Connect with us

Interviews

FLVW-Boss Walaschewski: „Unsere Vereine haben Unglaubliches geleistet!“

Viele Fragen gibt es. Auf diese hat Gundolf Walaschewski klare Antworten gefunden. Lippe-Kick hat nachgehakt. Schaut es euch an.

„Der Fußball will seinen Beitrag dazu leisten.“

Interview (hk). Ende Oktober 2020 schlug diese Nachricht wie ein Meteorit in der Amateurfußball-Welt ein. Bis auf unbestimmte Zeit verhindern die steigenden Fallzahlen die Fortführung vom Spielbetrieb. Trotzdem: Die erneute Corona-Pause deutete sich bereits an. Zahlreiche Protagonisten, aber auch Lippe-Kick, waren geschockt, trübt diese Ungewissheit doch die Stimmungslage sichtlich. Diese schwerwiegende Entscheidung war allerdings alternativlos, was auch FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski im Lippe-Kick Gespräch bekräftigt.

 

Auf geht es. Bestellt und unterstützt somit die lokale Gastronomie!

Lippe-Kick: Hallo, Herr Walaschewski. Durch die Pandemie bedingt sind Sie in Bezug auf die Amateurligen zu immer neuen Änderungen gezwungen. Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation?

 

 

Gundolf Walaschewski (Bild links): „Die gegenwärtige Situation ist für uns alle neu, ungewohnt und natürlich nicht einfach. Vor allem unsere Vereine haben Unglaubliches geleistet und ihre gesellschaftliche Verantwortung nochmals unterstrichen. Damit meine ich nicht nur die Erstellung und Umsetzung von Hygienekonzepten und der Situation angepassten Trainingseinheiten. Damit meine ich auch die Organisation von Einkaufsdiensten für ältere oder kranke Mitglieder oder auch die Ausweitung von digitalen Angeboten für Vereinsmitglieder. Dass jetzt sowohl der Spielbetrieb als auch der Trainingsbetrieb wieder komplett aussetzen müssen, ist aufgrund der aktuellen Entwicklung der Zahlen durchaus verständlich. Auch der Fußball will seinen Beitrag dazu leisten, die Pandemie einzudämmen und keine Sonderrolle gegenüber anderen Bereichen einnehmen.“

 

Lippe-Kick: Obgleich es bei den Amateurspielen kaum Infektionen gegeben hat, ist die Saison unterbrochen, während in der Regionalliga West weiterhin gespielt werden kann. Welche Gründe waren für die Vorgehensweise ausschlaggebend?

 

Walaschewski: „Der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) unterstützt die Durchführung von regelmäßigen Corona-Testungen bei den im Spielbetrieb der Herren-Regionalliga West befindlichen Mannschaften. In Abstimmung mit den Vereinen führen die Mannschaften im Vorfeld eines jeden Ligaspiels mit allen am Spiel beteiligten Personen Tests auf das Coronavirus durch. Die Vereine der Regionalliga West haben dieser Maßnahme einvernehmlich zugestimmt. Nach Abstimmung des WDFV als Träger des Regionalligaspielbetriebes in Nordrhein-Westfalen mit der NRW-Landesregierung wurde bereits Anfang November festgelegt, dass die Herren-Regionalliga West als Spielklasse mit professionellen Strukturen anzusehen ist und unter Berücksichtigung der zunächst für diesen November gültigen Coronaschutzverordnung den Spielbetrieb fortsetzt.“

 

Lippe-Kick: Der Lockdown ist bis zum 20. Dezember 2020 verlängert. Was bedeutet dies für die Amateurligen im weiteren Saisonverlauf?

Walaschewski: „Es ist schwierig, in diesen unsicheren Zeiten Prognosen abzugeben. Wir werden die Situation immer wieder neu beurteilen und aufgrund dessen neue Entscheidungen treffen. In diesem Jahr wird allerdings kein Amateurfußball mehr stattfinden. Eventuelle Lockerungen im Trainingsbetrieb könnten zunächst den Jugendsport betreffen. Ein allgemeines Ziel ist es weiterhin, 50 Prozent der Spiele zu spielen und so eine Saisonwertung vornehmen zu können.“

 

Lippe-Kick: Die Amateurvereine hatten durch den Lockdown 2020 kaum Einnahmen. Inwieweit ist an eine Unterstützung gedacht?

