spielbeginn über die Lage der Teams, in Gesprächen mit den Teamverantwortlichen über die Stimmung und Zustand der Mannschaften“, so sagt es Schnüll gegenüber Lippe-Kick. Die hilfreiche Konsequenz: „Dadurch kann man sich gut darauf vorbereiten, was man für ein Spiel erwarten kann und wie man möglicherweise im Vorfeld beeinflussend und vorbeugend darauf einwirken kann.“ Es gibt jedoch noch einige Störfaktoren, die sich zukünftig bestmöglich in Luft auflösen sollten: „Ich wünsche mir von den Mannschaften und Verantwortlichen ein bisschen mehr Verständnis dem Schiedsrichter gegenüber, dass wir auch nur Menschen sind und nur unser Hobby ausüben und nach Spielende gemütlich das ein oder andere Kalt-Getränk zusammen verköstigen und mit einem guten Gefühl nach Hause fahren.“ Einen Ratschlag hat er für potenzielle Referees allerdings noch parat: „Ich kann jedem nur empfehlen, sich der Herausforderung und dem Abenteuer Schiedsrichter zu stellen und zu erleben.“ Ergänzend: „Es macht Riesen-Spaß, mit den anderen Kollegen – guten Freunden – unserem Hobby nachzugehen.“

 

 

Bildquelle: Alexander Schnüll.

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