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Bezirksliga

TuS WE Lügde – Überraschend wenig Anpassungsprobleme

Konstanz im eigenen Handeln, das ist äußerst wichtig für die Westfälische Eiche aus Lügde. Überaus positiv liest sich ihre Entwicklung. Lippe-Kick analysiert die Lage.

 

 

Ressourcen gut ausgeschöpft

Bezirksliga 3 (hk). Möglicherweise klingt es fast schon zu märchenhaft, wenn man deliberiert, dass der TuS WE Lügde eine vorbildliche Renaissance erlebt. Der blau-gelbe Riese wurde wachgeküsst. Euphoriegeschwängert möchte man hier vom vielleicht größten Comeback seit Lazarus sprechen. Die Zahlen bestätigen den tollen Trend unter Neu-Coach Sascha Weber. Auf einem hervorragenden sechsten Tabellenplatz überwintert der Aufsteiger. Dies nachdem er für beinahe drei Jahrzehnte völlig von der überkreislichen Fußball-Landkarte verschwunden war. In einem Land vor unserer Zeit, als Helmut Kohl noch Bundeskanzler war und der Deutsche Meister nicht dauerhaft Bayern München hieß, da stieg die Westfälische Eiche aus der Bezirksliga ab. Wir sprechen vom Jahr 1993. Der Tiefpunkt in der jüngeren Vergangenheit markiert die Spielzeit 2003/04 (siehe: https://www.lippe-kick.de/mannschaft/tus-we-luegde/) Lügde war nur noch C-Ligist. Spöttisch möchte man hier die Kölsche Kultband BAP zitieren, die sangen: „Nicht resigniert, nur reichlich desillusioniert.“ Vergangenheit. Damit möglichst weiterhin auf dem Erfolgspfad gewandert wird, werden wichtige Entscheidungen getroffen. Wie etwa die Thematik Konstanz auf der Trainerposition. Der Vertrag mit Weber wurde um eine weitere Spielzeit verlängert.

 

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Von Henning Klefisch

 

Über eklatante Anpassungsprobleme klagt der Liga-Neuling nicht. Das Zahlenwerk mit elf Zählern aus sieben Partien liest sich äußerst delikat. Gegen die Südpol-Vertreter wie TSC Steinheim (4:0) und Spielvereinigung Brakel II (5:0) wurde souverän und gegentorlos gewonnen. Der Aperitif mundete also. Ähnlich überzeugend liest sich das 3:0 über das Mittelklasse-Team VfR Borgentreich. Jeweils 3:3-Unentschieden trennten sich die Lügder vom FC Peckelsheim-Eissen-Löwen und von der SG Hiddesen/Heidenoldendorf. Gegen PEL wäre mehr möglich gewesen, mosert TuS-Torwart Felix Wessel doch via Lippe-Kick: „Einzig das Spiel gegen Peckelsheim war etwas ärgerlich.“ Die beiden Saison-Niederlagen kassierten die Weber-Männer in der Fremde. Bei lippischen Rivalen. 2:4 beim SV Eintracht Jerxen/Orbke und 0:2 in Augustdorf. Die Richtung stimmt beim Sechstplatzierten, der über die sechstbeste Offensive der Spielklasse verfügt. Die 20 Einschläge teilen sich mehrere Schützen auf. Marcel Walek (Bild links) hat mit seiner Handvoll an Toren exakt ein Viertel aller TuS-Treffer markiert. Je dreimal waren Tim Dachrodt (Bild links unten), Nils Nehrig (Bild rechts) und Jonas Hasse erfolgreich. Dennis Faße markierte zwei Tore, komplettieren Fabian Deppe, Justus Mund, Kris Pape und Robin Schlieker die weiteren Erfolge. Die Leistung auf dem Platz passt, weil das Miteinander stimmt. Es ist auch taktisch eine austarierte Statik erkennbar, die mit Leben gefüllt wird. Wenig schematisch, dafür flexibel und kreativ, so schaut das Lügder Spiel aus. Weber gilt als ein extrem kommunikativer Coach. Jeder Spieler fühlt sich bei ihm wichtig. Mannschaft und Vorstand werden vom langjährigen Diestelbruch/Mosebeck-Coach gut mitgenommen. Für diesen war entscheidend für seine Zusage, dass er mit dem bisherigen Kader zusammenarbeiten darf. Auch der Trainerfuchs merkt, dass derzeit ein Rädchen ins andere greift, das gut ausbalancierte Lügde-Spiel oft wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert.

