Connect with us

Interviews

Interview Sören Brüntrup

„Jürgen Klopp war einer der Antreiber“

Kreisliga B2 Lemgo (hk). Sören Brüntrup hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Im Fußballspielen reicht es trotz reichlich Talenten „nur“ zu einem Leistungsträger beim aufstiegswilligen Lemgoer B-Ligisten TuS Bexterhagen. Dafür beschäftigt er sich aber beruflich mit dem Amateurfußball und hat zusammen mit seinen Arbeitskollegen hierfür eine Trainingsplattform und eine gleichnamige App entwickelt und auf den Markt gebracht. Was Liverpool-Coach Jürgen Klopp mit der ganzen Sache zu tun hat und was die Bexterhäger Trainer von dieser App halten, hat er Lippe-Kick-Chefredakteur Henning Klefisch im Interview mitgeteilt.

Lippe-Kick: Hallo Sören, du spielst beim Lemgoer B2-Spitzenteam TuS Bexterhagen erfolgreich Fußball und bist beim Kölner Unternehmen, was auf den schönen Namen bolzfabrik hört, tätig. Dort ist im Jahr 2016 die Trainingsplattform taktikr und eine gleichnamige App herausgebracht worden. Zielgruppe sind Fußballtrainer im Amateurbereich. Aktuell läuft auch im lippischen Fußball die Saisonvorbereitung in vollem Gange. Welche Tipps hat taktikr für diese Phase?

Sören Brüntrup: „Hallo Henning! Die Sommervorbereitung stellt bekanntlich schon mit die wichtigste Phase in der Saison dar, die häufig über Erfolg oder Misserfolg einer gesamten Spielzeit entscheidet. Umso wichtiger ist es da, dass die Vorbereitung a) sinnvoll geplant ist und b) auch von allen Beteiligten – Trainerteam und Spielern – voll durchgezogen wird.
Dazu bietet es sich zunächst an, genau die Ziele für die neue Saison und davon ausgehend auch die konkrete Zielsetzung der Vorbereitung zu definieren: Wie will ich spielen? Was gibt mein neuer Kader an Möglichkeiten überhaupt her? Und natürlich: Wo kann und will ich am Ende der Saison mit meiner Mannschaft landen? Keine andere Saisonphase bietet sonst ausreichend Zeit, um sowohl im physischen als auch im taktisch-technischen Bereich umfangreich zu arbeiten. Das alles sollte der Trainer natürlich nicht völlig autonom tun, sondern die Spieler hier mit einbeziehen.
Ansonsten: Dass in der Sommervorbereitung insbesondere auch der konditionelle Grundstein gelegt wird und die fußballspezifische Ausdauer erarbeitet werden muss, ist für die Trainer im Kreis Lippe mit Sicherheit kein Geheimnis.“

Lippe-Kick: Wie bist du persönlich zur bolzfabrik gekommen, skizziere bitte kurz deinen Weg?

Brüntrup: „Wie so oft hat da ein wenig das berühmte Vitamin B geholfen. Ich habe einen der beiden Geschäftsführer, der parallel für eine Beratungsagentur im Fußball arbeitet, mal während eines Praktikums bei Werder Bremen kennen gelernt. Als ich dann nach Beendigung meines Studiums nach einem Job mit Fußballbezug gesucht habe, bin ich dann auf die bolzfabrik gestoßen – und habe dabei natürlich den bestehenden Kontakt benutzt. Was ich persönlich sehr schön finde: Meine Arbeit hat vor allem Bezug zum Amateurfußball, also wirklich zur Basis.“

Lippe-Kick: Haben deine Trainer Achim Wenzel und Uwe Wehmeyer auch schon Erfahrungen mit der neuen Methode sammeln können?

Brüntrup: „Die beiden sind momentan dabei, die App zu testen. Ich musste da ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, immerhin sind die beiden ja nicht unbedingt „Digital Natives“ (lacht). Davon abgesehen trage ich das Thema gerade in unsere Jugendabteilung und schaue zusammen mit den Trainern und dem Verein, wer auf eine App als „Trainingsassistenten“ Bock hat und ob eventuell sogar eine Ausstattung aller Jugendtrainer Sinn machen könnte.“

Lippe-Kick: Es wird gemunkelt, dass speziell im Amateurfußball falsch trainiert wird. Kannst du uns verraten, welche Trainings-Irrtümer es dort gibt?

