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Historisch

Unvergessene Vereine – TuS Humfeld

Sogar einen Olympia-Teilnehmer stellte der TuS Humfeld. Die Frauen sollten kurz weghören. Der leibhaftige Humfelder Joachim Drews verrät uns nämlich seine große Liebe.

 

„Man hatte Bauchschmerzen vor Lachen“

 

Unvergessene Vereine (hk). Die Neckereien zwischen dem TuS Bega 09 und dem TuS Humfeld 1911 sprachen sich Anfang der 90er Jahre bis in das ferne Heiligenkirchen herum. Der Autor dieser Zeilen genoss und genießt das Privileg, dass der allseits bekannte Begaraner Dichter und Denker Friedo Petig den Onkel-Status innehat. Bei Familientreffen wurden die benachbarten Humfelder oft geneckt, dies jedoch auf eine liebevolle Art und Weise. Joachim Drews, Obmann der SG Bega/Humfeld, ist mit der Humfelder Erde gesegnet und mit dem Wasser aus dem Fluss Bega getauft worden, so munkelt man. Der sprachgewandte wie leidenschaftliche Drews ist ganz verliebt in seinen Humfelder-Sportverein. Für diese Wahrnehmung wird kein Psychologie-Grundstudium benötigt.

 

 

 

Von Henning Klefisch

 

Drews ist besoffen vor Glück, wenn er an den Kultverein aus dem 1800-Seelen-Ort in der Dörentruper-Prärie denkt, beurteilt er in einem Hauch von Euphorie: „Der TuS Humfeld ist der geilste Club der Welt. Wer einmal diesen rot-weißen Virus innehat, wird ihn nicht mehr los“, ist dieser Humfeld-Erreger selbst ohne Kontaktbeschränkungen allzu gerne übertragbar. Diese Faszination wird nicht mit dem Klapperstorch transportiert. Der TuS Humfeld war sportlich breit aufgestellt. Neben Handball, Fußball, Leichtathletik und Turnen war auch der weiße Sport, Tennis, möglich.  Zur Turnkunst: Artistische Übungen am Barren vollzog Ernst Siemonsmeier, ein Humfelder Turner, der anno 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin seine Akrobatik der Weltöffentlichkeit präsentierte. Ausgesprochen beliebt bei den laufstarken Zeitgenossen ist auch der Humfeld-Marathon, der jedes Jahr im November gelaufen wird. Als noch der Vokuhila bei der stylischen Bevölkerung angesagt war, im östlichen Teil von Deutschland die realsozialistische Einparteiendiktatur dominierte und unsere Fußballer zweimal in Folge Vize-Weltmeister wurden, erlebte auch der Marathon im Dörentruper Ortsteil seine Hochzeit. Richtig: Wir sprechen von den wilden 80er Jahren. 300 Läufer kamen aus der gesamten Bundesrepublik in das kleine Dorf. Der 57-Jährige ruft sich ins Gedächtnis: „So viele Autos hatte ganz Humfeld nicht.“

 

 

„Sind 500 Meter zum Sportplatz mit dem Bus gefahren“

 

Der Fußball blieb dennoch die Nummer eins im Humfelder Turn- und Sportverein, kickten zeitweise drei Senioren-Teams für den kleinen Ort. In den 80er Jahren wurde mit dem Sprung in die Bezirksklasse auch der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte eingetütet, führte Coach Peter Schulz die Mannschaft in höhere Weihen. Die Unterstützung im Dorf war grandios, kamen bis zu 300 Fans zu den Partien. Selbst für weitere Auswärtsfahrten wurde ein Bus geordert. Zwischen 1983 und 1987 hielten sie die lippische Fahne überkreislich in die Höhe. In der Erinnerung lebendig für Drews: „Klasse war auch, als unsere Dritte gegen unsere Zweite spielen musste. Da das für die Dritte ein Auswärtsspiel war, haben sie sich am Humfelder Hof getroffen und sind die 500 Meter zum Sportplatz mit dem Bus gefahren. War schon geil“, lacht sich die lippische Frohnatur ins Fäustchen. Als Fußball-Legenden wie die Lindemänner (Frank, Andreas, Rüdiger und Volker), die Eickermänner (Helmut und Ewald), Dettmer, Drews und Dirßuweit noch ihr Können demonstrierten, fand der TuS Humfeld Eingang in die lippischen Geschichtsbücher. Zusammen mit dem TuS Horn-Bad Meinberg war der TuS das erste Team, das den Supercup ausspielte. Das gravierende Problem: „Leider haben wir verloren. Paule Brinkmann hat uns damals den Zahn gezogen“, war gegen diesen Ausnahmekönner kein Kraut gewachsen.

 

Welt- und Europameister zu Besuch in Humfeld

 

Das größte Match in der mittlerweile 109-jährigen Humfelder Vereinsgeschichte spielte sich im Jahr 1985 gegen die Uwe Seeler-Traditionsmannschaft vor 2500 Zuschauern ab. Der Ort des Geschehens: Der heimelige Sportplatz an der B66 in Humfeld. Mit 2:7 unterlagen die Nordlipper den ehemaligen Fußball-Profis, auch Welt- und Europameistern, wie Uwe Seeler, Wolfgang Overath, Erwin Kremers, Bernd Hölzenbein, Siegfried Held, Rolf Rüssmann und Lothar Emmerich. Joachim Drews, wahrlich kein Kostverächter und Leisetreter, bekommt feuchte Augen, wenn er an dieses Erlebnis zurückdenkt: „Die dritte Halbzeit im Zelt war allerdings das Beste. Mit denen zu essen und zu trinken, war genial. Was der Overath da alles erzählt hat – in seinem kölschen Dialekt – da hatte man Bauchschmerzen vor Lachen.“ Das Lachen wird ihm spätestens vergangen sein, als die Humfelder nach den glorreichen 80er Jahren immer tiefer abstürzten – hinab bis in die B-Liga, wo sie auch heute noch sind. Dies seit 2009 in einer Spielgemeinschaft mit Bega. Dort rangierte die SG vor der Corona-Pause auf dem zweiten Rang, weist aber den besten Punkteschnitt der B1 Lemgo auf. Die Schlussworte bleiben dem fußballverrückten Drews: „Was bis heute noch Bestand hat. In unserem Vereinslied heißt es: Aber eins, das bleibt bestehen, der TuS Humfeld wird nie untergehen. Das sagt, glaube ich, alles aus, denn die heutige Generation hat auch diesen Virus – nicht Corona“, schmunzelt er salopp im Lippe-Kick-Gespräch.

 

 

Bild- und Textquelle: Joachim Drews.

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