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Kreisliga A Lemgo

SC Bad Salzuflen – Cakar baut SCB wieder auf

Der SC Bad Salzuflen gehört auch diese Saison wieder zu den Top-Teams der Liga. Trotz eines großen Umbruchs im Sommer.

 

 

Cakar: „Ich hatte das Gefühl, einem Traditionsverein helfen zu können“

Kreisliga A Lemgo (ab). Wer hätte das gedacht!? Nur eine Handvoll Spieler aus der letzten Saison spielen aktuell noch beim SC Bad Salzuflen. Der neue Coach Cetin Cakar musste eine komplette Mannschaft neu aufstellen und das quasi ohne Vorbereitungszeit. Zwar lief gerade zu Saisonbeginn noch lange nicht alles rund, doch nach einem guten Drittel der Saison gehört der SC Bad Salzuflen wie bereits letzte Saison zu den Spitzenteams der Liga. Ein Grund dafür sind sicher auch die Landes- und Bezirksligaerprobten Spieler, die Cakar in die Kurstadt locken konnte. Aber gerade solche Vereinsikonen wie Alex Ritter, Eddy Müller oder Danny Exner, die in den letzten Jahren vom SCB weggegangen sind, sind nur schwer zu ersetzen.

 

 

Von André Bell

 

Die derzeitig schwierige Phase ohne den Fußball fällt Cetin Cakar (Bild rechts) schwer, aber er versucht, sich damit zu arrangieren: „Es gibt Dinge, die sind nun mal wichtiger als unser Hobby, als unser Fußball.“ Zeit für ein erstes Zwischenfazit hat er aber dennoch. Dabei war sein Engagement beim SC Bad Salzuflen so eigentlich nicht geplant. Nach zwei Saisons bei TuRa Löhne wollte Cakar eine Pause einlegen, um anderen Dingen „mehr Aufmerksamkeit zu geben“ oder auch mal „private Projekte zu verfolgen.“ Nach über 30 Jahren im Fußballbusiness ein sehr gut nachzuvollziehender Gedanke. Da seit Mitte März letzten Jahres aber bereits kein Fußball mehr gespielt wurde, konnte Cakar die Pause vorziehen und war dann, als die Anfrage aus der Kurstadt kam, doch recht ruhigen Gewissens seine Zusage geben. Auch, wenn die Aufgabe in Bad Salzuflen einem großen Abenteuer glich. Nach dem vergeblichen Versuch, doch noch in die Bezirksliga aufzusteigen, hatte Frank Biermann, der Vorgänger von Cakar, das Handtuch geworfen, auch ein Großteil der Mannschaft, die Biermann zusammengestellt hatte, verließ den Verein. Cakar musste wenige Wochen vor Saisonbeginn bei null anfangen.

 

Cakar startete, als andere schon fertig waren

Als umso wertvoller sollten sich die Kontakte, die Cakar in drei Jahrzehnten herstellen und pflegen konnte, erweisen. Dennoch musste auch Cakar in einer Phase, „wo andere Vereine mit der Saisonplanung schon abgeschlossen haben“, etwas ganz Neues auf die Beine stellen. Viele Spieler hatten schon ihre Zusage für die Saison 2020/2021 anderen Vereinen gegeben, die Auswahl war auch für Cakar begrenzt. „Man ist auf mich zugekommen, ob ich mir das vorstellen könnte und ob ich Interesse an der Aufgabe habe. Das war eine spontane Geschichte und ich habe mir etwas Bedenkzeit geben lassen.“ An deren Ende hat der Coach seine Zusage gegeben und sich umgehend an die Arbeit gemacht, weil er das Gefühl hatte, „einem Traditionsverein helfen zu können mit dem Netzwerk, das ich hier in der Umgebung habe.“ Aber auch „die Herausforderung haben wir gemeistert“, so Cakar weiter, der nun einen konkurrenzfähigen Kader zur Verfügung hat.

 

„Wir haben einige Punkte liegen lassen“

Klar ist aber auch, dass unter diesen Begebenheiten der Saison ziemlich holprig werden würde. Erst das Aus im nachgeholten Kreispokal-Viertelfinale bei der zu dem Zeitpunkt als A-Liga-Aufsteiger feststehenden SG Bega/Humfeld, kurz darauf die Revanche in der ersten Runde des diesjährigen Kreispokals. Zum Saisonauftakt setzte es ein unglückliches 0:1 gegen Asemissen, eine von insgesamt drei Saisonniederlagen. „Leider Gottes haben wir einige Punkte liegen lassen, aber die sind gut begründet“, findet Cakar. Viele Spieler wurden reaktiviert und waren zu dem Zeitpunkt der Belastung nicht wieder gewachsen, befanden sich gefühlt noch Mitten in der Vorbereitung. Im Laufe der Saison kamen zudem immer mal Spieler neu hinzu, die dann von Cakar eingebaut werden mussten. Teils aus dem laufenden Spielbetrieb anderer Vereine hinaus, weshalb Cakar seinen alten Kontakten Dankbarkeit gegenüber ausdrückt, dass sie „den Spielern keine Steine in den Weg gelegt haben.“

 