Brüntrup (Bild): „Falsch trainiert“ ist vielleicht etwas zu hart formuliert. Damit tut man den vielen Amateurtrainern, nicht nur im Kreis Lippe, Unrecht, die sich doch sehr intensiv ihrer Arbeit auseinandersetzen und stets versuchen, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Aber: Ein paar Trainingsmythen halten sich nach wie vor trotzdem hartnäckig.
So wird beispielsweise mit der Saisonvorbereitung nach wie vor gerne assoziiert, dass wie verrückt Kondition gebolzt werden muss, ohne dass die Spieler den Ball in den ersten beiden Wochen überhaupt mal zu Gesicht bekommen. Die Arbeit im konditionellen Bereich ist unglaublich wichtig, gar keine Frage – aber warum sollte der Ball dabei fehlen? Mittlerweile ist man sich in der Trainingswissenschaft eigentlich einig, dass stundenlange Waldläufe allenfalls in die erste Trainingswoche gehören, um etwas für die Grundlagenausdauer zu machen. Viel wichtiger ist nämlich die fußballspezifische Ausdauer, und Fußball wird eben nicht im Dauerlauf gespielt, sondern besteht aus unheimlich vielen Tempowechseln. Das lässt sich am besten in spielnahen Übungen und Spielformen trainieren. Und hier ist es gar nicht so schwer, die Belastung entsprechend hochzuhalten, etwa durch Wettkampfformen im 3 vs. 3 oder anderen Kleinfeldspielformen. Der langen Rede kurzer Sinn: Kondition pauken ja – aber bitte mit Ball. Im Übrigen ist es ja auch deutlich motivierender für die Spieler, wenn sie sich auf ein Training mit Ball freuen können – da fällt es einem doch leichter, an die Leistungsgrenze zu gehen.“

Lippe-Kick: Was ist für die Planung in der Vorbereitung wichtig?

Brüntrup: „Wie schon erwähnt, ist es erst mal wichtig, die Zielsetzung für die Vorbereitung festzulegen. Fit werden wollen alle, das ist klar. Aber verfolgt ein Trainer vielleicht das Ziel, der Mannschaft eine andere Spielweise zu vermitteln oder die taktische Formation grundlegend zu verändern? Welche Möglichkeiten geben mir hier etwaige Neuzugänge?

Ebenso wichtig ist die Auswahl der Testspielgegner, die passend zur Phase in der Vorbereitung sein sollte. Zu leichte Gegner bringen nichts, aber eine reelle Chance, mit einer guten Leistung mitzuhalten, sollte immer vorhanden sein.
Wenn die Spieler sich darauf einlassen und es sich zeitlich einrichten lässt, kann übrigens auch ein Wochenend-Trainingslager sinnvoll sein – nicht zuletzt auch fürs Teambuilding.“

Lippe-Kick: Kannst du bitte in einigen Worten beschreiben, welche Vorteile taktikr den lippischen Trainern bieten könnte?

Brüntrup: „Die App ermöglicht einerseits eine einfache, schnelle und trotzdem hochwertige Trainingsplanung.  Wir haben weit über 600 Übungen und Übungsvideos, die von A-Lizenz-Trainern von Borussia Dortmund erstellt werden, mit denen wir zusammenarbeiten. Und genau diese Trainer können andererseits via In-App-Chat vom Amateurtrainer um Rat gefragt werden, wenn dieser mal in Sachen Taktik oder Training nicht weiter weiß. Unsere Jungs antworten dann innerhalb von 48 Stunden individuell und ausführlich auf die Frage. Und ganz nebenbei gibt es noch viele informative Artikel rund um Training, Taktik und Spiel, mit denen man seinen Wissensschatz erweitern kann.“

Lippe-Kick: Was ist der Hintergrund oder der Reiz gewesen, diese App zu entwickeln und umzusetzen?

Brüntrup: „Die Idee dahinter war und ist, den Trainern im Amateurbereich ein wenig unter die Arme zu greifen, damit sie ihren Spielerinnen und Spielern auch mit wenig Zeitaufwand ein hochwertiges Training anbieten können. Jeder Amateurtrainer hat doch zwei Probleme: Er hat erstens wenig Zeit, weil er eben auch noch einen richtigen Beruf auszuüben hat. Und zweitens hat er oft niemanden, an den er sich wenden kann, wenn er selbst mal ratlos ist – schließlich ist er ja schon der Experte in seinem Umfeld. Und in beiden Fällen können wir eben mit den genannten Features unserer Plattform helfen. Und was man nicht vergessen darf: Gerade im Jugendbereich machen viele den Trainerjob ja auch, obwohl sie gar nicht das Know-How haben – einfach, weil sie gerne mit Kindern arbeiten und bereit sind, die Zeit zu investieren. Letztlich wollen wir einfach jedem Trainer, ob mit Lizenz oder nicht, ob mit viel oder wenig Zeit, die Möglichkeit geben, seine Spielinnen und Spieler weiterzuentwickeln. Und das ist es doch, was die Arbeit als Trainer so reizvoll macht, oder?“


Lippe-Kick: Was hat der ehemalige BVB- und heutige FC Liverpool-Coach Jürgen Klopp damit eigentlich zu tun?

Brüntrup: „Die Verbindung zu Jürgen Klopp kam über besagten Kollegen zustande, der parallel als Trainerberater arbeitet und eben auch Jürgen Klopp managt. Und tatsächlich war Klopp auch einer der Antreiber hinter der Idee, weil ihm der Gedanke gefiel, zumindest ein wenig von seinem Wissen als Profi-Trainer an die Basis weiterzugeben. Natürlich war Klopp nicht direkt an der technischen Entwicklung beteiligt, liefert aber weiterhin inhaltlichen Input, zum Beispiel mit speziellen Trainingsübungen.“

 

More in Interviews

%d Bloggern gefällt das: