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Historisch

Max Wilschrey – „Möchte auf allen sechs Kontinenten spielen“

Er trinkt gerne Wasser mit Sprudel, wurde einst hervorragend in Hiddesen und Jerxen-Orbke ausgebildet und sucht nun einen neuen Kontinent zum Kicken. Max Wilschrey hat viel zu sagen im Lippe-Kick-Gespräch.

„Futsal war dumm von mir, aber ich bereue es nicht“

Allgemein (hk). Viel rumgekommen ist Max Wilschrey im Weltfußball. Es begann in Bremen, ging es über das Lipperland weiter nach Bielefeld, Wiedenbrück, Oldenburg und Uphusen, ehe in den USA für Old Dominion und Chattanooga gezockt wurde. Seit Februar dieses Jahres spielt er für den Tabellenletzten der Regionalliga Südwest, Rot-Weiß Koblenz. Da beim 24-jährigen Angreifer allerdings Fernweh diagnostiziert wurde, ist es wahrscheinlich, dass es den 186 Zentimeter großen Mittelstürmer wieder alsbald auf einen neuen Kontinent zieht. Mit Lippe-Kick-Chefreporter Henning Klefisch hat sich Wilschrey über seine bisherige Karriere, auch über seine alte Heimat Lippe unterhalten.

 

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Lippe-Kick: Hallo Max, stimmt es, dass Du schon in Deiner Jugend Wasser als bevorzugtes Getränk favorisiert hast, warum?

 

Max Wilschrey: „Hallo Henning, ja, da hast du Recht, Wasser war und ist noch immer mein bevorzugtes Getränk. Es gibt für mich nichts Erfrischenderes als Wasser nach einem anstrengenden Training und es stillt deinen Durst komplett. Außerdem schmeckt mir Wasser mit Kohlensäure einfach gut.“

 

Lippe-Kick: Du bist Anfang Februar 2020 nach knapp drei Jahren in den USA nach Deutschland zurückgekehrt, zu RW Koblenz. Was waren die entscheidenden Gründe für deine Rückkehr in die Heimat?

Wilschrey: Ja genau, ich spiele jetzt seit Februar in Deutschland, aber ich denke, dass es nur vorübergehend sein wird. Ehrlich gesagt, wollte ich gar nicht zurück nach Deutschland, sondern dies war meine letzte sportliche Möglichkeit. Ich hatte Anfang Januar einen Vertrag in Finnland unterschrieben, allerdings konnte der Verein seine Versprechen nicht einhalten und deswegen habe ich den Vertrag wieder aufgelöst. Und ich hatte nur zwei Tage Zeit, einen neuen Verein zu finden, bevor das Transferfenster geschlossen hätte. Zum Glück habe ich in RW Koblenz einen Regionalligisten in Deutschland gefunden. Mein Ziel im Sommer ist aber ganz klar wieder das Ausland. Hoffen wir mal, dass das Corona-Virus es nicht zu sehr beeinflusst.“

 

Lippe-Kick: In Deiner frühesten Jugend warst Du in Lippe fußballerisch aktiv. Beim VfL Hiddesen und beim SV Eintracht Jerxen-Orbke. Wie sind Deine Erinnerungen an diese Zeit?

Wilschrey: „Das ist richtig. Ich habe auch nur gute Erinnerungen an diese Zeit und habe viele schöne Ereignisse erlebt. Dort habe ich mit vielen Freunden zusammengespielt und es hat immer Spaß gemacht. Auch meine damaligen Trainer waren sehr gut und haben mich gut auf meine Zeit bei Arminia Bielefeld vorbereitet.“

 

Lippe-Kick: Welche Mitspieler und/oder Trainer bleiben Dir ganz besonders im Gedächtnis? Gibt es Mitspieler, die es vom fußballerischen Können her ebenfalls in den Profibereich hätten schaffen können?

