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Historisch

RSV Hörste – Historisch: Müller-Männer mutieren zu Legenden

Sie haben es sich verdient. Lippe-Kick stellt die Vereine näher vor, blickt in die Vereinsannalen. Hier haben wir die beiden Bezirksliga-Aufstiege vom RSV Hörste im Visier.

Gemeinschaftssinn, Talent und Schlitzohrigkeit als Erfolgstugenden

 

Historisch (hk). Außergewöhnlich kurzweilig liest sich die Vereins-Historie vom RSV Hörste. Zwei Bezirksliga-Aufstiege 1970 und 1992, dazu einige A-Liga-Aufstiege. In diesem Jahr feiert der Rasensportverein seinen 100. Geburtstag. Am 25. Februar 1920 trafen sich nämlich 16 interessierte junge Männer, um im „Hörster Krug“ den Sportverein aus der Taufe zu heben. Der 1. Weltkrieg war gerade so verraucht, auch viele Hörster sind diesen schrecklichen Gefechten zum Opfer gefallen. In der RSV-Vereinschronik steht vielsagend: „Trotz dieser schlechten Bedingungen aber gab es sportbegeisterte Menschen, die wieder nach Möglichkeiten suchten, sich gesund zu erhalten und sich in friedlichen Wettkämpfen zu messen.“ Gustav Schapeler ist zum ersten Vereins-Boss gewählt worden. Das Ziel: Es sollte „mit Fußballspielen und anderen Bewegungsspielen das Interesse in der Bevölkerung geweckt werden.“ Ein sinnvoller Zeitvertreib, der auch später zu Erfolgen führen wird.

Dieser Bericht wird präsentiert von:

 

Von Henning Klefisch

 

Lippe-Kick hat insbesondere die beiden Sprünge in die Bezirksliga im Blick. In beiden Fällen ist es Waldemar Müller, der die Schwarz-Weißen zu höherklassigen Weihen führte. 1970 gelang zum ersten Mal das Bezirksliga-Erlebnis. „Wir hatten eine gute Mischung zwischen Alt und Jung. Wir waren einfach dran mit dem Aufstieg, waren so gut, hatten es verdient“, betont der Aufstiegsheld Ernst Walter. Im Vorjahr scheiterte Hörste noch knapp am VfL Hiddesen. Zusammen mit Rolf Meier und Manfred Schmiedeskamp, der später in der Landesliga für SuS Lage spielte, kam Walter 1967 aus den A-Junioren in die erste Mannschaft. Beachtlich: Einzig dieses Nachwuchs-Trio war jünger als der damals erst 23-jährige Coach Waldemar Müller. Ernst Walter weiß noch: „Als er eingestellt wurde, wurde gesagt: Mensch, der ist ganz schön jung.“ Dennoch hielt er Hörste drei Jahre lang in der Bezirksliga, ehe es ihn zum SuS Pivitsheide weiterzog. Warum so jung? Ganz einfach, Waldemar Müller, ein Fußballer durch und durch, hatte sich eine Verletzung zugezogen, konnte nicht mehr kicken. Um seiner Leidenschaft weiterhin verbunden zu bleiben, machte er den Trainerschein. Eines Tages saß er im Gemeindebüro Pivitsheide V.L. auf seiner Arbeitsstelle, als plötzlich RSV-Obmann Siegfried Klarholz hereinmarschierte, direkt mit der Tür ins Haus fiel: „Wir suchen einen Trainer.“ Müller dachte zunächst, dass hier die Jugend gemeint sei. Als schnell die Sprache auf die erste Mannschaft kam, betonte der Umworbene: „Sie sehen, wie alt ich bin.“ Für Klarholz kein Hindernis, um es doch nicht einmal zu versuchen: „Probieren wir einmal, wie es funktioniert. Wir machen ein Probetraining.“ Da sich Waldemar Müller hier achtbar schlug, wurde er – völlig ungewöhnlich in der damaligen Zeit – mit nur 23 Jahren zum neuen Chefcoach vom RSV Hörste ernannt, dies im Jahr 1969.

 

Kasernen-Flucht, um zu coachen

 

In seiner ersten Saison errang er direkt den A-Liga-Titel. Sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt stellen, möchte er jedoch nicht. „Das lag nicht nur an mir. Wir zeigten eine recht reife Leistung. Einer musste das Spiel von der Linie aus anleiten, wichtige Tipps geben, die Stärken kanalisieren.“ Gerade einmal zwei Minuspunkte erlitt man, dies gegen den SV Eintracht Jerxen/Orbke. „Wir hatten uns 90 Minuten so schwergetan“, berichtet der Aufstiegstrainer. Selbst wenn es vielleicht etwas abgenutzt klingen mag, doch auch damals war der Zusammenhalt das wichtigste Erfolgskriterium. Noch viele Stunden nach dem Spiel saßen die Kicker in der Gaststätte Burmeier zusammen, tranken Bier, sprachen über das Match, über Frau und Kinder. Die Familie war auch dabei, saß allerdings im Hauptraum, während die Kicker sich in einem Nebenraum zurückzogen. Damals wollte man als Mannschaft unter sich sein. Müller war ein Trainerfuchs und ein Schlitzohr gleichermaßen. Während seinem ersten Trainerjahr in Hörste war er noch bei der Bundeswehr. Um zu coachen, ist er aus der Kaserne geflohen. Ungünstig: Von einem Zuschauer wurde er daraufhin denunziert. Oberfeldwebel Stahl, ein großer Fußball-Fan, strich daraufhin den Namen Waldemar Müller von der Liste „Besondere Vorkommnisse“ weg. Schmunzelnd gab er ihm dabei mit auf den Weg: „Da hast du Glück gehabt. Ansonsten hätte ein Disziplinarverfahren gedroht.“ Kurios: Der Oberfeldwebel ging sogar in den Kasten, weil die Torwartposition nicht adäquat ausgefüllt war, siegte mit dem Spielertrainer Müller zunächst bei der Bataillonsmeisterschaft. Wenig später bedankte sich Müller auf seine Art und Weise, coachte seine Bataillonsmannschaft zudem zur Brigade-Meisterschaft im Bundeswehrinternen Wettbewerb.

 

Strohdiek und die Fußball-Töppen

 

Beim Rasensportverein spielten einige Galionsfiguren. Wie etwa Goalgetter Manfred Büker. Walter schmunzelt: „Er trainierte kaum, doch erzielte seine Buden. Er meinte wohl, er brauche das nicht. Die Trainer konnten an ihm nicht vorbeigehen. Sie konnten sich das nicht erlauben, ihn nicht aufzustellen, weil er die Tore gemacht hat.“ In der Defensive galt Herbert Havergo als ein prächtiger Haudegen. Er war wohlgenährt, daher äußerst stabil, ließ entweder den Ball oder den Gegner an sich vorbeilaufen, aber selten beide gleichzeitig. Schnell war er nicht, dafür jedoch zweikampfstark, mit einer guten Übersicht ausgestattet. Manfred Wiemann verfügte da schon eher über die nötigen PS, liebte die direkten Duelle Mann gegen Mann, war taktisch diszipliniert und erledigte „verlässlich und erfolgreich seine Abwehrorder“, wie es Ernst Walter formuliert. Ein unnachahmlicher Techniker war Manfred Schmiedeskamp, der bei einigen Gegenspielern für einen Drehwurm sorgte, weil er sie schwindelig spielte. Dank seiner hohen Spielintelligenz löste er enge Situationen auf dem Spielfeld clever  und bescherte dank seiner Passschärfe genügend Räumlichkeiten für seine Mitspieler. Leopold Brinkmann, seinerzeit Vereins-Boss der FSV Pivitsheide, setzte sich dafür ein, Karl-Heinz Strohdiek den Titel als „Bester Fußballer der 1. Kreisklasse Detmold“ zukommen zu lassen. Lautstark rief Brinkmann in den Saal beim Festkommers zur 50-Jahr-Feier vom RSV Hörste in Richtung Strohdiek: „Er soll nächste Woche bei mir im Geschäft vorbeikommen und sich ein Paar Fußballschuhe gratis abholen.“

 

JHV-Protokoll im Original

 

Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 8.1.1971 (siehe Anlage!), der sich u. a. rückblickend mit dem 1970 erfolgten Aufstieg der 1. Mannschaft befasst.

 

 

Der Text in dem Auszug lautet:

 

“Fußballobmann Siegfr. Klarholz führte aus, daß der Wunsch zum Aufstieg in die Bezirksklasse in Erfüllung gegangen sei. Die 2. Mannschaft erreichte in der Serie 1969/70 den 4. Platz. Auf Sportfesten wurden viele Freundschaftsspiele erfolgreich ausgetragen. Durch Verletzungen und Bundeswehr war Start in der Bezirksklasse nicht sehr erfolgreich, die Mannschaft errang trotzdem einen guten Tabellenplatz. Das zweimalige Training wöchentlich wird sehr gut besucht. Die Rückserie beginnt am 10.1.71. Er dankte Trainer Müller u. den Mannschaften und wünschte für die Rückserie viel Erfolg. Aus den Ausführungen des Trainers, Herrn Müller, war zu entnehmen, daß das 1. Ziel, der Aufstieg, erreicht sei, das 2. Ziel müsse jetzt der Klassenerhalt sein. Sein Dank galt den Spielern, dem Vorstand u. den Zuschauern für die gute Unterstützung.”

 

 

 

Im zweiten Gang zu spät zu Sohnemann’ s Taufe

 

In der Aufstiegs-Saison spielte noch der ruhmreiche TuS Langenholzhausen in der Bezirksliga Lippe-Höxter. Die selbstbewussten Kalletaler waren damals Tabellenführer. Müller, ein feinfühliger Coach, kitzelte seine Spieler. In diesem Spiel setzte er den Kämpfer Manfred Tomborowski und die Tormaschine Siegfried Schlepper zunächst auf die Ersatzbank. Die Devise war klar: „Wir lassen sie die erste Halbzeit austoben. Dann kommen die beiden rein und machen das Ding klar.“ Genauso sollte es kommen. Nach einem torlosen ersten Durchgang, wechselt Müller Tomborowski und Schlepper ein. Schlepper trifft dreimal, Tomborowski einmal per Elfmeter. „Paukenschläge in der Bezirksliga, Hörste gewinnt 4:0 in Langenholzhausen“, titelte daraufhin die Lippische Rundschau. Am selben Tag ließ sich der Sohn von Müller taufen. Der juvenile Übungsleiter, ein Fußballer durch und durch, wollte am Nachmittag dennoch seine Mannschaft im entfernten Kalletal coachen. Als er nach dem siegreichen Match mit seinem Auto nach Hause fahren wollte, bekam er den dritten und vierten Gang nicht hinein, weshalb er die knapp 60 Kilometer weite Strecke per zweitem Gang nach Hause juckeln musste. Die bittere Konsequenz: Erst am Abend kam er zurück und musste sich von seiner Mutter anhören: „Hätte ich das vorher gewusst, dann wäre ich nicht gekommen.“ Es folgten auch Stationen beim SuS Pivitsheide, beim Bezirksligisten SV Wüsten und bei der TSG Holzhausen/Sylbach, mit der er ebenfalls die A-Liga-Meisterschaft errang.

 

 

Herzschlag-Finale gegen SuS Pivitsheide

 

 

1990 kehrte er zu seinem Herzensverein zurück, schaffte das Husarenstück nur zwei Jahre später. Er stieg auf. Ungewöhnlich: „Ich traf die Söhne von den Aufstiegshelden von 1970. Zum Beispiel Olschinka oder Zamzow. Die Wiemänner waren ebenfalls dabei. Klaus und Jürgen Wiemann, da war Manfred der Onkel“, waren seine neuen Aufstiegshelden quasi die nächste Generation. Punktgleich mit dem SuS Pivitsheide beendeten die Hörster die Spielzeit 1991/92 (siehe: https://www.lippe-kick.de/tabelle/kreisliga-a-detmold-1991-1992/). Ein Entscheidungsspiel am Lagenser Werreanger musste her. Die Kulisse war bombastisch, denn 2600 Zuschauer kamen, ließen sich selbst von einer kurzen Regenschauer nicht davon abhalten. Die Fans hatten Fahnen dabei, Radio Lippe berichtete live, dazu kam der Derbycharakter. Fußballherz, was willst du mehr? Waldemar Müller ruft sich im Lippe-Kick Gespräch ins Gedächtnis: „Das Match war relativ ausgeglichen, es ging in die Verlängerung. Durch Elfmeterschießen zugunsten von Hörste wurde die Partie entschieden.“ Stammkeeper Peter Kronshage war für dieses Spiel nicht verfügbar, weshalb der jüngste Feldspieler Marco Walter, Sohn von 70er-Aufstiegsheld Ernst Walter, zwischen die Pfosten rückte, den Elfmeter von SuS-Schützen Detlef Ernst glänzend parierte. Vor dem so wichtigen Elfer, der Eingang in die Hörster-Vereinschronik finden sollte, waren Zweifel beim RSV Hörste Trumpf, denn keiner fühlte sich zunächst in der Lage, den sechsten Elfmeter zu schießen. Diesen auch möglichst zu verwandeln. „Wenn keiner schießen will, müssen wir das herschenken“, erklärte Müller provokant in Richtung seiner Schützlinge. Bodo Zamzow fasste sich letztlich ein Herz und verwandelte kalt wie eine Hundeschnauze zum 6:5-Sieg nach Elfmeterschießen gegen die Pivitker. Damit gelang der Sprung in den überkreislichen Fußball.

 

 

 

Bild- und Textquelle: Heinz Walter, Ernst Walter, Dirk Klocker, Westfalen-Blatt, Lippische Landeszeitung.

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