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Best of Lippe-Kick

Best of Lippe-Kick 2019 – Nachbericht BL und A-Liga-Duell

Die Frage vor dem Spiel lautet: Wer holt sich den dritten Sieg? Team Detmold schafft es – nach zwei Auftakterfolgen in 2015 und 2016 gewinnen sie wieder den begehrten FuL-Kreis-Pokal.

Detmold bestraft fehlerhaften Titelverteidiger

 

Best of Lippe-Kick 2019 (hk). Wohl nie zuvor ist eine Partie so eindeutig gewesen wie beim Bezirks- und A-Ligaduell zwischen dem Team Detmold und der Lemgoer-Auswahl in diesem Jahr. Mega bitter, was auch dafür sorgt, dass das Event bestraft wird und Zuschauer fluchtartig den Platz verlassen: Es ist ein typisches Best of Lippe-Kick-Wetter, was sich auf dem Kunstrasenplatz an der Oerlinghauser Straße ereignet. Strömender Regen sorgt für ungemütliche Bedingungen. Die Hausherren adaptieren diese besser, siegen nach einer beeindruckenden Performance mit 6:2 gegen die Hansestädter, die ihre Klasse nur dosiert anbieten. Bereits nach 20 Minuten scheint alles klar zu sein, als die Elf von Coach Falk Weskamp und Tobias Gatzke deutlich mit 3:0 in Führung liegt.

 

Von Henning Klefisch

 

 

Schon in der achten Minute fällt das erste Tor durch Kevin Sömmer, bedient ihn Joel Weber mit einer Freistoßflanke aus dem Halbfeld. Aus rund 30 Metern Torentfernung bringt er eine Flanke chirurgisch genau auf den Schädel von Sömmer, der ihn am kurzen Pfosten stehend stark einköpft. Allerdings: Im Vorfeld leisten sich die Blau-Weißen einen vermeidbaren Fehler im Spielaufbau. Auswahltrainer Heiko Taube bemängelt, dass seine Mannschaft sich in dieser Szene zu ballverliebt zeigt. Weber macht sechs Minuten später erneut den Torbutler, legt einen beachtlichen Sololauf über 25 Meter hin, steckt die Kugel durch und Robin Jöstingmeier schließt mit einem Direktschuss in die lange Ecke eiskalt ab. Und: „Vielleicht hätte man den als Keeper pflücken können“, meint Taube den Pass von Weber. Den Pausenstand erzielt Sören Rottschäfer, der für den starken Weber eingewechselt wird. Hierbei wird ihm zu viel Geleitschutz gewährt. Sömmer scheitert aus halbrechter Position im Strafraum noch vielversprechend an der Torlatte. Eine deutliche Führung, dabei reibt sich jedoch Team Lemgo-Coach Heiko Taube etwas verwundert die Augen, meint er: „Wir sind gut ins Spiel gestartet, haben jedoch die Tore auf dem Silbertablett serviert.“

Durmaz-Tor kommt zu spät

N. Durmaz

Ein besonders schönes Tor markiert Marco Jöstingmeier-Polvora zehn Minuten nach dem Seitenwechsel, als er von einem Lemgoer Abwehrfehler profitiert, aufmerksam ist, aus dem Halbfeld aus kurz hinter der Mittellinie startet und mit einem Lupfer aus rund 20 Metern über den Brake-Fänger Niklas Remmert in die lange Ecke abstaubt. Taube moniert, dass sein Team vorab diesen Treffer „wieder als Geschenk verpackt“, quasi ein „Elfmeter ohne Torwart.“ Ein Wahnsinnstor erzielt Artur Wiegel in der 63. Minute, als er mit einem technisch feinen Drehschuss in die linke obere Ecke Remmert keine Abwehrchance lässt. 15 Minuten vor dem Schlusspfiff brilliert Robin Jöstingmeier mit einem direkt verwandelten Freistoß in die linke obere Ecke. Ein Wahnsinnstor. Die Entfernung: Circa 25 Meter. Eine Handvoll weiterer Chancen ergeben sich, um das Ergebnis weiter auszubauen, doch sie scheitern aussichtsreich. Etwas Ergebniskosmetik gelingt Nihat Durmaz per Pike aus kurzer Distanz nach 80 Minuten, ehe Leon Baumeister kurz vor dem Schlusspfiff nach einer exzellenten Körperdrehung zum 6:2-Endstand erfolgreich ist.