Wilschrey: „Als Trainer bleiben mir vor allem Hans-Herbert Tamm und Bastian Möller in Erinnerung. Sowohl in Hiddesen als auch in Jerxen-Orbke wurde ich von beiden Trainern enorm gefördert und gepusht. Sie haben immer an mich geglaubt und auch in schwierigen Zeiten zu mir gehalten und mich stets ermutigt, an mein fußballerisches Talent zu glauben, wie zum Beispiel, als ich als zu schlecht für die Kreisauswahl empfunden wurde. Natürlich habe ich auch mit vielen guten Mitspielern zusammengespielt damals. Ich denke, vom fußballerischen Können hätten es einige bestimmt auch höher geschafft, wenn sie wirklich alles dafür gegeben hätten. Zwei meiner besten Freunde, Zalem Özmen und Tim Bukowski, mit denen ich immer noch befreundet bin, haben zwischenzeitlich ja auch beim SC Verl höherklassig gespielt. Allerdings haben sie ihre Prioritäten anders gesetzt als ich.“

 

Lippe-Kick: Kannst Du uns bitte sagen, welche Werte Du in Lippe vermittelt bekommen hast?

Wilschrey: „Ich kann vor allem sagen, dass ich gut vorbereitet wurde, um in einem Nachwuchsleistungszentrum zu spielen. In den Vereinen wurde mir beigebracht, worauf es ankommt im Fußball und das ist mehr Charakter als Talent. Versuche dich persönlich immer weiterzuentwickeln und dich auch nicht von Rückschlägen stoppen zu lassen. Außerdem war alles ein sehr familiäres Umfeld, was die Sache auch noch einfacher und spaßiger gemacht hat.“

 

Lippe-Kick: Die Nachwuchsförderung spielt eine immer größere Rolle. Welche Vereine aus Lippe sind hier aus Deiner Sicht vorbildlich unterwegs?

Wilschrey: „Ich finde, dass vor allem der SVE Jerxen-Orbke und der TBV Lemgo vorbildlich unterwegs sind. Dass sie gemeinsam eine JFV gegründet haben, ist eine gute Sache und kann zu etwas Großem werden. Ich habe es selbst erlebt, dass eine JFV erfolgreich sein kann und auch Junioren-Bundesliga spielen kann. Dies war in Oldenburg der Fall, da der JFV Nordwest hochklassig gespielt hat und die besten Talente aus der ganzen Region gefördert hat. Genauso muss es auch hier sein in Lippe. Hier gibt es viele gute Nachwuchsspieler und die sollten beim JFV spielen, damit sie Lippe als Region angemessen vertreten können.“

 

Lippe-Kick: Die Bezirksliga ist das Höchste der Gefühle für die lippischen Seniorenteams. Was muss passieren, damit eine wirtschaftlich starke Region auch wieder zumindest über einen Landesligisten verfügt?

Wilschrey: „Ich persönlich denke, dass einiges passieren muss. Vor allem müssen die Vereine mehr investieren, um auch gute Spieler von außerhalb nach Lippe zu lotsen. Ohne Investitionen geht halt nichts. Aber man kann nicht die Verantwortung alleine den Vereinen geben, auch die Unternehmen in der Region müssen das erkennen und dementsprechend den Vereinen finanziell zur Seite stehen. Zusätzlich ist eine gute Jugendarbeit notwendig, um die größten Talente hochzuziehen und sie nicht zu anderen Clubs ziehen zu lassen. Man muss versuchen, den Jungs ein Gesamtpaket zu bieten, wovon alle Seiten maximalen Erfolg haben.“

 

Lippe-Kick: Wie bewertest Du Deine weitere Karriere, warum hast Du letztlich bei Arminia Bielefeld den Sprung nicht geschafft, dauerhaft dem Profi-Kader anzugehören?

