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Abseits vom Platz

Abseits vom Platz – Teil 5: Jan Meier und sein Kampf gegen den Schnee

Egoismus ist Jan Meier fremd. Vorbildlich, wie er die Schneemassen erfolgreich beseitigt hat. Die Geschichte dazu erzählt Lippe-Kick hier.

 

„Ich konnte die Dorfbewohner etwas aufmuntern“

Abseits vom Platz (hk). Hossa, die legendäre Studentenzeit an der Privat-Uni in Hamburg. Kultige Feten mit Schicki-Micki-Chicks und ihren Chihuahua-Hunden, die edle Lacoste-Pullover tragen. Also die Vierbeiner. In den Diskotheken auf der Reeperbahn trug sich das alles Ende der Nuller-Jahre zu. Als schon die ersten Vögel den neuen Tag mit ihrer Gesangskunst ankündigten, gab es meist das gleiche Szenario mit dem stupiden Wortschwall. „Du, Hen, wenn ich nachts im Graben liege, würde ich gerne von dir abgeschleppt werden.“ Die prompte Replik: „Ach, geh mal in dein Bla-Bla-Car und komme klar.“ Richtig klar auf sein Leben kommt Jan Meier, 30-jähriger Torwart vom SV Diestelbruch/Mosebeck, dem man tatsächlich zum Abschleppen anrufen sollte, wenn es mal brenzlig wird. Der hilfsbereite Wahmbecker hat allerdings noch mehrere Dienstleistungen in petto. Stark: So beseitigte er in seiner Freizeit den Schnee von den Straßen in seinem Heimatort Wahmbeckerheide.

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Von Henning Klefisch

 

Der leidenschaftliche Borussia Mönchengladbach-Anhänger Jan Meier besitzt ein zupackendes Wesen. Er ist kein Künstler, kein Freigeist, eher einer, der malocht – auf und neben dem Platz. Als talentierter Fänger ist Meier eine echte Katze, der am Dörenwald für seine unverwechselbare Flugshow bekannt ist. Einige Ohs und Ahs hört man nicht nur vom Pöbelhügel, wenn der Charakter-Kicker durch seinen Strafraum hechtet. Zudem hält er das Kabinenklima intakt – mit seinem einnehmbaren, integrativen Wesen, seinem Potenzial als Gesellschafts-Promoter. Da er zudem noch Jugendobmann beim SV Di-Mo ist, fragt man sich als Laie, ob bei Meier der Tag wirklich nur 24 Stunden hat. Seine Brötchen verdient Meier im Straßenbau. In diesem Sommer sind es 14 Jahre, die er dort bis dato geschuftet hat. Für den Blondschopf ist es eine Berufung, diesem körperlich anstrengenden Job nachzugehen. „Das Spannende am Beruf ist die Abwechslung. Man macht eigentlich jeden Tag etwas anderes und ist immer draußen an der frischen Luft, was mir unheimlich viel Spaß macht.“

 

„Massen waren nur noch mit einem Bagger zu bekämpfen.“

 

An seine körperlichen und mentalen Belastungsgrenzen gelangte Meier Mitte Februar, als Frau Holle sich kräftig austobte. Schnee, wohin das Auge blickte, musste der Straßenbauer fleißig die kalte und weiße Niederschlagsmenge wegschippen. Sogar über die normale Arbeitszeit hinaus. Auch danach war für Meier noch längst nicht Feierabend, ging es in den heimatlichen Gefilden oder bei seinen Nachbarn weiter mit dem Kampf gegen die Schnee-Mengen. Er fragte sich: „Wohin damit?“ In diesen Tagen hatte Meier mehr Ränder als Augen, wurde der Schlafmangel auch optisch erkennbar. Uneigennützig, wie man ihn kennt, liegt ihm das Wohlergehen seiner Mitmenschen extrem am Herzen. Seine Erklärung klingt nachvollziehbar: „Die Idee mit dem Bagger kam eigentlich so über den Tag, wenn man sich so die Nebenstraßen angeguckt hat. Was wäre, wenn ein Notarzt oder andere wichtige Fahrzeuge da durch müssen. Es wäre nicht möglich gewesen. Die Massen waren nur noch mit einem Bagger zu bekämpfen. Und dann ging eigentlich alles ganz schnell. Bagger gemietet und begonnen, das Dorf frei zuschieben und zu baggern.“ Nach 16 Stunden harter Plackerei waren die Straßen endlich ordentlich befahrbar. Seine Hoffnung: „Ich denke, in der momentan nicht leichten Zeit konnte ich so die Dorfbewohner etwas aufmuntern und vor allem das Leben etwas einfacher machen.“

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