Walaschewski: „Die Beantragung der “Soforthilfe Sport” ist bis zum 15. März 2021 verlängert worden. Damit gewährt das Land Nordrhein-Westfalen für die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie entstehende Unterdeckung eine Hilfe in Höhe von 60 Prozent des nachgewiesenen Förderbedarfs, höchstens jedoch 50.000 Euro. Die Förderung erfolgt in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses. Dies ist sicherlich eine wichtige Stütze für unsere Vereine. Darüber hinaus überlegen auch wir im FLVW weiterhin, wie wir Vereine unterstützen können. Die Aussetzung des Schiedsrichter-Solls o. ä. sind in diesem Zusammenhang zu nennen.“

 

Lippe-Kick: Viele Fußballvereine hatten circa 10 bis 20 Prozent ihrer Mitglieder durch Vereinsabmeldungen verloren. Auf welche Weise kann dies Ihrer Meinung nach wieder korrigiert werden?

Walaschewski: „Kündigungen von Vereinsmitgliedern können individuelle Gründe haben und sind aus der Ferne schwierig zu beurteilen. Deshalb sind wir gerade in den Planungen einer Mitgliederbefragung, um hier gesicherte Aussagen treffen zu können. Aber natürlich bitten auch wir als Verband alle Mitglieder sehr, ihrem Verein treu zu bleiben – gerade in dieser schwierigen Situation.“

 

 

Lippe-Kick: Die einzelnen Vereine sind auf gut ausgebildete Trainer angewiesen. Sind für Jugendtrainer und Betreuer zukünftig verstärkt Fortbildungsseminare geplant?

Walaschewski: „Wir erweitern unser Angebot hier stetig. In den vergangenen Monaten haben wir vor allem unser Online-Angebot weiter ausgebaut. Die Verlängerung der Lizenzen zum Beispiel erfolgt aktuell digital. Generell haben wir ein breites Portfolio an Maßnahmen. Dies beginnt mit Projekten wie „Only Girls“ oder der allgemeinen DFB-Junior-Coach-Ausbildung. So können wir schon früh jungen Menschen das nötige Handwerk vermitteln, um vor allem im Jugendbereich als Trainerin oder Trainer aktiv zu werden. Dies schließt neben den Lizenzen aber auch Angebote wie das DFB-Mobil oder zentrale und dezentrale Kurzschulungen ein. Der FLVW legt viel Wert auf eine gute Ausbildung von Trainerinnen und Trainern. Sie sind die Grundlage, um den Jugendfußball angemessen zu fördern und damit meinen wir nicht nur die fachliche Ausbildung. Auch Wertetraining und Fair-Play spielen in unserer Ausbildung eine große Rolle.“

 

Lippe-Kick: In vielen Kommunen mangelt es an geeigneten Sportplätzen und Hallenkapazitäten. Inwieweit sehen Sie Chancen, für ein verstärktes Engagement der einzelnen Kommunen trotz Finanzkrise?

Walaschewski: „Die Verbesserung der Sportplatz-Situation ist sicherlich für viele Kommunen ein wichtiges Thema. Wie die Finanzkapazitäten der einzelnen Kommunen aussehen, möchte ich nicht beurteilen wollen. Da auch noch nicht abzusehen ist, wie lange sich die momentane Situation auch auf die Wirtschaft auswirkt, wären jegliche Spekulationen ein Blick in die Glaskugel.“

 

Lippe-Kick: Seit mehreren Jahren hat bei den Fußballspielen die verbale und physische Gewalt gegenüber Spielern und Schiedsrichtern in großem Maße zugenommen. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung im Amateurbereich und was kann dagegen vom DFB unternommen werden?

Walaschewski: „Wir im FLVW dulden keine verbale oder physische Gewalt gegen unsere Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Wir stehen für das gemeinschaftliche Ausüben unseres Sports – und davon ist die Schiedsrichterin, der Schiedsrichter ein Teil. Wir unternehmen seit geraumer Zeit eine Vielzahl von Präventionsmaßnahmen, die von einem eigens geschaffenen „Arbeitskreis Gewaltprävention/Sicherheit/Fairplay“ gelenkt und weiterentwickelt werden. Diesem untersteht die Fachkraft “Gewaltprävention”, die 2020 ihre Arbeit aufgenommen hat und das ebenfalls im Jahr 2020 verabschiedete Konzept Gewaltprävention umsetzt. Dies beinhaltet auch die Anlaufstelle Gewaltprävention, eine zentrale Stelle, an die sich auch Opfer von Gewalt wenden können. Dies beinhaltet aber auch spezielle Schulungen für Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter und Vereinen zur Gewaltprävention. Gleichzeitig setzen wir hier ein deutliches Zeichen durch die Arbeit unserer Sportgerichte, die Angriffe auf Schiedsrichter mit voller Härte bestrafen und so ebenfalls zeigen, dass wir das als Verband nicht dulden.“

 

 

Lippe-Kick: Herr Walaschewski, Lippe-Kick dankt Ihnen für dieses Gespräch.

More in Interviews

%d Bloggern gefällt das: