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Kreisliga B2 Lemgo

TuS Bexterhagen – 2016 Analyse

Vom TuS Bexterhagen haben wir folgenden Bericht über die erfreuliche Entwicklung im Jahr 2016. Sehr lesenswert und informativ. Geschrieben von Sören Brüntrup.

 

 TuS Bexterhagen Jahresrückblick 2016: Wenn der Berg ruft…

 

 

Trainer Achim Wenzel formt aus einem Abstiegskandidaten in 12 Monaten einen Aufstiegsaspiranten

 

Kreisliga B2 Lemgo (hk). Das Jahr 2017 hat bereits Fahrt aufgenommen, die Zeit für Jahresrückblicke ist eigentlich längst vorbei. Im Falle des TuS Bexterhagen sind ereignisreiche 12 Monate dennoch mehr als Grund genug, einen ausgiebigen Blick zurückzuwerfen auf die Rückrunde 15/16 und die Hinrunde 16/17 in der Lemgoer Kreisliga B…

 

 

Die Begrüßung der gegnerischen Mannschaft stellt im Amateurfußball schon beinahe so etwas wie ein fest etabliertes Ritual da. Dabei geben sich die Spieler, je nach Tagesform und vor allem abhängig von den Ereignissen des vorangegangenen Abends, mal mehr, mal minder Mühe, ihre Kontrahenten mit dem einstudierten Schlachtruf “willkommen” zu heißen. Unstrittig ist jedoch, dass dieser Schlachtruf in den meisten Fällen mindestens genauso alt ist wie die Gesichter, denen man seit Jahren (oder gar Jahrzehnten) jeden Sonntag gegenüber steht.
Hier bildet der TuS Bexterhagen gewiss keine Ausnahme, wenn allwöchentlich dem verstorbenen österreichischen Bergsteiger Luis Trenker gehuldigt wird. Doch während in den vergangenen Jahren von Höhenluft rund um den Alten Postweg rein gar nichts zu spüren war, glich das Fußball-Jahr 2016 der Reds tatsächlich in gewisser Weise dem Erklimmen eines Berges – oder zumindest des oberen Tabellendrittels.

 

Dabei hatten sich Verantwortliche und Spieler beim TuS den Start in die Rückrunde 2015/16 sicher anders vorgestellt. Nach einer katastrophalen Hinrunde inklusive Trainerwechsel hatte der inthronisierte Achim Wenzel mit zwei Siegen vor der Winterpause zumindest eine Basis legen können, um im neuen Jahr erfolgreich aus dem Tabellenkeller zu klettern. Eine intensive Vorbereitung, zumal gänzlich auf Kunstrasen absolviert, nährt zusätzlich die Hoffnung auf einen erfolgreichen Rückrundenstart. Und dann das: 0:3 in Lipperreihe – auf Kunstrasen.

 

Doch der TuS berappelt sich rasch, fährt gegen den Tabellennachbarn Holzhausen einen wichtigen 2:0-Heimsieg ein und zeigt an Ostern zwei starke Spiele gegen die Top-Teams aus Entrup (1:1) und Oerlinghausen (1:2).
Im April präsentieren sich die Wenzel-Schützlinge, zum Unwohl ihres Trainers, dann allerdings ebenso launisch wie das Wetter. Einem souveränen 3:0 gegen indisponierte Schötmarer und einem Unentschieden in Asemissen folgen ein katastrophales 1:5 gegen den TuS Helpup II sowie eine komplett unnötige 2:3-Heimniederlage gegen die Bad Salzufler Reserve. Damit sollte sich bewahrheiten, was Wenzel (Bild rechts) seit seiner Amtsübernahme schon beinahe wie ein Mantra immer wieder gepredigt hatte: “Wir müssen als TuS Bexterhagen an jedem Wochenende 110 Prozent geben. Nur so geht es. Und dann können wir wirklich jedem Gegner weh tun. Geben wir nur ein paar Prozent weniger, werden wir kein einziges Spiel gewinnen.”

 

Durch die wechselhaften Darbietungen im April wird der Mai zum entscheidenden Monat im Kampf um den Klassenverbleib. Das knifflige Auswärtsspiel beim BSV Leese steht dabei eine Halbzeit lang auf des Messers Schneide, doch durch einen wahren Kraftakt (und effektive Joker) dreht der TuS einen 0:1-Rückstand in der zweiten Halbzeit noch in einen 4:1-Sieg. “Das folgende Heimspiel gegen Matorf war ja schon so etwas wie ein kleines Finale, weil wir mit einem Sieg schon fast uneinholbar über dem Strich gelegen hätten”, erinnert sich Co-Trainer Uwe Wehmeyer. “Insofern war das Spiel gegen Leese nicht nur wichtig fürs Punktekonto, sondern auch für den Kopf.”
Die Partie gegen Matorf gerät zum waschechten Krimi. Eine frühe TuS-Führung durch Tobias Ullmann (Bild links) können die Gäste noch vor der Pause egalisieren. Nach der Halbzeit sorgt ein früher Doppelschlag durch Gagelmann und abermals Ullmann vermeintlich für klare Verhältnisse, doch als der Vorletzte aus Matorf noch einmal auf 3:2 rankommt, wird die Schlussphase zur nervlichen Zerreißprobe, ehe der Sieg schlussendlich unter Dach und Fach ist.

