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Lippische Urgesteine

Lippische Urgesteine – Folge 5: Frederik Leike (TSG Holzhausen/Sylbach)

In unserer heutigen Ausgabe der Rubrik „Lippische Urgesteine“ nehmen wir die Legende von der TSG Holzhausen/Sylbach, Frederik aka “Freddy” Leike, genauer in das Blickfeld. Er erzählt uns so manche spannende Geschichte aus seiner aktiven und passiven Zeit.

 

Einmal Holzhausen, immer Holzhausen

Lippische Urgesteine (bs). Ja, Frederik “Freddy” Leike war schon immer ein treuer Anhänger des Vereins, denn er ist schon seit über 30 Jahren bei der TSG tätig. Er kam nie auf die Idee, für einen anderen Verein spielen zu wollen. Von klein auf, vom Mini-Kicker bis zum Seniorenbereich, ist er stets als Spieler tätig gewesen. Er hat keine Mannschaft ausgelassen. Von der ersten bis zur dritten Mannschaft hat er alle Vereine durchgespielt. Doch seine Fußballkarriere wurde durch eine schwere Verletzung vor drei Jahren überschattet. Da er sich das Kreuzband gerissen hat, konnte das Spielen nicht mehr richtig aufrecht gehalten werden und dadurch ist der aktive Fußballsport in den Hintergrund gerückt. Lippe-Kick rückt Frederik Leike in den Fokus.

 

Ihr wollt auch außerhalb vom Spielfeld nicht nur zweiter Sieger sein? Dann ab zu:

 

 

 

 

Von Björn Schran

 

 

Durch die Verletzung kam der mittlerweile 33-Jährige auch wirklich nicht mehr so richtig in den Spielbetrieb hinein. Kurz danach wurde Leike (Bild links) vom Jugendvorstand und dem Fußballobmann vom Verein gefragt, ob er nicht der Betreuer/Trainer der A-Jugend sein möchte. Diese Aufgabe hat ihn sofort gereizt. Danach entschloss er sich sofort, den Job zu übernehmen.

Das erste Jahr hat ihm auch sehr viel Spaß gemacht, hat er dabei schließlich sehr viel gelernt, und konnte bei den jüngeren Spielern der A-Jugend mal wieder sehen, wie die Jungspunde so spielen. Sich entwickeln, reifen, das fußballerische Rüstzeug in sich tragen, immer mehr Fähigkeiten zu erlangen, das sind wichtige Komponenten für die fußballerische Weggabelung.

 

 

Gerne an Korings Seite

 

Dann hat der Trainer der zweiten  Mannschaft auf einmal bei der TSG  Holzhausen/Sylbach aufgehört. „Der Simon Koring war in der Saison Trainer der dritten Mannschaft. Da wurde ich gefragt, ob wir nicht die Trainerlaufbahn einschlagen bzw. das Trainerteam der 2. Mannschaft sein möchten. Ich habe das Angebot natürlich sofort angenommen”, erklärt er gegenüber Lippe-Kick. Die Aufteilung gestaltete sich ganz klar: Simon Koring ist der erste Trainer, Freddy Leike der zweite Trainer und Betreuer der Mannschaft. Allerdings will er die Spiele und Spieler nicht missen. „Wir spielen halt sehr gut in der Kreisliga. Das macht richtig Bock mit den Jungs“.

 

 

Hans „Haka“ Karl Dick ein ganz besonderer Trainer

 

 

Doch auch Leike erinnert sich zurück an außergewöhnlich schöne Zeiten in seiner Fußball-Vergangenheit: „Eine besonders einprägsame Person war der erste Trainer im Seniorenbereich, Hans „Haka“ Karl Dick, der leider vor zwei Jahren ganz spontan verstorben ist.” Für ihn war er vom Typ her „einer der besten Trainer, die ich je hatte.” Besonders stolz ist Leike, dass auch auf bekannte Spieler im Verein zurückgeblickt werden kann. Wir gehen etwas näher in der Zeitleiste zurück. In das Jahr 2014. Pavel Wassiljew war ein Gastspieler vom russischen Traditionsverein ZSKA Moskau II. Eigentlich kam er aus dem fernen Russland, um näher bei seiner Tante zu sein. Deshalb wollte er ein Probetraining beim schon damals äußerst ambitionierten SV Rödinghausen absolvieren.

Da seine präferierte Sechserposition allerdings vier- bis sechsfach besetzt war, war der SVR keine Option. Dann also ab nach Holzhausen. Er spielte jeden Tag auf dem Sportplatz des Vereins. Einmal war er sogar beim Altherrentraining mit dabei. Sofort fiel Michael “Benno” Wehmeier, dem Obmann des Vereins, auf, dass dieser Mann ein richtig guter und ein talentierter Fußballspieler ist. Ein jähes Ende erfolgte, da für Wassilijew plötzlich das Visum ablief. Die TSG-Verantwortlichen waren emsig, wollten sie doch dem russischen Gast-Kicker sogar eine Arbeitsstelle besorgen, um somit eine gewisse Sesshaftigkeit zu gewährleisten.

 

DFB-Niedergang mit Einfluss auf lippische Defizite

 

Früher ist Freddy Leike in Lemgo zur Schule gegangen. Da es damals noch kein Internet gab, wo die Ergebnisse im Fußball abgerufen werden konnten, musste man damals im Geschäft eine Sportzeitung kaufen, um sich die Ergebnisse einzuholen. Man kennt sich, schätzt sich meist auch. Auch mit den Spielern von früher, die in Holzhausen, Brake, Kircheide zur Schule gegangen sind, pflegt er immer noch einen guten Kontakt.

Bereits seit 2014 gibt es keine lippische Mannschaft mehr in der Landesliga. Dies begründet, der auch unter dem Spitznamen Fred auftretende Leike mit der Nationalmannschaft von Deutschland, die seit dem WM-Titelgewinn 2014 auch nicht mehr so erfolgreich spielt. Es mangelt schlichtweg an Vorbildern, dann auch am Nachwuchs. Die Jugendlichen widmen sich in der aktuellen Zeit eher anderen Hobbys, ist der Fußballverein vor Ort nicht mehr das Nonplusultra in der Freizeitgestaltung.

Fast schon einen Seltenheitsstatus gibt es bei lippischen Fußballvereinen, die noch sämtliche Jugendteams stellen können. Leike blickt vor allem nach Nordlippe, ins Kalletal, wo es eine Neuner-Mannschaft im Nachwuchssektor gibt, bestehend aus einem halben Dutzend Vereinen. Ein weiteres Problem: Die talentiertesten Kicker werden schon früh gescouted, dann mit einer vielversprechenden Perspektive in einen anderen Fußball-Kreis gelockt. Vielleicht kann eine erfolgreiche Fußball-Europameisterschaft aus DFB-Sicht eine neue Euphorie-Welle bescheren. Mit der Löw` schen Kaderauswahl zumindest zeigt sich Frederik Leike mehr als einverstanden.

 

Leikes Traum-Comeback

 

Wie viele Partien Leike tatsächlich schon in unterschiedlichsten Rollen im lippischen Fußball miterleben durfte, hat er nicht mehr direkt parat. Ein Spiel ist allerdings außerordentlich einprägsam. Es ist rund drei Jahre her, als beim Warmmachen für ein Freundschaftsspiel sich Leike „Kreisliga-like“ einen Kreuzbandriss zuzog. Die nahezu komplette Spielzeit musste der Fußballverrückte somit in die Tonne kloppen. Sein Comeback war indes einfach nur noch atemberaubend. Im letzten Saisonspiel 2018/19 gegen den SC Lemgo/West wurde er zwanzig Minuten vor dem Schlusspfiff eingewechselt, traf nach 75 Minuten zum 9:0 und stieg mit der TSG Holzhausen/Sylbach II nach einem 12:0-Triumph in das Lemgoer Kreisunterhaus auf. „Dies war das emotionalste und spektakulärste Spiel, was ich erlebt habe, weil wir auch direkt aufgestiegen sind”, so der Porträtierte gegenüber Lippe-Kick.

 

 

 

Internationale Jugendfahrten und der Fallschirmspringer

 

Noch deutlich weiter zurück liegen seine Jugendjahre, als sein Vater unvergessliche Fußballfahrten nach Frankreich oder in die Niederlande organisiert hat. Die Gedanken an diese Spiele sind komplett verschwunden. Wobei. Lasst uns doch über die Fallschirmspringer-Geschichte sprechen. Auf diese Art und Weise wurde der Spielball in ein Stadion mit  5.000 lautstarken Zuschauern gebracht. Die staunende TSG-Jugend durfte vor dieser großartigen Kulisse kicken. Ein unglaublicher Moment für die Lütten.

 

 

 

 

Vom Fußball zum Verfahrensmechaniker

 

Fußball nimmt einen gewichtigen Part in seinem Leben ein. Doch die Arbeit, die bereitet ihm ebenfalls große Freude. Zurzeit arbeitet Leike bei der Firma „Anne Plastik GmbH“ in Holzhausen – Bad Salzuflen als Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuktechnik. Dies ist eine kleine Kunststofffirma, wo Kunststoffteile in allen Varianten hergestellt wird. Das Wichtigste kommt zuletzt. Ein besonderer Dank geht an seinen Vater. „Von der E-Jugend bis zur zweiten Herrenmannschaft hat er mich trainiert und gefordert. Ich habe ihm viel zu verdanken.” Man merkt es auch ohne Psychologie-Studium schnell: Leike hat eine ganz enge Beziehung zu einer exorbitant wichtigen Bezugsperson in seinem Leben. Zu seinem Dad, der ebenso fußballverrückt ist wie er. Nunja, der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.

 

 

 

 

 

Bild-Quelle: Frederik Leike.

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