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Kreisliga A Lemgo

TuS Lipperreihe – Sehr talentiert und kameradschaftlich

Wie oft hören auch wir von Lippe-Kick, wie selbstverliebt und egoistisch einige Jung-Stars unterwegs sind. Nicht so die TuS Lipperreihe-Kicker, die einen besonderen Spirit vorleben.

„Haben eine etwas ältere A-Jugend“

Kreisliga A Lemgo (hk). Jetzt mal so ganz unter uns: Auch für Reporter ist die aktuelle Zeit nicht einfach. Konkret fragen wir uns: Wie sollen die Texte während dieser Corona-Pandemie aufgebaut werden? Ich halte mich an die Worte meines einstigen Dozenten Wolf-Dieter Poschmann, der mir immer wieder akribisch eintrichterte, als Journalist ein Infotainment an den Tag zu legen. Kurzum: Eine perfekte Mischung aus Information und Entertainment. In dieser komplizierten Zeit, in der nur eine Sache klar ist. Nämlich, dass nichts klar ist, legen wir unseren Fokus im Inside-Report über den TuS Lipperreihe auf den Umgang mit Corona, aber noch mehr richten wir den Blick auf die sportliche Situation, haben die Medien doch die Aufgabe, etwas vom schwierigen Alltag abzulenken. Wir haben uns mit Co-Trainer Timo Kapale unterhalten.

 

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

Von Henning Klefisch

 

Ich muss kein Heiliger Prophet im Stile eines Muhammad sein, um mir bewusst zu werden, dass noch in 200 Jahren von diesem Black Friday im lippischen Fußball gesprochen wird. Von diesem verdammten Freitag, dem 13. März 2020, als auch die hiesige Kickerei durch den hartnäckigen Corona-Virus zum Nichtstun verdammt wurde. Dies bis auf unbestimmte Zeit. Ob tatsächlich im Mai wieder gespielt werden kann, entscheidet auch jeder Einzelne, ob er wirklich die Regeln befolgt, oder eben einen Ego-Trip durchzieht. Kapale verrät via Lippe-Kick ehrlich wie ein Geistlicher: „Obwohl die Spielabsetzungen noch nicht lange her sind, kommt einem der Fußball ganz weit weg vor“, bezeichnet er die aktuelle Situation als „komisch und surreal.“ Auch ihm fällt es schwer zu glauben, dass in naher Zukunft die Kugel im Amateurbereich rollen wird, lässt er sich bestimmt allzu gerne positiv überraschen.

 

Leistungs- und Ergebnis-Steigerung in der Vorbereitung

 

Dabei lief es doch sportlich so hervorragend für den TuS Lipperreihe, der es nach der langen Winterpause mit einem Großkaliber zu tun bekam. Der Tabellennachbar TuS Ahmsen, ein exzentrischer Widersacher, wurde vorstellig, mit einem 3:1 relativ eindeutig in die Schranken verwiesen. Kapale spricht von einem „sicherlich ordentlichen Sieg“, war die Erleichterung gewiss spürbar, denn die Vorbereitung verlief für ihn „durchaus holprig.“ Am 5. Februar 2020 haben die Fulland-Jungs zum ersten Mal im neuen Jahrzehnt getestet, gab es gegen das Spitzenteam aus der Bezirksliga 2, den TuS 08 Senne, eine 2:3-Heimniederlage. Auch drei Tage später unterlag La Furia Roja, dieses Mal mit 1:3 beim TuS Friedrichsdorf, dem Schlusslicht dieser BL2-Spielklasse. Rechtzeitig fing sich Lipperreihe, ergebnis- und leistungsmäßig, gewann die vier folgenden Testpartien allesamt, gegen den TSV Amshausen (Kreisliga A Bielefeld) mit 3:1, gegen den FC Gütersloh II (Kreisliga A Gütersloh) mit 1:0, GW Varensell (Kreisliga B Gütersloh) wurde mit 6:2 deklassiert und im finalen Probematch gegen den SJC Hövelriege (Kreisliga A Paderborn) behielt man mit 2:0 die Oberhand. Kapale hat erkannt: „Wir sind erst zum Ende besser in Fahrt gekommen. Körperlich waren wir gut beisammen, spielerisch ist sicherlich noch überall Luft nach oben“, hat Chefcoach Frank Fulland aber sicherlich die Vorbereitung nicht auf spielerische Glanzpunkte in den Testspielen ausgelegt.

 

Identifikation als Erfolgsinstrument

 

„Vor der Saison haben wir gescherzt, dass man früher Mannschaften mit A-Jugendlichen ergänzt hat – bei uns war es eher umgekehrt. Wir haben eine etwas ältere A-Jugend, ergänzt mit dem ein oder anderen erfahrenen Spieler“, tut diese jugendliche Unbekümmertheit dem Verein aus dem knapp 3000 Einwohner-Ort spürbar gut. Dass die eigene Jugend so ausgezeichnet kicken kann, bezeichnet Kapale als einen „absoluten Segen und auch alternativlos.“ Er wirft einen Blick in seine eigene Vita, als es ihn vor knapp sechs Jahren selbst zum A-Liga-Spitzenteam mit der schönen Tribüne und dem Kunstrasenplatz zog. „Wir hatten 2014 eigentlich eine überragende Truppe mit einem erstklassigen Trainer. Aus unterschiedlichen Gründen hat es aber dann leider nicht funktioniert, sodass es auch die Jahre danach zu viel Fluktuation gekommen ist.“ Die grassierenden Probleme hat Timo Kapale schnell erkannt: „Wenn man jedes Jahr nahezu eine neue Truppe aufbauen muss, ist es natürlich schwer, etwas entwickeln zu können.“

 

Bock auf Fußball und Vereinsarbeit

 

Die Gegenwart ist kein Vergleich zur jüngeren Vergangenheit, als viele externe Spieler den Kader bildeten, die Identifikation zum Verein und zum Ort möglicherweise in einem nicht ganz so weiten Entwicklungsstadium war. Es gibt Beispiele für diese keineswegs verwegene These: Nach einem harten Training über zwei Stunden im Hochsommer bauten die Jungs noch gemeinschaftlich die neue Verkaufshütte auf. Oder: Beim internationalen U10-Hallenturnier mit Rundum-Bande im Januar verkauften die TuSL-Spieler den kompletten Tag Brötchen, Kaffee und Kuchen. „Das ist toll und hat was vom traditionellen Vereinsleben“, lobt der ehemalige Chefcoach vom TuS Lipperreihe solch eine Verhaltensweise, die leider keineswegs mehr Normalität im heutigen Amateurfußball, auch in Lippe, ist. Was man den blutjungen Fußballern auch zugestehen muss: „Natürlich haben die Jungs aufgrund ihres jugendlichen Alters auch mal Dinge im Kopf, die nicht unbedingt etwas mit Fußball zu tun haben. Das ist für uns auch vollkommen okay und man muss damit umgehen können.“ Kapale (Bild rechts) möchte trotzdem nicht verhehlen: „Das war auch für das Trainerteam eine Erfahrung und ein Prozess, in dem man erst reinwachsen musste.“ Hilfreich war es hier aber, dass schnell und intensiv miteinander gesprochen wurde, um mögliche Unklarheiten frühzeitig aus dem Weg zu räumen.

 

 

TBV Lemgo mit dem Tick mehr Erfahrung

 

Schon Borussia Dortmund-Legende Adi Preißler wusste: „Entscheidend ist aufm Platz”, bietet die Lipperreiher Mannschaft aus sportlichen Gesichtspunkten für jeden Coach traumhafte Zustände. Kapale erklärt: „Die Spieler sind sehr wissbegierig und machen in fast jeder Einheit richtig Dampf. Da ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen“, hängt der Himmel in Lipperreihe wohl auch zukünftig voller Geigen. Was völlig logisch ist, mit Blick auf die ungeheure Jugendlichkeit beim TuS Lipperreihe: Die Erfahrungswerte werden in der einen oder anderen kniffligen Situation auf dem Spielfeld, besonders im letzten Spielfelddrittel, schmerzlich vermisst. Die klare und berechtigte 0:2-Heimniederlage gegen den Aufstiegsfavoriten TBV Lemgo hat hier definitiv die Augen geöffnet. „Sie haben zwar auch keine alte Mannschaft, aber eben Spieler, die mehrere Jahre im Jugendbereich deutlich höher gespielt haben oder auch schon ein, zwei Jahre mehr Seniorenerfahrung haben“, macht sich dieser Vorteil oft auch entscheidend bemerkbar. Beim 1:1 in Leopoldshöhe war die Glücksgöttin Fortuna mit den Rot-Weißen im Schlepptau, hadert Kapale doch in der Retro-Perspektive: „Auch in Leopoldshöhe fehlte uns eine ordnende, ruhige Hand und der dortige Punktgewinn war mehr als glücklich.“ Sein Wunsch: „Vielleicht können wir da im kommenden Jahr eine kleine Anpassung durchführen, aber nur, wenn es Sinn macht.“