 

„Bezirksliga-Spiele sind viel intensiver“

Seit der Spielzeit 1993/94 waren die Lügder im Kreisfußball verortet. Bis 2010 in der B2-Klasse, dann ein flüchtiges Gastspiel in der A-Liga. Es folgte erneut ein zweijähriger Aufenthalt im Detmolder Kreisunterhaus, ehe seit der Saison 2013/14 die Beletage vom Detmolder Kreisliga-Fußball die neue Heimat wurde. Seit vergangenem Sommer ist man in den Bezirksfußball emporgestiegen. Einige Veränderungen sind offensichtlich. Wessel (Bild rechts) benennt diese in aller Deutlichkeit: „Die Spiele sind allen voran viel intensiver, du musst immer mindestens 100 Prozent geben und darfst dir zu keiner Zeit Schwächen erlauben. Außerdem musst du immer voll konzentriert sein, aber es macht allen viel Spaß.“ Spielerisch orientierten Mannschaften, wie etwa der amtierende A-Primus Blomberger SV eine ist, bescheinigt der meinungsstarke Fänger „eine bessere Spielanlage als manchem Bezirksligisten.“ Folglich sollte das Konzentrationslevel in beiden Ligen hochgehalten werden. Die Derby-Dichte ist auch in der neuen Lippe-Liga engmaschig. Für Wessel ist dieses neue Ambiente „schon eine coole Sache, wenn sich alle lippischen Teams in einer Liga duellieren.“ Zugleich einschränkend: „Jedoch muss ich auch sagen, richtige Derbys waren für uns immer die Spiele gegen Rischenau, Elbrinxen oder Sabbenhausen, da wir ja geografisch doch weit ab sind. Darüber hinaus gibt es auch Teams, wie zum Beispiel Oerlinghausen oder Lipperreihe, die durch die Lippe-Liga sehr weite Fahrtstrecken in den Höxteraner Raum zu absolvieren haben. Da ist es aus Lügde fast egal, ob ich über die B1 nach Paderborn fahre oder zu einem Auswärtsspiel nach Oerlinghausen oder Augustdorf“, ist es vor allem der Marken-Name, die wohlklingende Alliteration, die die Braut noch hübscher aussehen lässt.

 

Wessel glaubt an den Post TSV-Aufstieg

In diesen Tagen steckt auch der Lokalfußball zurück. Völlig zu Recht, denn die Bekämpfung der Pandemie genießt allerhöchste Priorität. Nach einer Vorsaison, die sich für einige Nichtaufsteiger ungerecht anfühlte, droht auch nun wieder Ungemach. Der 28-jährige O-Ton-Geber beweist Empathie, hofft auf eine Wertung und meint: „Es wäre schon schade für Post, wenn sie am Ende nicht aufsteigen können, weil die Saison abgebrochen wird.“ Falls es die Pandemielage zulässt, sollte die restliche Hinserie zu Ende gespielt werden, gerne auch die Pokalspiele, um eine Wertung vornehmen zu können. Dann hätten wohl auch die Postler den begehrten Sprung in die Landesliga geschafft, denn Wessel hält große Stücke auf die Post-Kutsche: „Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass sie mit dieser Mannschaft noch großartig was liegen lassen, da sie ja auch gegen fast alle Teams von oben schon gespielt haben.“ Wenn die bislang so famos aufspielenden Residenzler allerdings Nachlässigkeiten andeuten, dann werden die Trainer Ralf Brokmann und Andre Patscha die Zügel sicherlich wieder straffer anziehen.

 

Wählerische Neuzugänge

Die unsichtbare Gefahr lauert weiterhin. Die verheerenden Folgen der Corona-Pandemie werden wohl erst in einigen Jahren gänzlich sichtbar. Der beruflich als Finanzbeamter aktive Wessel packt ganz viel Beruhigung in sein Sprachkleid: „Dadurch, dass fast alle zugesagt haben, sind wir erstmal ordentlich aufgestellt. Aber dadurch, dass die Jugendarbeit aufgrund fehlenden Nachwuchses auch nicht mehr so gute Früchte trägt, kann es in einigen Jahren schon schwierig werden.“ Wessel hat das große Ganze im Blick: „Aber ich denke, es ist für alle Mannschaften in der Corona-Zeit schwer. Aber dadurch, dass wir doch sehr weit weg liegen, gibt es auch nicht so viele Möglichkeiten, Spieler-Akquise zu betreiben.“ Das Hindernis, warum einige so zögerlich sind: „Mehr als 20 Minuten möchte heutzutage schon keiner mehr auf sich nehmen, um zu fahren und da sind wir nur bei fünf, sechs Vereinen. Wenn man dann noch die finanzstarken Teams aus Niedersachsen abzieht, bleiben nur drei bis vier Teams und dann möchten viele auch lieber mit ihren Freunden zusammenspielen, was ich definitiv auch verstehen kann. Das ist ja bei uns in Lügde nichts anderes.“

Fahrschule Duru

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