 

Wehmeier sieht Detmolder Effizienz

Für Axel Wehmeier, den Lemgoer-Coach, „spricht das Ergebnis natürlich eine ganz klare Sprache.“ Selbst hat man sich auf die Agenda geschrieben, dass viel Ballbesitz dazu führen soll, dass sich Abschlussaktionen herausgespielt werden. Das Problem: „Das Team Detmold war hervorragend eingestellt und wir sind überhaupt nicht mit dem schnellen Umschaltspiel klargekommen. Wir müssen uns natürlich auch den Vorwurf gefallen lassen, im Spielaufbau immer wieder durch Abspielfehler dem Gegner die Möglichkeit gegeben haben, dies auszuspielen und dann war in Halbzeit eins ja auch jeder Schuss ein Treffer“, ist die Kaltschnäuzigkeit der Residenzler ein großer Trumpf gewesen. Ein Manko im Spiel vom Titelverteidiger: „Uns ist es nicht gelungen, unsere Stürmer in Position zu bringen und dann hat man es auch nicht verdient. Das Team Detmold war sehr gut eingestellt und der Sieg geht ohne Wenn und Aber in Ordnung“, ist die Überlegenheit gewaltig gewesen. Taube legt den Finger in die Wunde: „Insgesamt zu fehlerbehaftet, gerade im Spielaufbau im zentralen Mittelfeld. Da hast du dann bei der Detmolder Besetzung gerade in der Offensive keine Chance mehr, defensiv Boden gut zu machen.“ Trotz des gebrauchten Tages möchte er aber keineswegs den Stab über seine Mannschaft brechen, bestreitet diese immerhin „zwei gute Trainingseinheiten.“ Was ihn ein Stück weit beeindruckt: „Charakterlich geile Typen, die sich auch Sachen annehmen und Bock auf das Kicken haben. Kein Vorwurf an die Truppe – aber der technisch starke Gegner und der für den einen oder anderen ungewohnte Platz haben uns keine Chance gelassen.“ Ganz anders die siegreichen Hausherren, lobt der Sonneborner Trainer seine Gegenüber Falk Weskamp und Tobias Gatzke: „Da wurde auf der Gegenseite viel richtig gemacht – auf dem Platz und auf der Trainerbank. Glückwunsch an Detmold!“

 

Detmold besticht mit mannschaftlicher Geschlossenheit

Team Detmold-Coach Falk Weskamp, der bereits 2017 an gleicher Stelle mit der Detmolder B- und C-Auswahl triumphiert hat, erklärt nicht völlig abwegig: „Ich glaube, dass das Ergebnis auch in der Höhe verdient ist.“ Was ist denn der Erfolgsfaktor für den eigenen Sieg gewesen? „Bemerkenswert fand ich den Zusammenhalt in der Mannschaft. Völlig fokussiert auf dieses Spiel. Ich habe 18 tolle Typen kennengelernt. Wir wollten nach der Halbzeit sicher stehen, Lemgo kommen lassen und dann einen Konter setzen und den Deckel draufmachen. Das ist uns gelungen. Das war von unserer Truppe taktisch clever und mit der erforderlichen Aggressivität gespielt.“ Unabhängig von den Positionen hat jeder Spieler seine Aufgabe erfüllt, auch die Taktik erweist sich als goldrichtig. Im Sturmbereich hat das Trainerduo Gatzke/Weskamp die Qual der Wahl, wählt zwischen dem Brechertypen Sören Rottschäfer und dem flinken Joel Weber. „Persönlich habe ich mich über Marvin Wiebe sehr gefreut, der als jüngster Spieler 90 Minuten spielt und einen exzellenten Job macht. Serkan Cabuk konnte beruflich bedingt nur die zweite Hälfte spielen und hat dann auch sofort gezeigt, warum er mit 34 auch noch in diese Auswahl gehört“, haben der Benjamin und der Methusalem im Detmolder-Team starke Leistungen geboten. Thomas Stirz, Artur Wiegel, Tobias Rupnow, Samet Uslu, Janick Bahms, Marco Jöstingmeier-Polvora, Kevin Sömmer und Yannick Leßmann waren sehr stark auf Außen. Die Fänger Tim Bukowski und Daniel Eichmann haben überragend pariert, die Sechser Dennis Tille und Tim Dachrodt waren „unglaublich zweikampfstark.“

 

„Es war wieder eine tolle Erfahrung“

Was kann Weskamp zum Spieler des Spiels, Robin Jöstingmeier (Bild rechts), sagen? „Quirlig, laufstark und immer gefährlich in seinen Aktionen.“ Die weitere Offensive: „Joel und Sören waren ein ständiger Unruheherd in der gegnerischen Abwehr. Kevin Jeschonnek als Chef in der Abwehr war jederzeit Herr der Lage. Da war ein Kopfball von ihm, in den gehen manche noch nicht mal mit dem Fuß hin“, schildert Weskamp launig. Seine abschließenden Worte: „Ich persönlich möchte mich bei unseren Spielern, bei der FSV Pivitsheide und bei Lippe Kick für diese tolle Veranstaltung bedanken. Ich konnte mit Jörg Jöstingmeier (Bild rechts) 2017 im Regen das B- und C-Spiel gewinnen, dieses Jahr A und Bezirk wieder Regen und wieder gewonnen. Es war wieder eine tolle Erfahrung. Vielen Dank“, hat Weskamp definitiv eine gute Erziehung genossen.

