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Historisch

Historisch – Spielvereinigung Hagen/Hardissen

Während in den vergangenen Jahren vermehrt Spielgemeinschaften wie Pilze aus dem Boden schossen, war dies wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg eher ein selten anzutreffendes Phänomen. Timo Hasenjäger blickt auf das Anfangsstadium im Historisch-Bericht bei Lippe-Kick zurück.

 

 

 

 

Geschickt am Ball und am Schläger

 

 

Historisch (hk). Wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg war es dann endlich soweit. Der SV Hagen und der TuS Hardissen fusionierten 1953  zur SpVg Hagen Hardissen. Wie kam es dazu? Als nach dem unseligen Krieg die Gemeinden Hagen und Hardissen durch Flüchtlinge aus den Ostgebieten und evakuierten Bombengeschädigten aus dem Ruhrgebiet zahlenmäßig stark angewachsen waren, reifte 1948 der Gedanke, in Hagen einen Fußballverein zu gründen.

 

Von Henning Klefisch

 

 

Es fanden sich schnell junge Menschen, die teilweise schon bei benachbarten Vereinen spielten, und man gründete den Sportverein Hagen (SV Hagen). Unter der Leitung von Ernst Heil sen., A. Bertram sen., Gustav und Ernst Heumann, sowie T. Beulen, spielte man in roten Trikots und roter Hosen auf den Sportplätzen der Nachbarvereine. Aber schon 1949 schaffte man nicht nur die Herbstmeisterschaft, sondern hinter der alten Schule wurde ein Sportplatz geplant, der 1950 eingeweiht wurde. Dort bolzten zum ersten Mal auch die Sportler vom TuS Hardissen 1950. Wollte man doch den Hagenern Nachbarn nacheifern und gründete dort den Turn- und Sportverein Hardissen von 1950. Es sollte geturnt und Fußball gespielt werden. Zugleich war es der 100. Sportverein des damaligen lippischen Turn- und Sportverbandes. Da die Gemeinde Hardissen kein geeignetes Land für einen Sportplatz sein Eigen nannte, zog man im Herbst mit den Toren von Ährenfeld zu Ährenfeld. Im Frühjahr und Sommer wurde auf dem Sportplatz auf dem Lager Berg oder auf den Plätzen benachbarter Vereine Fußball gespielt. Zu den Auswärtsspielen bei nahegelegenen Vereinen fuhr man mit dem Fahrrad, zu weiter entfernten Vereinen musste ein LKW die Sportler befördern. Doch auf Dauer war dieser Zustand unmöglich, zumal man nun schon drei Mannschaften hatte. Als im Februar 1953 eine kombinierte Mannschaft vom SV Hagen und TuS Hardissen gegen eine Elf vom VfL Lieme ein gutes Spiel zeigte, erkannte man, dass eine Vereinigung beider Vereine viele Kopfschmerzen der Vorstände beheben und dem Fußballsport eine spielstarke Mannschaft zur Verfügung stellen würde. Auch die meisten Mitglieder beider Vereine stimmten diesem Vorschlag zu, und man löste die Vereine auf. Am 10. Juli 1953 fanden sich im Dorfkrug in Hagen 104 Mitglieder des SV Hagen und des TuS Hardissen ein, um die heutige SpVg Hagen Hardissen zu gründen. Alle Anwesenden hatten nur den einen Wunsch, dass diese Vereinigung eine gedeihliche Aufwärtsentwicklung nehmen möge. Die Vereinsfarben sollten rot und blau sein. Die neu gebildeten Mannschaften fanden sich schnell zusammen und nach der Herbstserie 1953 stellten sich diese Spieler als Herbstmeister gerne dem Fotografen.

Spannender Dreikampf im Aufstiegsrennen

 

Vor exakt einem halben Jahrhundert, wir schreiben das Jahr 1970, schaffte die Hagen/Hardisser-Jugend den Sprung in die Sonderklasse, dies bei einem vorzeigbaren Torverhältnis von 95:20 und 35:5 Punkten. Währenddessen haben die Seniorenkicker um den Sprung in die Kreisklasse 2 gekämpft. Man kürte sich zum Vizemeister, was zu einer Aufstiegsrunde mit Mosebeck und der Spielvereinigung Niese-Falkenhagen berechtigte. In Runde eins war Ausgeglichenheit ein gewichtiges Thema, gab es für jede Mannschaft jeweils einen Sieg und eine Niederlage. In der nächsten Runde feierte Hagen/Hardissen einen glanzvollen 7:1-Kantersieg über Mosebeck, ehe das Final-Match gegen Niese-Falkenhagen mitten in die Urlaubsperiode fiel. Respektabel: „Heinrich und Jürgen Beulen verschoben dafür extra den Urlaub und verhalfen ihrem Team auf dem neutralen Platz in Donop zu einem 3:1-Sieg und zum Aufstieg in die Kreis-Klasse 2, berichtet Timo Hasenjäger, der in diesem Zusammenhang vor allem Coach Manfred Tannhäuser und Fußball-Obmann Helmut Kerkhoff rühmt, die beide entscheidend für den Erfolg verantwortlich waren.