 

Sichtlich befreit schießen die Reds am darauf folgenden Wochenende den TuS RW Grastrup-Retzen mit 3:0 vom Platz und sichern damit auch rechnerisch den Klassenerhalt. Doch nicht nur das: Mit 21 Punkte klettert der TuS bis auf Platz 7 in der Rückrundentabelle. Bereits im Frühling 2016 lässt sich damit erahnen, dass der Aufschwung in Bexterhagen womöglich nicht nur von kurzer Dauer sein könnte…

 

 

Nach dem Aufstieg der beiden Überflieger aus Oerlinghausen und Wüsten in der Vorsaison scheint für den Meistertitel 2016/17 eigentlich nur ein Team infrage zu kommen: Der TuS Ahmsen. Und in der Tat grüßt der Vorjahres-Achte, auch dank Neuzugang Sören Seifert, vom ersten Spieltag an vom Tabellengipfel. Dicht dahinter: Der TuS Bexterhagen! Obgleich der positive Einfluss von Trainerfuchs Achim Wenzel bereits im Saisonendspurt 2015/16 deutlich zu erkennen war, hatte wohl niemand die Reds als ersten Verfolger auf der Rechnung – mit Ausnahme von Wenzel selbst natürlich. Zwar verabschieden sich die Bexterhäger – wieder einmal – frühestmöglich aus dem Krombacher-Pokal (0:1 gegen Retzen), doch in der Liga fährt das Team um Kapitän Julian Droste aus den ersten fünf Partien satte 13 Zähler ein, darunter ein 7:0-Kantersieg gegen Union Entrup. Die Höhenluft scheint der jungen Mannschaft gut zu bekommen! Gesichter des sportlichen Aufschwungs sind dabei nicht etwa die etablierten “Veteranen” wie Droste, Middeldorf und Co., sondern junge Gipfelstürmer wie Sturmtank Ibrahim Camara (ein 21-jähriger Flüchtling aus Guinea) oder die Eigengewächse Clemens Grosser, Dominik Dodt und Eric Wöhler.

 

 

Zum vorläufigen Saisonhöhepunkt avanciert der ebenso sensationelle wie emotionale 4:3-Auswärtserfolg beim TuS Ahmsen, der von früher Führung über zweimaligen Rückstand bis hin zum Last-Minute-Siegtreffer durch Arne Middeldorf alles zu bieten hat. Spätestens jetzt ist klar: Mit dem TuS Bexterhagen ist in dieser Saison zu rechnen!

 

Komplett ohne Rückschläge kommt der TuS freilich nicht durch die Hinrunde. Nach neun Spielen ohne Niederlage ist es am zehnten Spieltag ausgerechnet Kellerkind TuS Lipperreihe II, das den Bexterhägern beim 3:4 die erste Saisonniederlage zufügt. Unfassbar: Dank eines Dreierpacks von Ibrahim Camara (Bild rechts) führt der TuS bis zur 60. Minute eigentlich souverän mit 3:0, erlebt danach jedoch einen unerklärlichen Einbruch.

 

Im Oktober und November durchschreiten die Reds dann leistungstechnisch eine kleine Talsohle. Zwar festigt man den dritten Tabellenplatz mit 17 von 21 möglichen Punkten, doch gerade die Partien gegen Abstiegskandidaten wie Helpup II oder Wüsten II laufen bei weitem nicht so problemlos wie von einigen erwartet. Eine positive Ausnahme stellt da die Partien gegen den TSV Schötmar II und Liga-Wundertüte SC Bad Salzuflen II im Spätherbst dar. Nicht nur, dass die Mannschaft ihrer treuen Anhängerschaft beim 7:0 bzw. 4:2 reichlich Anlass zum Jubel bietet – endlich sehen die Fans wieder ein aggressives, jedem Ball nachsetzendes Team, das obendrein auch noch gefällig zu kombinieren weiß. Dass die Zuschauer ihren Teil beitragen, ist den Spielern dabei bewusst. “Es ist schon cool, wenn du dann bei den Heimspielen teilweise vor 60, 70 Leuten spielst”, zeigt sich Youngster Clemens Grosser beeindruckt von der Unterstützung an der Seitenlinie. Grosser ist es übrigens auch, der mit einem Doppelpack im verfrühten Rückrundenderby gegen den TuS Lockhausen maßgeblich zum gelungenen Jahresabschluss beiträgt.

 

 

Damit überwintert der TuS Bexterhagen auf einem zu Saisonbeginn kaum für möglich gehaltenen dritten Rang. Ausruhen wird sich trotz dieser respektablen Leistung freilich niemand, die Reise soll noch nicht zu Ende sein. Denn die Luft für Tabellenprimus Leese wird dünner, und die Mission für 2017 ist klar: Die Reds wollen den Gipfel erklimmen…

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