Neun Spiele in vier Wochen

Diese von Cakar so oft erwähnte „Findungsphase“ hat der SC Bad Salzuflen gut überstanden, kam von Spiel zu Spiel besser ins Rollen, wenn bis zuletzt auch immer noch nicht alles so lief, wie der Coach sich das vorstellt. „Wir hatten eine Phase im September und Oktober, wo wir in vier Wochen neun Spiele absolviert haben. Nach einer langen Pause von Mitte März an, die mehrere Monate dauert, gleich vier Wochen zu haben, wo man neun Spiele absolviert, war Gift für die Jungs, das hat man natürlich dann auch gemerkt.“ Viele angeschlagene und verletzte Spieler beklagte Cakar, auch ein Grund für teils unnötige Punktverluste. „Sonst wäre noch deutlich mehr drin“, so der Coach mit Blick auf die Tabelle. Dennoch: Der SC Bad Salzuflen ist mit einem Nachholspiel in der Hinterhand derzeit Tabellenvierter, hat Kontakt zur Spitzengruppe um Leopoldshöhe und Asemissen und Lüerdissen. „Wir betrachten das Ganze und Stand jetzt sind wir mit dem Geleisteten der Mannschaft zufrieden“, lautet das Urteil von Cetin Cakar.

 

Cakar ist „stolz auf die Jungs“

Namhafteste Zugänge waren die auch in Lippe bereits bestens bekannten Necati Kezer, der nach einem Jahr bei TuRa Löhne zum SCB zurückkehrte und sofort wieder zu einem Leistungsträger wurde, und Hakim Aytan, der vor einigen Jahren beim TSV Schötmar alles kurz und klein geschossen hat. Doch auch im Kreis Lippe weniger bekannte Spieler wie Keeper Nawsher Wan Mohamd Khader, Sidibe Mamadou Kaba (Bild rechts) oder Ümit Cakar haben bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Coach gibt seiner Mannschaft eine klare Spielidee mit auf den Weg, muss aber wie alle anderen Trainer auch darauf vertrauen, dass die Truppe den Weg mitgehen will: „Du kannst so gut sein, wie du willst, du kannst ein Taktikfuchs sein wie du willst, du kannst zehn verschiedene Systeme im Kopf haben, viele verschiedene Ideen im Kopf haben, aber wenn die Jungs das nicht umsetzen, nicht daran arbeiten, die Idee nicht verinnerlichen, dann kann man erzählen, was man will als Trainer.“ Doch seine Mannschaft vertraut dem Coach, der entsprechend „stolz ist auf die Jungs, was sie daraus gemacht haben in so einer kurzen Zeit.“

 

Cakar nicht überrascht von Leistung der Mannschaft

Besonders Menschen außerhalb des Vereins, andere Trainer, haben Cakar gegenüber immer wieder erwähnt, wie gut es bereits klappt und wollten wissen, wie er das in der kurzen Zeit so gut hinbekommen hat, mit einer zusammengewürfelten Truppe, so gut mitzuspielen. Zumal man sich auch im Kreispokal gegen die Bezirksligisten aus Oerlinghausen und Barntrup teuer verkauft hat, ersteren sogar aus dem Wettbewerb schmeißen konnte. „Klar, für den externen ist das überraschend, aber für mich persönlich nicht, weil ich die Jungs kannte, weil ich schon gemerkt habe, was sie Woche für Woche wirklich gemacht haben, es sei denn, die Verletzungen und die Krankheiten haben uns dann aufgehalten und Leistungsträger, die dann weggebrochen sind, wie teilweise die Spielführer, oder die Innenverteidiger, so dass wir da dann improvisiere mussten.“ Cakar ist guter Dinge, dass seine Truppe nach der erneuten Unterbrechung da anknüpfen kann. „Aus sportlicher Sicht hoffe ich, dass die Saison zu Ende gespielt wird.“

 

Cakar erhofft sich sportliche Entscheidung

Sonst drohen ähnliche Szenarien, die letzte Saison sowohl der SC Bad Salzuflen als auch der Ex-Verein von Cakar, TuRa Löhne, durchmachen mussten. Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren beide Teams in ihren Ligen Tabellenführer, hatten aber mehr Spiele absolviert und rutschen nach Anwendung des Punktequotienten von Rang eins und verpassten so den vielleicht verdienten Aufstieg. „Wenn du Tabellenführer bist, drei Punkte Vorsprung hast und der Zweitplatzierte hat ein Spiel weniger, dann wird spekuliert. Dann geht man davon aus, dass das Nachholspiel der Verfolger gewinnt und dadurch dann Punktemäßig vorne ist. Aber das ist alles so spekulativ.“

 

 

Saisonverlängerung eine Option?

Cakar hofft auf eine Saisonfortsetzung spätestens Ende Februar. „Zumindest, dass man dann mit dem Mannschaftssport einigermaßen loslegen kann. Und ich denke, gerade im Kreis Lippe hat man ja gemerkt, dass man nach so einer kurzen Phase in vier Wochen, auch, wenn Pokalspiele dazwischen waren, neun Spiele absolvieren kann. Dann sollte das auch machbar sein, die Saison zu Ende zu spielen. Und wenn die dann etwas länger dauert und in den Juni reingeht, dann bin ich ein großer Freund davon. Wenn eine Entscheidung getroffen wird, dann nur, wenn man die Saison sportlich zu Ende spielt.“ Sollte die Pandemie das aber nicht zulassen und das Risiko ist zu groß, „dann ist natürlich klar, und da sage ich auch als Familienvater definitiv, dass die Gesundheit der Sportler vorgeht.“

Werbegruppe OWL Sport

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