Wilschrey: „Frag bei Norbert Meier nach, warum ich es nicht geschafft habe (schmunzelt). Ich denke, ehrlich gesagt, dass ich damals nicht wirklich den richtigen Trainer hatte, wenn man gerade erst aus der A-Jugend kommt. Klar, ich habe selbst auch nicht alles richtig gemacht und hätte vielleicht ehrgeiziger und disziplinierter sein können, aber mit 18 Jahren denkt man nicht so weit. Mit meiner jetzigen Karriere bin ich soweit zufrieden, vor allem die USA war wie geschaffen für mich. Trotzdem denke ich, dass meine Karriere jetzt nochmal richtig anfängt und mein Ziel ist es, auf allen sechs FIFA-Kontinenten zu spielen. Ich habe auch schon Kontakte und Angebote aus Australien und Neuseeland erhalten und eventuell werde ich dort bald spielen, aber ich kann mir auch noch vorstellen, ein, zwei Jahre in Europa zu spielen, bevor es wieder weiter weggeht.“

 

Lippe-Kick: Wegen Futsal durftest Du nicht mehr beim SC Wiedenbrück spielen. Wie kam es dazu?

Wilschrey: „Ja, das ist richtig. Es war dumm von mir, aber ich bereue es nicht. Ich habe in Wiedenbrück keinen Respekt und Achtung vom Trainer her gespürt und beim Futsal war ich der Star. Zusätzlich hat Futsal mir unheimlich Spaß gemacht und erfolgreich war ich auch. Trotz eines Verbotes von Wiedenbrück habe ich dann weiterhin Futsal gespielt, weil ich einfach spielen wollte und der Trainer in Wiedenbrück mich nicht einsetzen wollte. Als 19-Jähriger wollte ich einfach nur spielen und habe nicht verstanden, was an Futsal so schlimm sein soll.“

 

Lippe-Kick: Wie eine Befreiung wirkte offenbar der Schritt in die USA. Worin unterscheidet sich das Leben und der Fußball dort von Deutschland?

Wilschrey: „Da kann ich dir voll und ganz zustimmen. Die USA waren ein voller Erfolg für mich. Ich habe mich sportlich, aber auch vor allem menschlich weiterentwickelt und bin viel selbstständiger geworden. Das Leben und die Menschen dort unterscheiden sich komplett. Alles ist viel lockerer und entspannter in den Staaten, die Menschen dort sind offener und freundlicher als hier in Deutschland. Alles ist zudem viel größer und hat gefühlt 24/7 auf und es gibt überall Wi-Fi. Persönlich hat es mir gefallen, dass du in jedem Restaurant Wasser umsonst zu trinken bekommst und du auch nur einmal Cola bestellen musst und dann sooft nachgeschenkt bekommst, wie du willst. Auch der Fußball ist anders als in Deutschland. Allerdings muss Amerika noch einiges lernen in Bezug auf ihre Jugendarbeit, die bei weitem schlechter ist, als die in Deutschland. In Amerika wird im Allgemeinen viel auf physische Stärke gesetzt und deswegen fehlt den meisten Spielern dort ein gewisses Fußballverständnis in Bezug auf taktisches Verhalten. Oftmals wird das beliebte Kick´n´Rush-Prinzip gespielt, was bedeutet, dass sie lange Bälle spielen und diese dann einfach jagen.“

 

Lippe-Kick: Was kann Deutschland von den USA lernen und umgekehrt?

Wilschrey: „Also die Deutschen können vor allem von den Amerikanern lernen, dass sie lockerer werden sollen und alles nicht immer so streng und kritisch sehen müssen. Einfach das Leben genießen und auch nicht andere Leute beurteilen, die vielleicht anders sind. Die Amerikaner können vor allem von den Deutschen in Bezug  auf Pünktlichkeit viel lernen, denn ich glaube, gefühlt jeder Amerikaner kommt zu spät zu vereinbarten Treffen.“

 

Lippe-Kick: Dir eine gute und vor allem gesunde Zeit und viel Erfolg.

Wilschrey: „Danke, das wünsche ich Dir ebenso.”

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