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Unvergessene Vereine

Unvergessene Vereine – VfB Oerlinghausen von 1913 e.V.

Heute begeben wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit des VfB Oerlinghausen. Bei Lippe-Kick haben wir hierzu die freie Sicht.

Aufbruch nach dem 1. Weltkrieg

 

Unvergessene Vereine (bs). Die Fußballpause wird uns noch für geraume Zeit beschäftigen. Die legendären Lippe-Kick-Vor- und Nachberichte sind wohl bis Sommer 2021 eher Traum als Realität. Redaktionelle Not macht eben erfinderisch und so kramen wir etwas genauer in der Rubrik „Unvergessene Vereine.“ So einige Teams haben wir an das Tageslicht der lippischen Öffentlichkeit schon befördert. Einige Oh’s und viele Ah’ s waren die Konsequenz. Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich. Nun gehen wir noch tiefer in die Geschichtsbücher zurück, sogar bis in die Epoche der Weimarer Republik. Wir durchstöbern das Archivmaterial, denn nur, wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart. Nun begeben wir uns auf eine Reise nach West-Lippe. Oerlinghausen ist eine lippische Stadt im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Sie liegt südöstlich von Bielefeld an einem Pass über den Teutoburger Wald. Mit etwa 17.000 Einwohnern ist Oerlinghausen die fünftgrößte Stadt im Kreis Lippe.

 

Ihr wollt etwas Freizeit genießen? Dann meldet euch bei:

 

 

Von Björn Schran

 

 

Doch bevor wir zum VfB Oerlinghausen von 1913 e. V. kommen, gehen wir mal 50 Jahre in der Zeit zurück. Denn im Jahre 1863 gründete eine Gruppe Zigarrenmacher einen Turnverein, dessen Namen nicht überliefert ist. Im Jahre 1895 wurde der Arbeiter-Turn- und Sportverein Einigkeit Oerlinghausen gegründet, der im Jahre 1904 dem Arbeiterturnerbund beitrat. 1913 entstand mit dem FC Oerlinghausen ein erster reiner Fußballverein in der Stadt. Sportliche Erfolge nach dem 1. Weltkrieg waren zahlreich.
Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden die Fußballspiele mit zwei aktiven Mannschaften rege betrieben. In dem 1. Weltkrieg sind leider fünf Sportler gefallen.

 

Ab 1920 Eigenständigkeit als VfB Oerlinghausen

 

Am 7. Februar 1919 kam es zur Neugründung des Oerlinghausener Turnvereins, dessen Fußball-Abteilung im Rahmen der Reinlichen Scheidung (organisatorische Trennung zwischen Fußball und anderen modernen Sportarten) am 15. April 1920 als VfB Oerlinghausen eigenständig wurde. Im Jahr 1920 erwies sich die Trennung von dem Turnverein als notwendig, und es entstand der VfB Oerlinghausen von 1913 e. V. Der Verein spielte im westdeutschen Spielverband in der C-Klasse, stieg dann aber in die B-Klasse auf, darauf folgte sogar der Aufstieg in die höchste Kreis-Liga.

 

Skeptischer Blick auf den Fußball

 

Im Laufe der Jahre nahmen an den von dem L.R.B. aufgestellten Mannschaften anlässlich des Sport-Werbeheftes in Heidelbeck in den Fußballmannschaften Karl Bahle, anlässlich des Frühjahr-Waldlaufes in Lage Fritz Brinkman und Gustav Westerheide teil.
Die Bürger standen anfangs dem Fußball-Sport sehr skeptisch gegenüber. Die jeweiligen Vereinsleitungen hatten damals viele schwere Kämpfe zu führen gehabt, wurden damals von den Mitgliedern aber kräftig unterstützt.
Die Einführung des Fußball-Sports in Oerlinghausen ist dem zuerst zum Vorsitzenden gewählten Mitglied Karl Lehmeier zu verdanken, der sich mit einer kleinen Schar Betreuern nicht verdrängen ließ.

 

 

Angenehme Platzverhältnisse

 

 

Ganz besonders hatte sich aber der treue Jugendleiter, der erste und zweite Vorsitzender Remara, besondere Verdienste erworben. Er bekam für seine Leistung die „Ehren-Nadel des WEB“ verliehen. Aber der Verein hatte auch noch weitere treue Mitglieder zu verzeichnen, und zwar: Wolfgang Dreier (Berlin), Willy Windt, August Meerkötter, Fritz Fuhrmann, die mit der Geschichte des VfB eng verknüpft sind.
Größere sportliche Veranstaltungen konnten bis auf ein Werbeheft wegen der früheren ungünstigen Platzverhältnisse nicht durchgeführt werden. Neben der von der Stadt Oerlinghausen neu angelegten großen Platz-Anlage hat dieser Verein seinen eigenen Sportplatz.