Hagen/Hardissen als Sprungbrett für Arminia Bielefeld

 

Selbst die Tischtennis-Giganten schlugen zu. Mit einer exzellenten Vor- wie Rückhand spielte sich die erste Damen-Mannschaft hinauf in die Verbandsliga. Mit den Füßen wusste man bei der Spielvereinigung auch umzugehen. Ein Jahr später produzierte der Jugendfußball Positivschlagzeilen, wurde ein prominent besetzter D-Jugend-Wettbewerb mit Mannschaften wie Borussia Dortmund, Schalke 04, Wattenscheid 09, Arminia Bielefeld, TB Bonn, VfL Bochum und der Spielvereinigung Hagen/Hardissen durchgeführt. Sensationell bestritten die lippischen Gastgeber das Endspiel gegen den FC Schalke 04, was die Knappen nur äußerst knapp mit 2:1 für sich entschieden. Einige Kicker haben durchaus Karriere gemacht, wie Hasenjäger bei Lippe-Kick zu berichten weiß und Namen wie Manuel Roßblatt (Vertragsamateur, DSC Arminia Bielefeld), Tim Heuer (A -Junioren, DSC Arminia Bielefeld), Christian Martens (Westfalenauswahl-Spieler B-Jugend, DSC Arminia Bielefeld), Daniel Teksoz (A-Jugend Verbandsliga, SC Herford), Alexander Hafke (TBV Lemgo) aufzählt. Ende des vergangenen Jahrtausends, 1998, war die Mannschaftsstärke sehr reichhaltig, gab es neben zwei Seniorenteams auch eine Altherren-Mannschaft und jeweils eine A-,B-, C-, D- und E-Jugend, drei F-Jugend-Teams und eine Mini-Kicker-Mannschaft.

Viele Mitglieder und großes Zuschauerinteresse

 

Ebenso an der Platte war die Begeisterung groß, stellte die Tischtennis-Abteilung drei Herren-, vier Damenmannschaften, ein Jugendteam, gab es dazu im Bereich Gymnastik eine Mutter- und Kind-Turngruppe, Kinderturnen, dazu eine Fitness-, Badminton, Senioren-, Ballspiel-, Damen-Gymnastik- und Männer-Gymnastik- Gruppe. In Summe kamen 650 Mitglieder zusammen, was sich auch im Zuschauerinteresse niedergeschlagen hat. Was machte den Verein so besonders?, fragt Lippe-Kick den gesprächigen Timo Hasenjäger, der darauf wie folgt antwortet: „Das besondere Engagement der Vereinsmitglieder und Trainer zog das Interesse der Jugendlichen und Senioren an. Dazu die vielen Mannschaften und Turngruppen.“ Vorzeigbar: Bis 2002 vertrat Hagen/Hardissen die lippischen Farben in der Bezirksliga. Der sportliche Niedergang war beträchtlich, man erlebte eine unerwünschte Achterbahnfahrt. Nach elfjährigem B-Liga-Aufenthalt, in dem meist vordere Plätze belegt wurden, konnte man 2016 den Aufstieg in das Kreis-Oberhaus bejubeln. Es folgte jedoch der direkte Abstieg, sodass die Spielvereinigung seit 2018 in der niedrigsten Kreisliga fußballerisch verortet ist, dort erst den zweiten, dann den vierten Rang einnahm. Warum ist es sportlich denn in Summe weniger geworden? Für Hasenjäger ist das eine stetige Entwicklung, wie er verdeutlicht: „Das ist leider der Lauf der Dinge, die einem Sportverein widerfahren. Vor allem, wenn aus fußballerischer Sicht die Spieler andere Wege einschlagen.“ Trotzdem: Die glorreiche Vereins-Historie bleibt für immer bestehen.

 

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