 

„Jungs hatten keine Lust, das Ding zu verlieren“

Ebenso Gatzke, der nach 2015 in der gemeinsamen Auswahl und 2016, 2017 und 2018 als Kicker der B- und C-Mannschaft, nun als Trainer beim fünften Versuch zum fünften Mal den Pokal in die Höhe stemmt, betrachtet den Sieg als „absolut verdient.“ Weil: „Am Ende kann man sagen, wenn wir unsere Chancen konsequent nutzen, kann es auch zweistellig werden und das sage ich, ohne überheblich zu sein.“ Was ist entscheidend für den höchsten Sieg in diesem BoL-Duell gewesen? „Falk und ich haben uns einen Matchplan erarbeitet und die Jungs haben sich vollkommen daran gehalten und das war der Grundstein für den Sieg. Dazu kommt, dass die Jungs absolut keine Lust hatten, das Ding zu verlieren. Sie wollten nicht, dass Lemgo den Pott behalten darf.“ Auch findet er nach einer leidenschaftlichen und nervenaufreibenden Kadersuche noch nette Worte für die Veranstalter: „Ich soll mich auch im Namen der Spieler und Falk für das super Event und die gute Planung und Durchführung bedanken. Ein großes Lob, was Ihr wieder zusammen mit FSV Pivitsheide auf die Beine gestellt habt – mit dem leckeren Essen als krönenden Abschluss.“

 

Lemgoer Kreis mit wenig Interesse

Trotz der klaren Unterlegenheit sind unterdessen für Axel Wehmeier die positiven Erfahrungen in der Mehrzahl. Konkret: „Die Veranstaltung war top organisiert und vielen Dank auch nochmal an das Team von der FSV Pivitsheide um Rolf Kröger für die tolle Bewirtung.“ Der Wettergott Petrus mag das FuL-Kreis-Auswahlspiel offenbar überhaupt nicht, tut alles dafür, dass die Zuschauer wegbleiben. Vier von fünf BoL-Partien sind von massiven Regenfällen beeinflusst worden. Ein extremer Publikumskiller. Wehmeier zuckt mit den Achseln: „Ich weiß nicht, wieso es immer, wenn dieses Spiel stattfindet, wie aus Kübeln regnet. Das war natürlich gerade für das Zuschauerinteresse nicht förderlich, aber natürlich auch irgendwie nicht zu ändern.“ Eine Tatsache, die auch bei Lippe-Kick für eine kolossale Enttäuschung sorgt: „Im Lemgoer Kreis scheint das Spiel nicht auf so großes Interesse gestoßen zu sein. Schade finde ich auch, dass ich keinen Offiziellen vom Kreis Lemgo gesehen habe. Das wäre auch für die Spieler mal ein Signal gewesen, dass ihr Engagement bemerkt wird“, stellt sich auch Lippe-Kick die Frage, ob dies eine sinnvolle Basis darstellt, um auf Dauer angemessen zusammenzuarbeiten. Allerdings darf man hier nicht pauschalisieren: Mannschaften wie der RSV Barntrup, der TSV Oerlinghausen, der TBV Lemgo, der TSV Schötmar, der SV Werl-Aspe und der TuS Brake haben sich hier einmal mehr positiv hervorgehoben, bedankt sich Lippe-Kick bei diesen Vereinen explizit, aber auch bei sämtlichen Spielern und Trainern vom Team Lemgo, natürlich auch beim Team Detmold. Immerhin muss die Kadersuche aufgrund einiger Missverständnisse innerhalb von nicht einmal zwei Wochen durchgeführt werden. Dazu gesellt sich die Urlaubszeit und die parallel stattfindende Vorbereitung, weshalb einige Vereine ihre Spieler nicht freigestellt haben, respektive die Spieler folglich nicht wollten. Wenn es noch einmal solch einen Kreisvergleich 2020 geben wird – dafür ist die Zusammenarbeit ALLER Vereine, Trainer, Spieler, aber auch der Offiziellen nötig – werden die Planungen früher finalisiert. Erfreulich: Wenn es zum Best of Lippe-Kick 2020 kommen sollte, haben wir jetzt schon erste Trainer und dieses Mal auch Manager für die Teams Bezirksliga und A-Klasse nahezu perfekt, wird es zu gegebener Zeit hier Abschlüsse geben.

 

Fazit: Eine einseitige Angelegenheit. Zunächst besticht Team Detmold mit einer wahnsinnigen Effizienz, dann übernehmen sie immer mehr das Heft des Handelns. Die Gäste begehen zu leichte Fehler, die die hochengagierten Residenzler geschickt ausnutzen können. Dass dieses Spiel beileibe kein Jux-Spiel ist, zeigen beide Teams, die beherzt zur Sache gehen, dieses Prestige-Derby für sich entscheiden wollen. Die Tore sind ansehnlich und teilweise schön herauskombiniert.

 

Tore:

1:0 Kevin Sömmer (8. Min.)

2:0 Robin Jöstingmeier (14. Min.)

3:0 Sören Rottschäfer (20. Min.)

4:0 Marco Jöstingmeier-Polvora (55. Min.)

5:0 Artur Wiegel (63. Min.)

6:0 Robin Jöstingmeier (75. Min.)

6:1 Nihat Durmaz (80. Min.)

6:2 Leon Baumeister (86. Min.)

 

 

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