 

 

Sportliche Erfolge nach dem 2. Weltkrieg

 

Der Verein hatte auch sehr erfolgreiche Leichtathleten zu verzeichnen: Fritz Kaffen, man nannte ihn „die rote Gefahr von Lippe“. Als fast Deutscher Meister im 5000-Meter-Lauf nahm er als Mitglied des L.R.B. am Kampf um den deutschen Meister-Titel in Hamburg teil. Als Förderer dieser Sportart zu nennen: Kurt Büter. Als lippischer Meister der Jugendlichen (1929) im 300-Meter-Lauf, Zweiter in 75-Meter-Lauf. So durfte der VfB Oerlinghausen zu seinem bescheidenen Teil zu dem Aufschwung des L.R.B. beitragen.
Erste Erfolge konnte der VfB Oerlinghausen für sich verbuchen, der von 1931 bis 1933 in der seinerzeit zweitklassigen 1. Bezirksklasse Westfalen spielte.

 

Blütezeit vom TuS Oerlinghausen

 

Im Krieg sind viele Sportler gefallen oder wurden danach vermisst. Dennoch kamen bereits am 28. Juli 1945 beherzte Männer zusammen und gründeten den Kultur- und Sportverein Oerlinghausen. Nach wenigen Monaten änderte sich der Vereinsname in TuS Oerlinghausen. Am 19. Oktober 1946 wechselte der Vorstand, der neue Vorsitzende war Richard Koch. Unter seiner Leitung blühte der Verein kräftig auf. Neben den Hauptsparten Turnen und Fußball traten bald Handball, Tischtennis, Schwimmen, Leichtathletik und eine Theatergruppe als weitere Abteilungen hervor.

 

“Zeichen der Tradition und Ehrung”

 

Drei Jahre später (1949) änderte der Verein seinen Namen in Turn- und Sportverein (TSV) Oerlinghausen. Bis zum 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1963 war die Mitgliederzahl auf 665 Personen angestiegen. Am 5. Januar 1962 wurde der Verein im Vereinsregister mit dem Zusatz von 1863 eingetragen. Damit setzte der Verein bewusst ein Zeichen der Tradition und Ehrung aller früheren Vereine.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stieg die Mannschaft im Jahre 1949 in die Bezirksklasse auf. Dort wurde die Mannschaft 1954 Dritter und zwei Jahre später Vizemeister hinter dem TBV Lemgo. Durch die gleichzeitig, als neue höchste westfälische Amateurliga eingeführte Verbandsliga, reichte der zweite Platz zum Aufstieg in die seinerzeit viertklassige Landesliga.

 

 

 

Qualifikation für den Westdeutschen Pokal

 

Gleichzeitig qualifizierten sich die Oerlinghausener für den Westdeutschen Pokal, wo die Mannschaft dem Zweitligisten SpVgg Erkenschwick nur knapp mit 0:1 unterlag. In der Landesliga beendeten die TSV-Fußballer die Saison 1956/57 punktgleich mit Teutonia Lippstadt hinter dem Meister Borussia Lippstadt. Um den Teilnehmer an der Aufstiegsrunde der Vizemeister zur Verbandsliga zu ermitteln, wurde im neutralen Gütersloh ein Entscheidungsspiel angesetzt. Hier setzte sich die Teutonia mit 4:2 durch.

 

2014 Wiederaufstieg in die Bezirksliga

 

Damit erreichten die Oerlinghausener Fußballer ihren sportlichen Zenit. Schon im Jahre 1960 stieg die Mannschaft als Tabellenletzter aus der Landesliga wieder ab. Erst 1975 feierten die Oerlinghausener ein Comeback in der Landesliga, das allerdings nach nur einem Jahr als abgeschlagener Tabellenletzter wieder vorbei war. 1979 ging es hinunter in die Kreisliga A, die für viele Jahre zur sportlichen Heimat des TSV wurde. Gastspiele in der Bezirksliga gab es in der Saison 1988/89, von 1996 bis 2000 sowie in der Saison 2002/03. Erst im Jahre 2014 gelang der Wiederaufstieg in die Bezirksliga. Rang fünf in der Serie 2015/16 war die beste Platzierung im überkreislichen Bereich (siehe: https://www.lippe-kick.de/mannschaft/tsv-oerlinghausen/).

 

 

 

 

Bild-Quelle: Horst Biere

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