 

„In jedem Spiel kann alles passieren!“

 

Es ist die glasklare Wahrheit: Auf Kreis- und Bezirks-Niveau ist die fußballerische Qualität im FLVW-Kreis Bielefeld definitiv höher als im Fürstentum Lippe. Kapale betont dies ausdrücklich. Da ist es doch nur mehr als praktikabel, dass Lipperreihe geografisch unmittelbar an den Kreis Bielefeld anschließt. Ähnliches gilt für den Kreis Gütersloh, weshalb das Trainerteam um Fulland, Weigmann und Kapale ganz gezielt Kontrahenten aus diesen beiden Regionen in der Vorbereitung auswählt. „Wir haben da immer eine gute Auswahl an Gegnern und zudem kurze Wege. Darüber hinaus gibt es dort auch immer ein paar interessante Kicker“, zählt Timo Kapale die Vorteile von diesem Auswahlverfahren auf. Momentan liegt Lipperreihe mit 44 Punkten an dritter Stelle, weist somit zwei Zähler weniger als der Klassen-Streber SC Bad Salzuflen und ein Punkt weniger als der TBV Lemgo auf. Kapale möchte ganz gezielt seinem Team keinen Aufstiegsdruck auferlegen, hält sich daher mit Kampfaussagen merklich zurück, sagt nur mit freier Sicht auf das große Ganze: „Tabellarisch gesehen kann man sagen, dass es mehrere Gruppen gibt, die jeweils nah beieinander liegen. Zwischen den Gruppen sind immer ein paar Punkte Abstand.“ Die enorme Unwägbarkeit ist ein Merkmal dieser A-Lemgo-Spielklasse, steigert dies natürlich auch die Spannung: „Ich glaube, dass in jedem Spiel immer alles passieren kannegal, wer gegen wen spielt.“

 

„Wir wollen viele Spielformen, viel Wettkampf.“

 

Um auch am Saisonende tatsächlich auf dem gewünschten Rang einzulaufen, zudem ebenso den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, sind die physischen Voraussetzungen außerordentlich wichtig. Dementsprechend macht Timo Kapale auch überhaupt keinen Hehl, was ihm wichtig ist: „Wir legen viel Wert auf körperliche Fitness. Das ist in der Kreisliga die halbe Miete. Da wir aber auch Fußball spielen wollen“, legt er die Betonung auf „spielen“, ist das Spielgerät ein treuer Freund und Helfer. Was sind denn die Inhaltsstoffe für den Trainingsalltag? „Viele Spielformen, viel Wettkampf. Da wir stets eine sehr hohe und gute Trainingsbeteiligung haben, können wir sehr spielnah trainieren.“ Insbesondere die taktischen Aspekte stehen im Vordergrund, sollen diese künftig gezielt angegangen werden. Kapale findet anerkennende Worte für den Jüngsten aus dem Trainer-Trio: „Vor allem Marco Weigmann (Bild rechts) als spielender Co-Trainer hat hier viele Ideen und Ansätze, die er einbringt und die Jungs so weiter entwickelt.“ Die Quintessenz für den leidenschaftlichen 1. FC Köln-Anhänger ist klar: „Es macht im Verein und mit der Mannschaft Spaß. Es entsteht etwas und der Weg ist noch lange nicht abgeschlossen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren steht kein Umbruch an und die Mannschaft bleibt zusammen“, könnte diese personelle Kontinuität mittelfristig tatsächlich zum Sprung eine Etage höher behilflich sein. Was allerdings über allem steht: „Es bleibt zu hoffen, dass wir irgendwann einfach wieder auf dem Platz stehen können und Fußball spielen.“

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